Apfelernte hat begonnen

08.09.2017

© Jürgen Drewes

­Mit einem Zitronenapfel eröffneten Blütenkönigin Vanessa und Minister Backhaus offiziell die Erntesaison.

Alles Bio“, deutet Gundula Unger auf die in Reih und Glied stehenden Bäume auf der schier endlos erscheinenden Plantage in Diedrichshagen, einem Ortsteil von Kröpelin im Landkreis Rostock. Doch die Äste biegen sich in diesem Spätsommer kaum. Es fehlen einfach ausreichend Früchte. Die Geschäftsführerin der Sonnländer Bio Obst GmbH hat vor rund zehn Jahren den Bestand auf der 140 ha großen Anlage bio-zertifizieren lassen. Eine gute Entscheidung, sagt Unger, angesichts der  steigenden Nachfrage nach Bio-Erzeugnissen. Und das Unternehmen legt weiter zu.

 

Edeka als Obstanbauer


Anfang Juli hat Sonnländer, das zur Edeka, Deutschlands größtem Lebensmittelhändler, gehört, die Rostocker Obst GmbH übernommen. Das Unternehmen mit 200 ha Anbaufläche zählt zu den größten Produzenten der Branche im Land. Doch durch wiederholte Missernten war der Traditionsbetrieb zuletzt in die roten Zahlen geraten, eine erfolgreiche Weiterführung praktisch unmöglich geworden. Mit dem Ausstieg von Ex-Geschäftsführer Martin Czechl in den Ruhestand stellte sich die ­Frage nach der Zukunft der Obst GmbH.
„Wir waren gerade dabei, unser Unternehmen mithilfe der Landgesellschaft um 30 ha zu erweitern, als wir von der Situation in Rostock erfuhren. Die spontanen Gespräche mit Blick auf eine Übernahme waren schnell erfolgreich. Für beide Seiten“, so Sonnländer- Geschäftsführerin Gundula Unger am Rande der Veranstaltung zur Eröffnung der Apfel­erntesaison.

 

Umstellung in Rostock


Eine Einschätzung, die Martin Czechl teilte. Alle 20 Arbeitsplätze in Rostock sollen erhalten bleiben. Künftig soll auch dort die Produktion auf Bio umgestellt werden. Ein Großteil der Flächen wird bereits entsprechend bewirtschaftet. So will Edeka mit Sonnländer längerfristig die gesamte Saftproduktion aus eigenem Anbau bestreiten.


In diesem Jahr dürfte es damit allerdings schwierig werden. Als großen Rückschlag wertete Landwirtschaftsminister Till Backhaus die aktuelle Ernteprognose. Statt fast 44 000 t wie im Vorjahr, ­rechnen die Apfelanbauer mit ­lediglich 20 000 t. Das wäre das schlechteste Ergebnis seit 26 Jahren. Im langjährigen Mittel waren es zuletzt 37 000 t. „Da bundesweit und auch in vielen Nachbarländern ein schlechter Ertrag zu erwarten ist, könnten die Preise steigen“, versuchte der Schweriner Chef der LMS ­Agrarberatung, Jörg Brüggemann, der angespannten Situation einen positiven Aspekt abzugewinnen. 


Den Abwärtstrend im Ertrag bekommt auch Gudrun Unger zu spüren. Doch nicht so akut wie anderswo. In der hügeligen Landschaft unweit von Kröpelin waren nicht der frühe Wintereinbruch mit Schnee und minus 10 Grad im November, oder die Nachtfröste während der Blüte im April, die Ursache. Hier sind es vor allem die alternierenden Sorten im Bestand.

 

Hervorragende Qualität


„Ein Jahr himmelhoch jauchzend,  das nächste Jahr zu Tode betrübt. Aber daran haben wir uns gewöhnt“, beschreibt die Geschäftsführerin die Situation, dass Sorten in einem Jahr viel tragen, sich im nächsten Jahr aber „ausruhen“. Dennoch steht die Obstanbauerin zu ihrem Bestand. „Die Bäume haben eine hohe Lebenserwartung und die Qualität der Äpfel ist hervorragend“, so Unger.
Unterdessen hatten Minister Backhaus und Landes- Blütenkönigin Vanessa Mühe, einen besonders schönen Apfel für das obligatorische Foto vom Erntestart zu finden. Am Ende war es dann auch kein roter, wie erhofft, sondern ein Zitronenapfel. Auf das Aussehen kommt es beim Mostobst ohnehin nicht an, entscheidend ist der Geschmack und der – so beide Tester – war optimal.

 

Wohl höherer Aufwand


Gleichwohl verwies der Vorsitzende des Verbandes Mecklenburger Obst und Gemüse und Chef der Boddinobst GmbH & Co. KG, Günter Brandt, darauf, dass die Anbauer künftig wohl erheblich mehr aufwenden müssen, um den hohen Qualitätsan­sprüchen gerecht zu werden. Der Klimawandel mit lang anhaltenden Trockenperioden bzw. Frost und zu viel Regen während der Blütezeit ohne ausreichenden Bienenflug lasse einen Aufwuchs „ohne helfende Hand“ kaum noch zu.


So hatten Obstbauern während der Spätfröste im April Berieselungsanlagen in Betrieb genommen, um die Auswirkungen auf die Blüten zu minimieren. Was sie nicht konnten: den Bienenflug aktivieren. So blieben trotz der Mehraufwendungen die besten  Blüten unbestäubt. Anderswo in Deutschland werden neue Bestände nur noch mit Hagelschutznetzen angepflanzt, um gegen Schäden gewappnet zu sein. Gleichwohl wird der Apfelanbau in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin eine entscheidende Rolle spielen, so Klaus Wilke, Geschäftsführer der Erzeugerorganisation Mecklenburger Ernte und Rolf Hornig, Obstbauexperte der LMS Agrarberatung.


Dabei hat das Land mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 46 ha einen Spitzenplatz inne. Nur in Sachsen sind es mit 60 ha mehr. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 6 ha. Allein diese Zahlen machen die Bedeutung des Obstanbaus hierzulande deutlich, hieß es in Kröpelin.


Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch  von 19 kg/Jahr ist der Apfel nach wie vor die bundesweit am meisten verzehrte Obstart. Insgesamt sind es 63 kg Früchte. Und die Apfelvielfalt ist riesig. Allein in Deutschland werden 1 000 Sorten angebaut, weltweit sind es 20 000. Mit dem Start eines zum Schuljahresbeginn neu aufgelegten Programms sollen jetzt Kinder auf den Apfelgeschmack gebracht werden. Für die Umsetzung stellt das Land bis 2023 jährlich rund 600 000 € bereit.

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