40 000 Euro für einen Hektar Boden

19.02.2015

© Sabine Rübensaat

Während sich BVVG-Flächen ostdeutschlandweit 2014 im Durchschnitt um 12 % verteuerten, stiegen die Preise in MV um 19 %.

Die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Flächen von der BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH hält unvermindert an. Nach Angaben von Johann Jakob Nagel, Leiter der BVVG-Niederlassung Schwerin, haben die beiden BVVG-Niederlassungen in Schwerin und Neubrandenburg im vorigen Jahr 10 950 ha LF verkauft. Rund 4 500 ha LF gingen direkt, ohne Ausschreibung, an erwerbsberechtigte Pächter. Für etwa 1 100 ha schlossen bisherige Pächter einen neuen vierjährigen Pachtvertrag mit Kaufoption ab. Über 800 ha wurden neunjährige Pachtverträge ohne Kaufoption vereinbart. Flächen zum Verkehrswert wurden für durchschnittlich 19 730 €/ha verkauft.

31 Hektar pro Vertrag

Gegenüber 2013 ist das ein Preisanstieg um rund 20 Prozent. Allerdings seien die Kaufpreise nicht vergleichbar, weil die Verkäufe in unterschiedlichen Regionen erfolgten und die Anteile von Grünland und Ackerland sich unterschieden, sagte Nagel. Erwerbsberechtigte Pächter seien nach wie vor „hochgradig interessiert“ am Bodenkauf zum Verkehrswert. Es wurden 144 Kaufverträge über durchschnittlich 31 ha pro Vertrag abgeschlossen.

Deutlich höhere Preise erzielten frei gewordene Pachtflächen, die laut BVVG-Privatisierungsgrundsätzen öffentlich ausgeschrieben werden müssen. 2014 waren das 7 400 ha. Davon wurden rund 1 500 ha zum Höchstgebot verkauft und 4 300 ha verpachtet. Die Lose waren im Schnitt zwölf Hektar groß und damit für Investoren uninteressant, weil zu klein, so Nagel. Zum Zuge kamen fast ausschließlich ortsansässige Landwirtschaftsbetriebe. Im Durchschnitt gaben je Ausschreibungslos vier Interessenten Gebote ab. „Wir erzielten Erlöse, die deutlich über 30 000 €/ha lagen“, sagte Bettina Walter, Leiterin der BVVG-Niederlassung in Neubrandenburg. In Einzelfällen erhielten zum Beispiel in Nordwestmecklenburg, auf Rügen oder in der Region Güstrow Gebote über 40 000 €/ha den Zuschlag.

Die BVVG hat 2014 rund 3 350 ha LF beschränkt ausgeschrieben. Teilnahmeberechtigt sind arbeitsintensive Betriebsformen, zum Beispiel mit mehr als 0,5 GV/ha, Ökobetriebe, Gemüseanbauer und seit März 2013 auch Junglandwirte. Letztere machen von dem Angebot aber nur „verschwindend wenig“ Gebrauch. „Die angebotenen Lose von maximal 25 ha reichen für die Existenzsicherung nicht aus“, so Nagel. Von den beschränkt ausgeschriebenen Flächen wurden rund 2 300 ha verpachtet und 450 ha verkauft. Für die restlichen Lose über zirka 600 ha wird die Vergabe vorbereitet. Die Nachfrage bei beschränkten Ausschreibungen sei groß.

Hohe Pachtgebote

Zum 31. Dezember 2014 hatte die BVVG im Land noch rund 60 700 ha LF verpachtet. Der Anteil langfristiger Pachtverträge mit über sechs Jahren Laufzeit liegt bei 52 %. Der durchschnittliche Pachtzins beträgt 366 €/ha und Jahr, ein Plus von 15 % gegenüber 2013. Bei Neuverpachtungen stieg der Pachtzins auf durchschnittlich 447 €/ha und Jahr. Das sind 28 % mehr als 2013. „Unerwartet hohe“ Pachtgebote führten dazu, dass die BVVG 2014 mehr Flächen verpachtete und weniger verkaufte als vorgesehen. „Auch kürzere Pachtvertragslaufzeiten von drei bis sieben Jahren führten nicht zu geringeren Angeboten“, ließ Nagel durchblicken. 

Während sich BVVG-Flächen ostdeutschlandweit 2014 im Durchschnitt um 12 % verteuerten, stiegen die Preise in MV um 19 %. Ursache sei vor allem, dass in Regionen wie der Griesen Gegend im Landkreis Ludwigslust-Parchim oder um Neubrandenburg, wo die Erlöse bisher unterdurchschnittlich waren, höhere Angebote abgegeben wurden. Außerdem sei die Nachfrage nach Grünland gestiegen, seitdem auch hier Prämienansprüche gelten. „Bei Ausschreibungen stiegen die Hektarpreise von 5 000 auf 8 000 bis 9 000 Euro“, so Nagel. 

2014 verkaufte die BVVG in Mecklenburg-Vorpommern 3 800 ha LF nach dem 2. Flächenerwerbsänderungsgesetz an Alteigentümer. Von den eingegangenen 1 019 Kaufanträgen wurden 919 erledigt, darunter 240 im vorigen Jahr. Es wurden 122 Kaufverträge über durchschnittlich 31 ha LF unterschrieben. Nach Angaben von Bettina Walter werden für die Abwicklung der EALG-Bodenverkäufe noch etwa 2 000 ha LF benötigt. Allein im Januar seien 13 neue Anträge eingegangen.

Abgeschlossen wurde die unentgeltliche Übertragung von rund 19 650 ha Naturschutzflächen an das Land und mehrere Naturschutzstiftungen. 2014 wechselten 380 ha den Besitzer.  

Die BVVG erzielte 2014 in MV aus dem Verkauf und der Verpachtung von Flächen 205 Mio. € Erlöse. Die beiden Niederlassungen trugen mit 34 % zum BVVG-Gesamtüberschuss bei. Zum Jahresende 2015 wird die Niederlassung in Neubrandenburg geschlossen. 20 der 36 Mitarbeiter werden ihre Arbeit in der Landesniederlassung  Schwerin fortsetzen, die übrigen Mitarbeiter scheiden sozialverträglich aus dem Unternehmen aus, kündigte Bettina Walter an.

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