25. Pflügerwettbewerb Bad Doberan

03.05.2016

© Gerd Rinas

Geschafft: Till Söhnholz bei der letzten Überfahrt.

Jetzt nicht. Später“. Der junge Mann, der da gerade von seinem Traktor gestiegen ist, hat keine Zeit, Fragen zu beantworten. Till Söhnholz begutachtet seine letzten Furchen. Nachdenklich wiegt er den Kopf hin und her und eilt schließlich zurück zur Maschine, um die letzten beiden Überfahrten auf seinem „Wettkampf­acker“ zu absolvieren. Neben Söhnholz‘ Parzelle steht Kurt Kaschewski. „Hoffentlich geht das gut“, wünscht der alte Mann dem jungen Fahrer und schaut ebenfalls immer wieder auf den Abstand der Furchen, so als hätte er Zweifel, ob die Parzelle am Ende vollständig beackert sein wird.


Der  19-jährige Söhnholz und der 80-jährige Kaschewski sind ein Team. Kaschewski ist ein alter Pflügerfuchs. 1972 landet der Landwirt aus der LPG Ravensberg seinen größten Coup: Er wird Kreis- und Bezirksmeister im Leistungspflügen! Damit nicht genug: Beim DDR-Leistungspflügen in Gotha schafft er mit seinen Kollegen Herbert Franke und Klaus Sperling den zweiten Platz! Später, nach der Wende, zeigt Kaschewski noch einmal seine Klasse: Beim Pflügerwettbewerb des Bauernverbandes Bad Doberan kommt er 1995 auf den 2. Platz – und ein Jahr später, Kaschewski ist eigentlich schon im Vorruhestand – holt er sogar noch einmal den Siegerpokal!


Dann endet die Pflügerlaufbahn des Kurt Kaschewski, bis ihn vor drei Jahren der junge Till Söhnholz als Berater aus dem „Pflügerruhestand“ zurückholte. Söhnholz Eltern bewirtschaften in Panzow einen Schweinezuchtbetrieb. Von Nachbar Kaschewski haben sie eine Fläche gepachtet, sie teilen sich eine Koppel für ihr Vieh, machen gemeinsam Heu. Als Till von der Pflügerkarriere Kaschewskis erfährt, wird er hellhörig. „Da kann ich mir doch den einen oder anderen Tipp holen“, sagte sich der junge Mann. Kurt Kaschewski freute sich über das Interesse. Till Söhnholz hatte den richtigen Riecher: Beim Pflügerwettbwerb vor drei Jahren in Hohen Luckow landete er bei den Azubis auf Anhieb auf Platz 3! Die Sensation dann im vorigen Jahr: Till gewann nicht nur die Konkurrenz bei den Azubis, sondern den Gesamtwettbewerb mit dem Drehpflug vor solchen Könnern wie Mathias Severin vom Gut Dummerstorf oder Seriensieger Christian Woronowicz aus dem Landwirtschaftsbetrieb Sefzat in Klein Stove! Und dieses Mal?


Langsam nähert sich Söhnholz mit seinem 160-PS-Schlepper und dem 5-Schar-Drehpflug nach seiner letzten Überfahrt dem Parzellenrand. Er springt aus dem Traktor und schaut auf das Pflugbild. Ein zehn, vielleicht fünfzehn Zentimeter breiter Streifen bleibt ungepflügt. Söhnholz verkneift sich einen Fluch. „Wenn der Acker vorher gegrubbert worden wäre, würde man das gar nicht sehen“, versucht Kurt Kaschewski den ehrgeizigen Till zu trösten. Dann eilt der Alte zum Parzellenrand und will das Unkraut, das da auf dem ungepflügten Spalt hervorlugt, mit seinem Krückstock unter den gepflügten Boden drücken. „Wird das Pflugbild für einen vorderen Platz reichen?


Beim 25. Pflügerwettbewerb des Bauernverbandes Bad Doberan am Rande von Neubukow, waren die Auszubildenden der ganze Stolz der Veranstalter. „Von den 14 Pflügern, die vor etwa 1 000 besuchern an den Start gingen, waren acht Auszubildende. Uns freut es sehr, dass dieser Wettbewerb auch bei den jungen Leuten Akzeptanz findet“, sagte Detlef Lindemann, scheidender Geschäftsführer des Bauernverbandes Bad Doberan. Mit Helfern aus der gastgebenden Agrargenossenschaft „Hellbach“ Neubukow eG um den Vorsitzenden Torsten Harder, von der LMS Landwirtschaftsberatung und aus dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt „Mittleres Mecklenburg“ haben Detlef Lindemann und seine Nachfolgerin Susann Balzer für hervorragende Wettbewerbsbedingungen gesorgt.


Mit Johanna Fuchs war eine weibliche Auszubildende im Starterfeld. Das erste Mal bei einem Pflügerwettbewerb, hatte sich die Auszubildende im 2. Lehrjahr vom Hof Volker Bredenkamp aus Bastorf im Vorfeld ebenfalls Unterstützung älterer Pflüger gesichert. „Heiko Hardt und Christopher Schriever  haben gute Tipps gegeben. Pflügen ist die hohe Schule des Ackerbaus. Was das bedeutet, kann ich nun besser verstehen“, so die junge Frau, die nach der Ausbildung ein Agrarstudium beginnen will. „Wir Landwirte sind gut beraten, den Pflug scharf zu halten. Das zeigt uns die aktuelle Debatte um Glyphosat. Es ist wichtig, das Wissen um das Pflügen an die nächste Generation weiterzugeben. Wettbewerbe wie diese sind dazu gut geeignet“, sagte Volker Bredenkamp, Ausbilder von Johanna Fuchs und Vorsitzender des Bauernverbandes Bad Doberan. Mit der Leistung der Auszubildenden ist Bredenkamp zufrieden. „Sie hat ihre Sache sehr gut gemacht.“ „Es hätte schlimmer kommen können“, findet die 19-Jährige, der am Ende nur ein Punkt auf den vierten Platz fehlt.


Und Till Söhnholz? Der junge Pflüger haderte nach dem Wettbewerb ein wenig mit der Vorbereitung. „Drei Wochen vor dem Start haben wir das letzte Mal geübt. Danach mussten die Kartoffeln raus“, so der Auszubildende. Am Ende sollten sich seine Zweifel nicht bestätigen. Der Auszubildende aus dem Gut Schmatzin hat es wieder geschafft! Zwar reichte es nicht ganz für den Gesamtsieg bei den Drehpflügern. Den ließ sich Altmeister Christian Woronowicz nicht wegschnappen. Aber den Titel bei den Auszubildenden verteidigte Till Söhnholz souverän! Außerdem reichten seine 82 Punkte in der Gesamtwertung der „Drehpflüger“ zu einem sehr guten 3. Platz (siehe Siegerliste).


Ein weiterer Auszubildender kam mit seiner Leistung in der Gesamtwertung der „Beetpflüger“ ebenfalls auf einen Podestplatz: Nico Alt von der gastgebenden Agrargenossenschaft „Hellbach“ Neubukow eG schaffte einen beachtlichen dritten Platz, konnte aber Heiko Hardt noch nicht gefährden.


Der Altmeister, ebenfalls aus der Agrargenossenschaft „Hellbach“, gewann bei seinem 19. Start den 15. Titel! Trotzdem gab‘s nur eine kurze Feier. „Morgen früh fahr ich Rüben spritzen. Um fünf Uhr gehts los. Da weht kein Wind“, so der Meisterpflüger. 

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