Agrar-Umweltmaßnahmen im ELER-Förderprogramm: Mehrheit dagegen

06.06.2014

© Claudia Schalla

Das Präsidium stimmt ab: Die große Mehrheit der Mitglieder akzeptierte die Vorschläge für die Agrar-Umweltmaßnahmen nicht.

Das Präsidium des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern hat bei seiner Sitzung in Todendorf die vom Agrarministerium vorgelegte Struktur des ELER zur Gestaltung des ländlichen Raumes mehrheitlich abgelehnt. Zuvor hatte Lutz Scherling aus dem Agrarministerium über die regionale Umsetzung der Europäischen Agrarpolitik informiert. Mecklenburg-Vorpommern möchte seine Programme für die EU-Fördermittelperiode von 2014 bis 2020 bis zum 18. Juni verabschieden. Verhandlungspartner ist auch der Landesbauernverband. Im sogenannten Begleitausschuss beraten die Wirtschafts- und Sozialverbände des Landes bereits seit Monaten über die EU-Förderprogramme.

Bis 2020 fließen 1,1 Mrd. € nach MV, davon 396 Mio. € in Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen, so Scherling. Die Förderung des ökologischen Landbaus soll von 137 Mio. auf 167 Mio. € erhöht werden. 10 Mio. € will das Land für naturschutzgerechte Grünlandnutzung auf 8 600 ha bereitstellen. Übergangsweise soll auf 36 000 ha die extensive Bewirtschaftung von Dauergrünland fortgeführt werden. Dafür wird es 70 Mio. € geben. 16 Mio. € sind für Blühstreifen eingeplant, 33 Mio. € für den Anbau von fünf Hauptfruchtarten in Kombination mit Leguminosen auf mindestens zehn Prozent der Ackerfläche. Hier soll der Fördersatz von 90 auf 100 €/ha erhöht werden. Scherling appellierte an den Bauernverband, die Programme nicht zu „zerreden“. „Ich bitte den Verband zum Schluss zu kommen.“

Für Vizepräsident Detlef Kurreck, der für den Bauernverband im Begleitausschuss sitzt, sind die Programme so aber nicht akzeptabel. „Viele unserer Kollegen im benachteiligten Gebiet werden schlechter gestellt mit dem Wegfall der Ausgleichszulage“, sagte er. Auch der geforderte Anbau von Leguminosen auf zehn Prozent der Ackerfläche sei ein „Schuss in den Ofen“. Bauernpräsident Tietböhl gab zu bedenken,  wenn alle Landwirte das Blühstreifenprogramm nutzen wollten, müssten 60 000 ha gefördert werden. Geld stehe aber nur für 35 000 ha zur Verfügung.

Im Präsidium entspann sich eine lebhafte Diskussion. Der Vorsitzende des Bauernverbandes Malchin, Hans Behn, meinte, die Agrarumweltmaßnahmen seien „fern von landwirtschaftlicher Praxis aufgestellt“ worden. Sein Kollege aus Nordwestmecklenburg, Jörg Haase, schlug vor, den Begleitausschuss einzuladen, damit er sich ein Bild über praktikable Landwirtschaft machen könnte. Zu Wort meldete sich auch Schafhalter Dietmar Vedder. Er berichtete, dass die Schafbestände im Land in den vergangenen Jahren um 20 % eingebrochen seien. Die geplanten Maßnahmen würden diese Entwicklung weiter verschärfen. Denn Tierhalter würden nicht berücksichtigt.

„Wir brauchen Programme, die anwendbar sind“, brachte es Rainer Tietböhl auf den Punkt. 70 % der Präsidiumsmitglieder stimmten dafür, dass der Bauernverband den derzeitigen Maßnahmenkatalog zur Förderung des ländlichen Raumes ablehnt. „Uns ist es sehr ernst“, betonte Tietböhl. Deshalb fordert der Bauernverband den Erhalt der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete und praktikable Programme, die auch für Tierhalter nutzbar sind, so die Förderung von Sommerweidehaltung und hofeigener Futtermittel.

Claudia Schalle
Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern




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