Bauerntag auf der MeLa 2015

18.09.2015

© Gerd Rinas

Während des MeLa-Bauerntages: Viele Besucher verfolgten das Geschehen mit besorgten Mienen.

Die schlechten Nachrichten aus der Veredlungswirtschaft überschlagen sich in den vergangenen Wochen. Die Preise bei Eiern, Milch und Schweinefleisch sind schon lange nicht mehr kostendeckend. Immer mehr Milchviehhalter und Schweinemäster stellen ihre Produktion ein oder denken zumindest laut darüber nach. Viehhändlern werden ganze Herden zur Vermarktung angeboten, der Färsenmarkt droht wegen des Überangebots zusammenzubrechen.

 

Verlust ausgleichen


„Wir wollen nicht jedes Mal, wenn es für uns eng wird, zur Politik rennen und um Hilfe bitten. Aber wenn die Politik in den Markt eingreift, muss sie auch die Folgen tragen“, stellte Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl auf dem Landesbauerntag in Mühlengeez klar. Er sprach damit die Sanktionen der EU gegen Russland an.  Allein dadurch büßen die Landwirte bei jedem Liter Milch vier Cent und bei jedem Schwein acht Euro ein. „Diese Verluste muss die Politik ausgleichen“, forderte Tietböhl.


Ohne durchgreifende Marktentlastung drohten der Veredlungswirtschaft im Land tiefe Einschnitte. „In der Verarbeitungsindustrie und im Lebensmitteleinzelhandel muss man sich genau überlegen, wie es weitergehen soll. Will man künftig Milch und Fleisch aus anderen Ländern verarbeiten? Wenn weiter regionale Produkte  angeboten werden sollen, müssen die Preise unsere Kosten decken“, so Tietböhl. Mit Ramschpreisen zulasten der Bauern gehe das nicht.

 

Märkte sind gesättigt


Das 500-Millionen-Euro-Hilfsprogramm, mit dem die EU-Kommission auf die Proteste der Landwirte gegen das Preisdumping in der vergangenen Woche reagiert hat, sei nicht mehr „als ein Tropfen auf den heißen Stein“: Für seinen Milchviehbetrieb, so Tietböhl, mache das gerade mal eine Einmalzahlung von 300 Euro aus. Der Betrieb verbuche derzeit aber jeden Tag 600 Euro Verlust.


Doch die Aussichten auf weitere Hilfen aus Brüssel sind schlecht. „Die Märkte bei Milch und Schweinefleisch sind gesättigt. Verbrauchszuwächse in der EU gibt es kaum. Produkte über den Bedarf hinaus lassen sich nur auf Drittlandsmärkten absetzen“, erläuterte Jens Schaps, bei der EU-Kommission für Marktordnung und Agrarmarktanalyse zuständig. Dabei bleibe der russische Markt zumindest für Milchprodukte aus der EU vorerst weiter verschlossen. Die entsprechenden Sanktionen wegen der russischen Ukraine-Politik sind erst am vergangenen Wochenende um ein Jahr verlängert worden. „Voraussetzung, um auf anderen Drittlandsmärkten Fuß zu fassen, ist eine hohe Wettbewerbsfähigkeit im Verhältnis zu anderen starken Agrarexporteuren wie Neuseeland, Australien und den USA. Interventionsmaßnahmen und Preisstützungen wirken sich dabei negativ aus“, so Schaps. Ob die private Lagerhaltung für Schweinefleisch und Milch verlängert werden soll, darüber wollen die EU-Agrarminister in dieser Woche entscheiden. Der Direktor in der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission  sprach sich dafür aus, Geld aus dem EU-Hilfspaket in die Absatzförderung zu investieren, um die Exporte anzukurbeln. Ein Abkommen mit Südkorea für die Ausfuhr von Schweinefleisch verspreche Marktentlastung, auch mit Japan gäbe es Verhandlungen.


„Mit 25 Cent für den Liter Milch kann kein Landwirt kostendeckend produzieren. Bei Mastschweinen müssen derzeit rund 13 bis 15 Euro und bei Ferkeln bis zu 20 Euro pro Tier draufgelegt werden“, räumte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus auf dem Bauerntag ein.

 

Milch aus Fernost?


„Es läuft etwas nicht richtig, wenn Landwirte mit jedem Liter Milch und jedem Schwein Geld verlieren, also jeden Tag dafür bezahlen, dass sie zur Arbeit gehen dürfen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind gleichermaßen gefragt, die Landwirt schaft zu stützen. Andernfalls kommt unsere Milch bald aus Fernost“, warnte der Minister. Aus Backhaus’ Sicht reichen die Maßnahmen aus dem EU-Hilfspaket nicht aus. Er forderte die Kommission auf, die Mittel aus der Superabgabe und Krisenreserve zu nutzen, um Tierhalter zu unterstützen. Backhaus zeigte sich enttäuscht, dass es aus dem Bundesagrarministerium bisher keinen entsprechenden Antrag gibt.


Bereits im Vorfeld des Bauerntages hatte er Pacht- und Steuerstundungen vom Land in Aussicht gestellt. „Darüber hinaus prüfen wir weitere Hilfen.“ Nachgedacht wird über ein Förderprogramm Sommerweide mit 60 €/GV für Milchkühe, Mastrinder und Jungvieh sowie ein Programm zur Unterstützung der tierartgerechten Schweinehaltung mit 30 € pro Mastplatz und 50 € pro Zuchtschweineplatz. Aber auch dabei müsste die EU mitspielen. „Beide Programme sind notifizierungspflichtig“, so Backhaus.

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