Bauernregel-Kampagne

09.02.2017

Dr. Heike Müller © Gerd Rinas

Die Kampagne „Gut zur Umwelt. Gesund für alle“, die das Bundesumweltministerium in der vorigen Woche startete (siehe S. 18) ist im landwirtschaftlichen Berufsstand und bei Parteien im Land auf Kritik und Ablehnung gestoßen. Der Bauernverband MV fordert das sofortige Ende der Kampagne. Der gesamte landwirtschaftliche Berufsstand werde öffentlich herabgewürdigt, hieß es aus Neubrandenburg. Der Verband mahnt die Rückkehr zu einer sachlichen faktenbasierten Diskussion an.


Vizepräsidentin Dr. Heike Müller hat in einem offenen Brief an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks auf die Gefühlslage der Landwirte hingewiesen, die sich trotz verantwortungsvoller Arbeit an 365 Tagen im Jahr „in die Schmuddelecke gestellt“ sehen. Dabei würden die vergleichsweise hohen Standards im Tier- und Umweltschutz ausgeblendet. Müller verweist darauf, dass es in Mecklenburg-Vorpommern deutschlandweit die meisten Natura-2000-Gebiete gibt.


In der Kampagne werde ebenfalls ausgeblendet, dass Verbraucher täglich beim Einkauf an der Ladentheke anders abstimmten als in Umfragen. Kampagnen wie die „neuen Bauernregeln“, die die Landwirte diskreditierten, die sie als Umweltfrevler oder Tierquäler darstellten, demotivierten. Sie „lassen aber gleichzeitig auch nach und nach die Wut auf unseren Höfen wachsen“, so Vizepräsidentin Müller. Ministerin Hendricks trage damit zur Polarisierung in der Gesellschaft bei, die ihre Partei bei anderen Parteien und Gruppierungen zu Recht kritisiere.


„Ich halte die Kampagne für platt, gefährlich und kontraproduktiv“, ging Agrarminister Till Backhaus auf Distanz. Bauern würden unter Generalverdacht gestellt und ihre Leistungen für den Umwelt- und Tierschutz ausgeblendet. Schuldzuweisungen und Polemik könnten aber nicht die Basis für einen konstruktiven Dialog sein, mahnte der Minister.


Der CDU-Landesvorsitzende und Innenminister Lorenz Caffier  zeigte sich „äußerst verärgert über die Diffamierung der Landwirte“ und den „gravierenden“ Imageschaden. „Mit der Kampagne hat Frau Hendricks alle Landwirte und deren Familien als Umweltverschmutzer und Subventionsnutznießer pauschalisiert und in der breiten Öffentlichkeit auf populistische Weise an den Pranger gestellt“, sagte Caffier. Er forderte die Bundesumweltministerin auf, gemeinsam mit Bauernverbänden und Landwirten an einvernehmlichen Lösungen beim Umwelt- und Naturschutz zu arbeiten.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr