75 Jahre Agrarforschung in Gülzow

16.06.2014

© Ulrike Hoffmeister

An der Festveranstaltung in Gülzow nahmen Agrarminister Till Backhaus, FNR-Geschäftsführer Andreas Schütte und Bauernpräsident Rainer Tietböhl (erste Reihe v. l.) sowie die Landtagsabgeordneten Stefanie Dreese und Thomas Krüger (zweite Reihe v. l.) teil.

Großer Bahnhof in Gülzow: Bürgermeister Karl-Heinz Kissmann begrüßte zahlreiche geladene Gäste zur Jubiläumsveranstaltung „75 Jahre Agrarforschung in Gülzow“ und betonte die Bedeutung der Landwirtschaftswissenschaften für „sein“ Dorf. Die Tatsache, dass Gülzow heute und in Zukunft als Forschungs-standort gesichert sei, mache ihn „froh und stolz“.

Backhaus: „Wir wollen die LFA“

Mit den Worten „Wir wollen die LFA“ bekannte sich Agrarminister Till Backhaus zum Fortbestand der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV (LFA). Damit meinte er nicht nur Pflanzenproduktion und Betriebswirtschaft in Gülzow, sondern auch die weiteren Arbeitsschwerpunkte wie Tierproduktion, Fischerei sowie Gartenbau. Standortangepasste, praxisorientierte Forschung und Beratung sowie „Präzisionslandwirtschaft“ im weitesten Sinne, wie sie die LFA betreibe, würden angesichts wachsender Weltbevölkerung noch an Bedeutung gewinnen.

Als Beispiel für die überragenden Leistungen der Züchtungsforschung in Gülzow nannte Backhaus die Neuzüchtung von Triticale. In diesem Zusammenhang begrüßte er den anwesenden „Vater der Triticale“, den von ihm verehrten Hochschullehrer, Professor Arno Winkel. Beim Rückblick in die Historie der Landesforschungsanstalt stellte der Minister fest, dass sich seit Anfang der 1990er Jahre die Erträge bei Weizen und Raps mehr als verdoppelt hätten, wozu die LFA einen wichtigen Beitrag geleistet habe. Deren Sortenempfehlungen spielten heute in ganz Deutschland eine wichtige Rolle. Der Minister lobte die Kooperation von Landesforschungsanstalt und Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), die ebenfalls in Gülzow ihren Sitz hat. Die eingeworbenen Drittmittel seien für die finanzielle Absicherung der LFA von großer Bedeutung. „Forschung ist Zukunft“, betonte Backhaus.

Aus Anlass des Jubiläums haben FNR und LFA die Broschüre „75 Jahre Agrarforschung in Gülzow“ herausgegeben. Das Heft enthält zahlreiche Zahlen, Fakten und Fachbeiträge zur Geschichte und zu wichtigen Entwicklungen in der Pflanzenzüchtung. Es steht in der Mediathek auf der Homepage der FNR zum Download bereit. Prof. Dr. Arno Winkel, Leiter des Instituts für Pflanzenzüchtung von 1968 bis 1991, ist einer der Autoren der Broschüre. Er und Reinhard von Broock, Vorsitzender der Gemeinschaft zur Förderung der privaten deutschen Pflanzenzüchtung e. V. (GFP), waren Referenten der Festveranstaltung. Sie widmeten sich der Pflanzenzüchtung gestern, heute und morgen.

FNR: 200 Projekte für die Agrarforschung

Die FNR betreibt keine eigene Forschung, sondern Forschungsförderung, indem sie Projekte der Bundesregierung zu nachwachsenden Rohstoffen umsetzt. Geschäftsführer Dr. Andreas Schütte beschrieb die Entwicklung der FNR in Gülzow: Im Gründungsjahr 1993 waren hier 22 Mitarbeiter tätig, heute sind es 84. Die jährlichen Haushaltsmittel der FNR in der Projektförderung entwickelten sich im Zeitraum 1993 bis 2014 von knapp 30 auf über 70 Mio. €. In der Agrarforschung (Anbau und Züchtung) werden 200 Projekte mit einem Fördervolumen von 58 Mio. € bearbeitet.

Christian Gienapp, Professor und Direktor der Landesforschungsanstalt bis 2012, und Dr. Hubert Heilmann, derzeit stellvertretender LFA-Chef, berichteten über ihre Institution gestern und heute. Im Gegensatz zur FNR hatte die 1992 gegründete LFA schwer um ihren Fortbestand zu kämpfen. Die Zahl der Mitarbeiter sank zwischen 1992 und 2012 von 143 auf 95, die Planstellen wurden in den letzten zwölf Jahren halbiert. Dennoch könne sich die Bilanz sehen lassen. „Mangel kann auch ein Motor für Innovation und Kooperation sein“, brachte es Hubert Heilmann auf den Punkt.

Zeittafel: Meilensteine der Gülzower Agrarforschung

1939:    F. v. Lochow-Petkus erwirbt Gut Gülzow;
1945:    Enteignung durch die sowjetische Militäradministration, dann  Übertragung an die mecklenburgische Landesregierung;
1951:    Die „Forschungsstelle für Agrobiologie und Pflanzenzüchtung“ der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR entsteht.
1962:    Die Forschungsstelle wird zum „Institut für Pflanzenzüchtung“ (IPZ).
1991:     Das IPZ wird aufgelöst.
1992:    Die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA) wird gegründet.

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