25 Jahre Saatgutverband

19.05.2017

Versuchsfeld © Gerd Rinas

Das Jahr 2016 wird den Saat- und Pflanzgutproduzenten im Land nicht in guter Erinnerung bleiben. Die Vermehrungsfläche ist um 8,5 % auf 22 600 ha zurückgegangen. Das Minus bei Getreide (14,8 %), Gräsern (2,8 %) und Kartoffeln (5,5 %) ist nicht nur auf ein saisonales Überangebot auf den Märkten zurückzuführen. „Wir sehen mit Sorge, dass die Vermehrungsfläche in den vergangenen fünf Jahren um 4 000 ha abnahm“, sagt Dieter Ewald, Geschäftsführer des Saatgutverbandes MV. Hier gegenzusteuern und die Wertschöpfung in der Produktion von Saat- und Pflanzgut für alle Beteiligten zu steigern, sei eine der größten Herausforderungen, vor denen Produzenten, VO-Firmen und Züchter stehen.

 

Wettbewerbsvorteile


Günstiges Klima und Gesundlagen, großflächige Agrarstruktur und ausgefeiltes Züchter- und Vermehrungs-Know how sind nicht die einzigen Wettbewerbsvorteile, die die Branche im Nordosten ins Feld führen kann. Auf der Festveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen des Saatgutverbandes MV (SVM) vorige Woche in Güstrow wurde deutlich, dass auch die Interessenvertretung der Saat- und Pflanzgutproduzenten im bundesweiten Vergleich vorbildlich organisiert ist.


„Der Verband setzt sich für optimale Rahmenbedingungen ein und kümmert sich um ein faires Miteinander zwischen den Mitgliedern und in der Branche“, betonte Agrarminister Till Backhaus. Besonders lobte er das 2010 vom Verband gestartete Projekt „pro Z-Saatgut in MV“. Mit 70 % ist der Anteil von zertifiziertem Saatgut im Nordosten bundesweit am höchsten.


Landesbauernpräsident Detlef Kurreck wies darauf hin, dass der SVM „von der ersten Stunde an“ assoziiertes Mitglied im Bauernverband MV sei. „Wir sprechen eine Sprache und haben eine Basis.“ Kurreck bekräftigte seine Forderung an Agrarminister Backhaus, Bürokratie abzubauen und Antragsverfahren  zu entrümpeln. „Sonst kommen wir aus dem Teufelskreis nicht heraus.“ Der Präsident verwies auf die verzögerte Auszahlung der Agrar-Umweltprämien.


Wilhelm Lauenstein, Vizevorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Saatguterzeuger e.V., hob hervor, dass im SVM Vermehrer, Züchter und VO-Firmen zusammenarbeiteten. „Das ist nicht in jedem Bundesland so“, bedauerte der Vorsitzende des niedersächsischen Saatgutverbandes.


„Seit Gründung 1992 wurde im Saatgutverband Mecklenburg-Vorpommern engagierte Arbeit mit viel Herzblut geleistet“, würdigte Dietmar Brauer, geschäftsführender Gesellschafter der NPZ Hans-Georg Lembke KG Hohenlieth/Malchow. Die Auslobung des Wettbewerbs um den Titel „Anerkannter Saatgutbetrieb“ sei ebenso verdienstvoll wie der erfolgreiche Einsatz des Verbandes für den Erhalt der Landessortenversuche. Besorgt und enttäuscht zeigte sich Brauer über zunehmend schwierige agrarpolitische Rahmenbedingungen. Der „fast sozialistischen Ökologisierung“ werde oft nur noch mit „butterweicher Halbherzigkeit“ begegnet.


SVM-Vorsitzender Hartmut Giermann hatte zuvor an jene Mitglieder erinnert, die den Verband zu dem gemacht haben, was er heute ist. Dazu zählten Helmut Siebeck, Gerd Jordan, Armin Niedzwetzki, Ulrich Schmiechen, Jürgen Rienitz, Manfred Voss, Gerald Bleyl, Wolfgang Dampmann, Jürgen Adomeit, Dr. Keller und vor allem Dr. Hans-Robert Kröchert. Nach Giermanns Angaben zählt der SVM derzeit 162 Mitglieder. Zwölf ordentliche und sechs ­Fördermitglieder sind in den vergangenen fünf Jahren hinzugekommen.


Prof. Frerk Feldhusen, Direktor des Landesamtes (LAALF), kündigte einen neuen Internetzugang  an, mit dem die Ergebnisse der Saatgutuntersuchung online abgefragt werden können. Ab 2018/19 sollen zudem alle Virusuntersuchungen bei Pflanzkartoffeln nur noch an einer Probe durchgeführt werden, was den Zeitaufwand verkürzen wird.


SVM-Vorstandsmitglied Sylvia Tetzlaff wies auf den Wert der Bedingungen hin, welche die Saatgutwirtschaft im Land habe. Hier dürften keine Abstriche zugelassen werden.

 

Gesprächsplattform


Mit einem Fragenkatalog eröffnete Vorstandsmitglied Andreas Prelwitz die Debatte um die Zukunft der Saatgutwirtschaft im Land. Der Verband, so der Geschäftsführer der Güstrower Nordkorn Saaten GmbH, wäre dafür die richtige Gesprächsplattform.

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