75 Jahre Nutztierforschung in Dummerstorf

29.09.2014

© Gerd Rinas

Geburtstagsgeschenk: Bürgermeister Axel Wiechmann (M.) übergab an Prof. Manfred Schwerin und Dr. Hubert Heilmann eine Aufnahme von Dummerstorf aus der Vogelperspektive.

Auf dieses Wiedersehen hatten sich viele gefreut: Auf der Festveranstaltung „75 Jahre Nutztierforschung in Dummerstorf“, Höhepunkt und Abschluss der Festwoche anlässlich des Jubiläums (siehe auch Seite 38), trafen sich am Freitag voriger Woche jene wieder, die in den vergangenen Jahrzehnten, über gesellschaftliche Umbrüche hinweg, an der Geschichte des international hoch angesehenen Wissenschaftsstandortes mitgeschrieben haben.

Prof. Manfred Schwerin, Vorstand des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) dankte Bund und Land für die enormen Anstrengungen, den Standort nach der politischen Wende zu erhalten. Mehr als 50 Mio. Euro sind seit Gründung des FBN allein in neue Gebäude investiert worden. Ausdrücklich würdigte Schwerin die Leistungen, die im einstigen Forschungszentrum für Tierproduktion Dummers­torf-Rostock erbracht wurden. „Ohne das Forschungszentrum würde es das FBN nicht geben.“

Erfolgreiche Evaluierungen durch einen Senatsausschuss der Leibniz-Gesellschaft und den Wissenschaftlichen Beirat bescheinigen dem FBN eine positive Entwicklung. Das Institut verfügt derzeit über 228 Stellen, davon 60 für Wissenschaftler. Hinzu kommt eine wechselnde Zahl Drittmittelstellen. Am Institut werden 72 Doktoranden betreut. 25 Mitarbeiter sind durch Gastprofessuren und Lehraufträge an fünf Hochschulen in die Lehre involviert.

Dr. Hubert Heilmann, Direktor der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA), betonte die enge Partnerschaft zwischen dem FBN und dem ebenfalls in Dummerstorf ansässigen Institut für Tierproduktion der LFA. Neue Erkenntnisse könnten so rasch in die landwirtschaftliche Praxis überführt werden.

Die Glückwünsche der Leibniz-Gemeinschaft überbrachte deren Präsident, Prof. Matthias Kleiner. „Das FBN steht für anwendungsorientierte Grundlagenforschung und eine enge Verzahnung mit Universitäten und Hochschulen. Mehr als 150 Veröffentlichungen, die Mitarbeit an 195 Forschungsvorhaben und 241 wissenschaftliche Projekte mit ausländischen Partnern aus 43 Ländern im Jahr 2013 sind eine beeindruckende Bilanz und geben ein Beispiel für die in der Leibniz-Gemeinschaft versammelten Forschungsinstitute. Ich freue mich, dass wir das FBN an Bord haben“, würdigte Kleiner die Leistungen der Dummerstorfer Wissenschaftler.

„Die Politik kann den Rechtsrahmen setzen und die gesellschaftliche Diskussion moderieren. Die Wissenschaft muss Argumente liefern, wie Nutztiere gehalten werden sollen“, betonte Agrarstaatssekretär Peter Sanftleben, der vor seinem Wechsel ins Agrarministerium viele Jahre am Institut für Tierproduktion gearbeitet hatte. Die Veranstaltungen während der Festwoche hätten die ganze Bandbreite der Tierzuchtforschung gezeigt. „Tradition und Moderne gehen zusammen, dafür steht Dummerstorf, so Sanftleben.

Auf die aktuelle Debatte um das Tierwohl hob auch Landrat Sebastian Constien ab. „Weniger als fünf Prozent der Bevölkerung sind noch in der Landwirtschaft tätig. Die Entfremdung der Gesellschaft von diesem Wirtschaftszweig ist nicht verwunderlich. Wenn Landwirte sich in die Öffentlichkeit begeben, brauchen sie die Wissenschaft an ihrer Seite“, so Constien.

Mit seinen 300 Beschäftigten ist das FBN einer der größten Arbeitgeber in Dummerstorf. „FBN-Mitarbeiter bringen sich in der Gemeinde ein. Das FBN ist ein Motor  der Entwicklung in  der Region“, betonte Bürgermeister Axel Wiechmann.

Danach begab sich die Festgemeinde auf eine Zeitreise. Reno Stutz berichtete über die bewegte Vergangenheit. Stutz ist Autor des Buches „Forschung zum Wohle von Mensch und Tier – 75 Jahre Nutztierbiologie in Dummerstorf“, dass zum Jubiläum im Hinstorff-Verlag erschienen ist. Darin wird die Geschichte des Forschungsstandortes von der Gründung des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Tierzuchtforschung im September 1939 bis hin zur Gründung des Instituts der Tierproduktion der LFA (1992) und des FBN (1993) anschaulich beschrieben. Etwas kurz kam in dem Vortrag die soziale Dimension des Umbruchs nach der Wende. Sie bedeutete für zahlreiche Wissenschaftler und Mitarbeiter den Verlust des Arbeitsplatzes und eine berufliche Neuorientierung.

Nach Reno Stutz traten zwölf Zeitzeugen ans Mikrofon, darunter so verdienstvolle Persönlichkeiten wie die Professoren Bernhard Piatkowski, Friedrich Weißbach, Dieter Rasch, Ingo König, Peter Rommel, Ernst Ritter und Ottfried Weiher. Ihre kurzen Berichte gaben eindrucksvoll Einblick in den Wissenschaftsalltag in der DDR, mit international beachteten Erfolgen, die mit Leidenschaft und Forscherdrang erarbeitet wurden, aber auch mit allen Schwierigkeiten, Einschränkungen  und Konflikten mit Partei und Sicherheitsapparat in jener Zeit.  

Dass den „Vätern und Müttern“ der Agrarforschung in  Dummerstorf um die Zukunft nicht bange sein muss, unterstrichen Prof. Christa Kühn, FBN, und Dr. Anke Römer, LFA mit ihrem Ausblick auf künftige Forschungsfelder im Dienst der Landwirtschaft. Die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, Ernährungssicherheit und Gesundheitsförderung rücken dabei in den Mittelpunkt.

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