Ärger mit dem Biber

22.06.2015

© Edgar Offel

Mitten im Wald entstand aus Dränage dieser See, der vom Biber eingedeicht wurde und nun weit ins Feld reicht.

Jürgen Godt ist ratlos. „Hier haben wir vor zwei Jahren noch gedrillt“, zeigt der 45-jährige Inhaber des Landwirtschaftsbetriebes Godt auf einen etwa vier Hektar großen See am Waldrand des Oldenburger Holzes bei Züssow (Vorpommern-Greifswald). Eine etwa 50 Meter breite Spur toter Bäume weist auf die Ursache im Wald. Eigentlich liegt in dieser Spur der Vorfluter. Der Graben sollte das Wasser in einen Nebenfluss der Peene leiten. Stattdessen ist 200 Meter tief im Wald bis eben weit ins Feld ein See entstanden, der mit Ästen und Erde eingedeicht ist. In der Talsenke ist der Deich bereits 1,50 Meter hoch. Das Meisterwerk hat ein Biber gebaut. Das beweisen die typischen Nagespuren an den toten Bäumen im See und am Ufer. „Erst dachten wir, das wird nur vorübergehend sein. Das hätte ich ja noch in Kauf genommen. Aber offenbar erhöht er immer noch den Deich. Wer ersetzt mir jetzt den dauerhaften Schaden?“, fragt Godt.

 

Immer mehr Jungtiere suchen neue Reviere


„Für Biberschäden gibt es keine Entschädigung“, bedauert der Verbandsingenieur des zuständigen Wasser- und Bodenverbandes „Untere Peene“, Jens Uhthoff. „Dabei sind sie längst eine gesellschaftliche Belastung geworden.“ 1975/76 waren bei Gützkow 23 Exemplare der fast ausgestorbenen Elbebiber ausgesetzt worden. Sie stammen aus einem der damals letzten Vorkommen aus der Mulde bei Dessau. Das Peenetal bot den etwa einen Meter großen und 25 Kilo schweren Pflanzenfressern offenbar optimale Lebensbedingungen. Sie vermehrten sich entlang der Peene stetig. Seit 2007 schließlich suchen immer mehr Jungbiber ihre neuen Reviere in Peenezuflüssen. Sie besiedeln auch Gräben bis in Ortschaften hinein. „83 solcher Biberstandorte haben wir in unserem Verbandsgebiet außerhalb der Schutzgebiete festgestellt“, sagt Uhthoff. „Unser Problem ist, dass der Biber sich seinen Lebensraum schafft, indem er das eigentlich abzuleitende Wasser anstaut.“ Dabei werden nicht nur Felder, Wiesen und Straßen überflutet. Es werden auch Deiche und Ufer zerstört. Ortsentwässerungen wurden ebenfalls schon verstopft. „2014 hatten wir deswegen rund 400 Einsätze“, sagt der 45-jährige Ingenieur. Dazu kommen vorbeugende Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Drahtschutz für Bäume. Paradoxerweise zerstörten Biber sogar eine gerade erst beendete Renaturierungsmaßnahme. „Das alles kostete uns im vergangenen Jahr etwa 38 000 Euro“, hat Uhthoff errechnet. „Und die Ertragsverluste der Landwirte sind bestimmt zehnmal höher.“ Der Landesverband der Wasser- und Bodenverbände hat einen landesweiten Schaden seiner Mitgliedsverbände von über 200 000 € ermittelt.

 

Sturm der Entrüstung ausgelöst


Das Umweltministerium sieht dennoch keinen politischen Handlungsbedarf. Für Minister Dr. Till Backhaus sind bei Konflikten die jetzigen Lösungsmöglichkeiten ausreichend. Er verweist auf Ansprechpartner bei den zuständigen Unteren Naturschutzbehörden und Staatlichen Ämtern für Landwirtschaft und Umwelt. An letztere könne man auch Anträge auf Entschädigung stellen. Für Biberschäden würden aber keine Zuwendungen gewährt.
Im Nachbarland Brandenburg sah man dagegen Handlungsbedarf. Seit dem 1. Mai dieses Jahres ist dort eine Biberverordnung in Kraft. Sie setzt den Schwerpunkt auf Vor­beugung. Bis 2020 stehen dafür 700 000 € zur Verfügung. Die Gewässerunterhaltungsverbände bekommen zusätzlich rund 300 000 € für die Sicherung von Deichen. Zwei Bibermanager sollen beraten sowie ein Netz ehrenamtlicher Biberbetreuer aufbauen. In extremen Einzelfällen können Biber auch ge­tötet werden. Davon ausgehend wollte die agrarpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Schweriner Landtag eine Debatte auch in Mecklenburg-Vorpommern anstoßen. Anfang Mai forderte Beate Schlupp ­öffentlich, im Notfall Biber zum Abschuss freizugeben. Das löste einen Sturm der Entrüstung aus, weil die Nager nun mal streng geschützt sind. Das ­Güstrower Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) kommt allerdings zur Einschätzung, dass die Biberteilpopulation an der Peene ­bereits seit 2007 ihr Maximum erreicht hat. Mit eben dieser ­Begründung hat Bayern das ­Töten von Bibern erlaubt. Und seit 2008 einen Ausgleichsfonds von jährlich 250 000 € eingerichtet.

Themen: Biber, Schäden, Peene

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