Agrargenossenschaft Köchelstorf

07.12.2012

 

 

Als sich die Rolltore wie von Geisterhand öffnen und die Besucher den Stall betreten, bleibt es still. Die Kühe schauen neugierig herüber, verziehen aber keine Miene. Die einen fressen, andere liegen in ihren Boxen und käuen wieder, wieder andere dösen vor sich hin. Die  Tiere wirken ruhig und entspannt. „Genauso haben wir uns das vorgestellt“, sagt Reinhard Drews.  Der Vorstandsvorsitzende der Köchelstorfer Agrargenossenschaft eG führt die Besucher durch den Stall, in dem vor zwei Wochen 298 Milchkühe eingezogen sind.  „Wir haben uns in der Planungsphase viele Ställe angesehen. Das Wohl der Tiere hat dabei immer eine entscheidende Rolle gespielt“, betont Drews.


 

Tiefliegeboxen


Bei dem  knapp 37 Meter breiten und 71 Meter langen Stall handelt es sich um einen klassischen sechsreihigen Liegeboxenlaufstall mit mittig angeordneten Futtertischen. Er ist mit Tiefliegeboxen ausgestattet, die in ihren Abmaßen von 1,90 m x 1,20 m über das geforderte Maß hinausgehen. Die Kühe liegen auf aufbereitetem Pferdedung sowie einem Gemisch aus Stroh und Kreidekalk. Die Einstreu wärmt und gewährleistet einen hohen Liegekomfort. Trennbügel sind nicht mehr an Pfosten befestigt, sondern am Kopfkasten (aus Beton) aufgedübelt. „Dadurch wird der Stall nicht nur geräumiger. Auch die Reinigung wird durch die offene Gestaltung der Boxen erleichtert“, erläutert Eckhard Pick, Projektverantwortlicher von der Landgesellschaft MV. Die Laufgänge sind mit Gußasphalt versehen, was die Rutschgefahr für die Kühe mindert und die Klauengesundheit fördert. Dem Wohl der Tiere dienen ebenfalls die offenen, mit Kunststoffvorhängen (Curtains) verschließbaren Seitenwände. „Die Vorhänge sollen täglich so lange wie möglich geöffnet bleiben, damit viel frische Luft in den Stall gelangt“, so Drews. Die automatische Wickellüftung  wird über Sensoren gesteuert, die auf Temperatur, Windrichtung und Regen reagieren. Das Besondere in Köchelstorf: Die Curtains an beiden Seitenwänden werden unabhängig voneinander betrieben.

Die Fütterung erfolgt über Verteilwagen, die Entmistung über Oberflurschieber. Der Stall verfügt über eine klappbare Futtertischbrücke, über die ein Teil der Kühe in das Melkhaus gelangt. Die Gülle wird automatisch in die nahegelegene Biogasanlage befördert.   Nach dem Eröffnungsrundgang dankte Reinhard Drews den am Bau beteiligten Unternehmen, darunter der Agrarservice GmbH Strasburg und dem Stallausrüster Duräumat sowie Firmen aus der Region. Alle hätten die Herausforderung angenommen, im Bestand, das heißt auf dem Gelände der Milchviehanlage bei laufender Produktion, zu bauen.  Zwischen dem Abriss des alten Trockensteherstalls ab dem 1. Juli, dem Baubeginn des neuen Milchviehstalls am 23. Juli und dem Einzug der Tiere am 14. November lagen lediglich 137 Tage. Die Landgesellschaft MV, die  als Generalauftragnehmer fungierte, habe sich als „kompetenter und zuverlässiger Partner“ erwiesen, betonte Drews. Agrarminister Dr. Till Backhaus gratulierte den Landwirten zu ihrem neuen Stall, der regelrecht Wellness für Kühe ermögliche. „Es ist beispielhaft, was in Köchelstorf vor und nach der Wende auf den Weg gebracht wurde“, anerkannte Backhaus. Die Genossenschaft sichere 60 Menschen Arbeit. Sie sei ein Spitzenbetrieb in der Getreidevermehrung und Weizenproduktion und habe sich als Referenzbetrieb der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei einen sehr guten Ruf erworben.


Etappenziel erreicht


Für Reinhard Drews und seine Mitstreiter war die Stallübergabe nur ein Etappenziel. 2013 sollen das neue Melkhaus und ein Reproduktionsstall mit 124 Plätzen in Betrieb genommen werden. 2014 soll ein weiterer Stall für 300 Kühe folgen, so dass dann alle 750 Milchrinder an einem Standort bewirtschaftet werden können. Dafür wollen die Köchelstorfer 4 Mio. s investieren. Zirka 1 Mio. € Fördermittel fließen in das Projekt. „Die Ausschreibungen für den Abriss des alten Melkhauses sind raus, bis Mitte August 2013 soll das neue stehen, Ende November der Reprostall“, kündigte Drews in der vorigen Woche an. Mit der Investition bereitet sich das Unternehmen auf den Wegfall der Milchquote nach 2014 vor.


Gerd Rinas


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