Afrikanische Schweinepest: Gefahr rückt näher

01.11.2017

© Sabine Rübensaat

Angesichts der stark angewachsenen Wildschweinpopulation im Land und der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bis nach ­Polen und Tschechien kündigte Agrar- und Umweltminister Till Backhaus an, die Schwarzwildbestände drastisch zu reduzieren. „Das ist eine ganz entscheidende vorbeugende Maßnahme, um Schweinehalter, Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetriebe im Land mit einem jährlichen Gesamtumsatz von fast einer Milliarde Euro vor massiven wirtschaftlichen Schäden durch den Ausbruch von ASP zu bewahren“, betonte Backhaus

 

Appell an Landwirte: Maisernte beenden


Um der Gefahr zu begegnen, wurde der Beginn der Drückjagdsaison vom 3. November auf den 28. Oktober vorverlegt. Nach Ministeriumsangaben beteiligten sich zahlreiche Jagdbezirksinhaber an revierübergreifenden Drückjagden. „Die Landwirte sind angehalten, ihre Maisernte jetzt zeitnah abzuschließen, um den Schwarzwildjagden zum Erfolg zu verhelfen“, sagte Backhaus. An Verkehrsteilnehmer appellierte er, wegen der Drückjagden besondere Aufmerksamkeit walten zu lassen.


Backhaus kündigte an, dass die Ende Oktober zur APS-Vorbeugung gebildete Einsatzgruppe („Taskforce“) in den nächsten Tagen konkrete Schritte zur Reduzierung des Schwarzwildbestandes vorstellen wird, darunter „motivierende Maßnahmen“ für Jäger. Backhaus hatte im Landtag ein Sofortprogramm angekündigt, für dessen Umsetzung 2017 und 2018 zusätzliche Landesmittel bereit stehen. Es sollen Anreize geschaffen werden, in größerem Umfang als bisher Frisch­linge ab einer bestimmten Gewichtsklasse dem Bestand zu entnehmen und als Nahrungsmittel zu verwerten.


Der ebenfalls in der vorigen Woche von der CDU-Landtagsabgeordneten Beate Schlupp geforderten Jagdprämie von 50 € je Tier erteilte Backhaus eine Absage. Die Reduzierung des Sofortprogramms auf eine solche Prämie verfehle das Ziel. Es gehe in dem Programm um weitreichende strategische Maßnahmen zur Schwarzwildbestandsregulierung und zur ASP-Vorbeugung.


Angesichts der zunehmenden Gefahr der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland hatte Schlupp zudem gefordert, die Bejagung von Schwarzwild in Schutzgebieten zu ermöglichen.„Es kann nicht Sinn der Sache sein, außerhalb von Nationalparks und Naturschutzgebieten alle Maßnahmen zur Reduzierung des Wildschweinbestandes zu unternehmen, nur damit sich die Wildschweine dann ungestört in die weitreichenden Schutzgebiete des Landes zurückziehen“, so die Abgeordnete. Der Jagddruck müsse verstärkt werden, um das Ziel der Bestandsreduzierung zu erreichen. Hierzu würde neben vermehrten Drückjagden auch die Freigabe der Gebiete für die Einzeljagd zählen.


Nach Auffassung von Backhaus ist die Bejagung von Wildschweinen in Nationalparks, Naturschutzgebieten, Biosphärenreservaten und Landschaftsschutz­gebieten schon jetzt generell ­möglich und nur in wenigen nutzungsfreien Gebieten partiell eingeschränkt. „Mit Blick auf die Notwendigkeit der ASP-Vorbeugung können die Naturschutzbehörden auf Antrag Ausnahmen von den Bejagungsbeschränkungen genehmigen. Das ist bereits übliche Praxis“, so der Minister.

 

Geld  aus dem Sondervermögen


Auf Antrag von CDU und SPD hatte der Landtag in der vorvergangenen Woche über die Abwehr der Afrikanischen Schweinepest und die Stärkung des Seuchenschutzes debattiert und u. a. beschlossen, zur Reduktion der Schwarzwildbestände zusätzliche Lan­desmittel aus dem landwirt­schaftlichen Sondervermögen bereitzustellen. In der Woche zuvor war in einer landesweiten zweitägigen Tierseuchenübung das Zusammenwirken zwischen Agrarministerium, Veterinärbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte sowie dem Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei geübt worden (BauernZeitung 43/2017, S. 39).

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