Bauerntag an der Milchstraße

15.03.2017

© Heike Mildner

Lebhafte Diskussion zur Öffentlichkeitsarbeit.

Nach Ostvorpommern (3. 3.) setzte Bützow am vergan­genen Sonnabend den Märzreigen der Mitgliederversammlungen der regionalen Bauernverbände in MV fort. Es folgen nun im Tagesabstand Bad Doberan (14. 3.), Uecker-Randow (15. 3.), Malchin (16. 3.), Müritz (17. 3.), dann Altentreptow (20. 3.), Nordwestmecklenburg und Rügen (21. 3.), Mecklenburg-Strelitz (23. 3.) und Nordvorpommern (24. 3.), gefolgt vom Landesbauerntag am 30. März in Linstow. Das Prozedere kennt man, auch die Themen dürften sich ähneln: die katastrophalen Milch- und Erzeugerpreise, der Spiegel der Landwirtschaft in Medien und Öffentlichkeit, Vogelgrippe und Bundestagswahl.


Die Bützower begingen ihren Bauerntag im Speicher des historischen Gutshofes in Steinhagen – direkt an der „Milchstraße Bützower Land“. Sechs Landwirtschaftsbetriebe aus der Region ermöglichen unter dieser Überschrift interessierten Menschen Einblicke in die moderne Milchwirtschaft: beispielhafte Öffentlichkeitsarbeit vonseiten der Praktiker, wie man sie sich nur wünschen kann. Ein Thema, das an diesem Vormittag noch eine große Rolle spielen sollte. Eröffnet wurde der Bauerntag jedoch zunächst mit einer Schweigeminute für zwei verstorbene Gründungsmitglieder: Hermann Krey aus Kurzen Trechow und Adolf Förster aus Baumgarten.

 

Hohe Zahlungsmoral


Erscheint der Bützower Verband flächenmäßig mit zirka 30 000 ha auch recht klein, gilt er doch mit aktuell 98 Unternehmen, Einzelbetrieben und Personen als der mit dem höchsten Organisationsgrad in MV. Ihre Wertschätzung der Verbandsarbeit brachten zahlreiche Gäste aus Kommunalpolitik, landwirtschaftlicher Verwaltung und befreundeten Verbänden mit ihrer Anwesenheit und teils mit Grußworten zum Ausdruck. Manfred Bissa, Präsident des Bützower Bauernverbandes, lobte die Landwirte für ihre hohe Zahlungsmoral. Obwohl auf dem vorangegangenen Bauerntag aufgrund der schwierigen Situation sowohl in der Veredelungswirtschaft als auch im Marktfruchtbereich die Beitragserhebung für 2016 einmalig ausgesetzt worden war, hatten alle Mitglieder ihre Beiträge entrichtet. Ein größeres Lob der Mitglieder für die Arbeit ihres Verbandes kann es wohl kaum geben.


In seinem Rechenschaftsbericht ließ Manfred Bissa das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren: begonnen bei den Umbrüchen auf 15–20 000 ha in MV wegen starker Auswinterungen, davon 1 000 ha im Bützower Verbandsgebiet, bis zu den extrem  niedrigen Erträgen, kombiniert mit niedrigen Erzeugerpreisen. Beim Raps beispielsweise habe man mit 27,5 dt/ha 30 % unter dem langjährigen Mittel gelegen. Doch habe man für die durchschnittlich geernteten 26 t/ha im Regenjahr 2011 noch 40 €/dt bekommen, in der Ernte 2016 dagegen 33–36 €.


Die Freude darüber, dass das Wetter für die Zuckerrüben durchaus passte (der durchschnittliche Ertrag in MV lag bei 731 dt/ha), wurde durch die Einführung der EU-Zuckermarktordnung getrübt. „Sie hatte die Schließung der Zuckerfabrik Güstrow zur Folge“, so Bissa. „Für deren Modernisierung waren seinerzeit 30 Mio. € Fördermittel geflossen. Nach der letzten Kampagne 2007/08 erhielt Nordzucker für den kompletten Rückbau der Fabrik rd. 100 Mio. €“, erinnerte Bissa. Nach Abschaffung der Quote falle mehr als die Hälfte der Rübenmenge im Nordzucker-Bereich in MV weg. Das wird zu Problemen bei der Fruchtfolge führen.

 

Zara bald 175 000-Liter


Zum Milchmarkt: Vier Betriebe im Verbandsgebiet gaben die Milchproduktion auf. Die Gründe sind bekannt. Dem entgegenstehen die Leistungen an der „Milchstraße“: In zehn Betrieben wurden 21 Hunderttausend-Liter-Kühe ausgezeichnet, im Betrieb von Klaus Griepentrog in Steinhagen wird Zara noch im März eine Lebensleistung von 175 000 l erreichen.


Claudia Kerber, Pressesprecherin des LBV, gab einen Überblick über die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes von Agrarlotsen bei der MeLa bis zur Zahl der Besucher beim Tag des offenen Hofes (41 000). Neu in diesem Jahr ist ein Grillaktionstag am 26. April, auf dem über Tierhaltung informiert werden soll, der Relaunch der Verbandswebsite und die Anschaffung eines Infomobils, das „für uns alle gedacht ist“. Manfred Bissa forderte alle Mitglieder, die einen eigenen Brunnen haben, auf, Wasseranalyseergebnisse zur Verfügung zu stellen, um Fakten zur Nitratproblematik zu sammeln. Auch Glyphosat stehe extrem im Fokus der Öffentlichkeit. Bissa mahnte die vorschriftsmäßige, sorgsame Ausbringung an. Das gelte auch für Wirtschaftsdünger. Vorfälle wie jüngst in Parchim dürfen einfach nicht passieren, so Bissa.

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