25 Jahre LandFrauenverband

29.04.2016

© Gerd Rinas

25 Jahre LandFrauenverband MV - Festveranstaltung in Güstrow

Der erste Lack ist ab. Der zweite auch. In 25 Jahren hat man Federn gelassen, Stürme überstanden, aber auch wunderschöne Momente erlebt, für die sich alle Mühen gelohnt haben.“ So gehe es nicht nur in der Ehe, sondern auch in einem Verband, gegründet mitten „im Findungsprozess zwischen zwei Gesellschaftsordnungen“. Vorsitzende Dr. Heike Müller schlug einen weiten Bogen, als sie auf der Festveranstaltung des LandFrauenverbands Mecklenburg-Vorpommern im Güstrower Bürgerhaus 25 Jahre Verbandsgeschichte Revue passieren ließ.

 

Mit der Ehrennadel des Verbandes wurden ausgezeichnet: Hannelore Arndt (2. v. l.), Mecklenburg-Strelitz, Lore Grundt (3. v. l.), Nordwestmecklenburg, Ursula Henniker (4. v. l.), Bad Doberan,  und Barbara Vollbrecht (5. v. l.), Greifswald. Vorsitzende Dr. Heike Müller (l.) und Geschäftsführerin Katrin Hergarden (r.) gratulierten.

Fotos: Gerd Rinas

 

Neuanfang gewagt


63 Landfrauen um die Gründungsvorsitzende Lilly Wiebensohn und Verbandsgeschäftsführerin Beate Zimmermannn hatten  im April 1991 den LandFrauenverband Mecklenburg-Vorpommern aus der Taufe gehoben. „In den Städten und Dörfern machte sich damals Unsicherheit breit. Viele von uns Frauen verloren ihre Arbeitsplätze und damit auch ein Stück ihrer Würde“, erinnerte Müller.


Der LandFrauenverband wollte einen neuen Anfang wagen, Orientierung bieten und die Interessen der Frauen im ländlichen Raum vertreten. Mit der Übernahme der Trägerschaft über eine Kindertagesstätte in Friedland setzte der Verband 1992 ein erstes Zeichen. Mit dem Entstehen des zweiten Arbeitsmarktes wuchs ihm eine neue Rolle zu: Er wurde Arbeitgeber für Frauen, die sich in ihren Dörfern um Begegnungsstätten und Jugendklubs kümmerten, die Kinderspielplätze errichteten oder sich im Umwelt- und Naturschutz engagierten. Mit 7 000 Arbeitsverhältnissen sicherte der Verband in den Jahren nach der Wende Menschen zeitweilig Einkommen und eine sinnvolle Aufgabe.

 

Höhen und Tiefen


Dabei führte er von Anfang an Frauen aus mehreren Generationen, einer Vielzahl von Berufen und mit unterschiedlichen Interessen zusammen. Gerade diese Vielfalt erwies sich in der ehrenamtlichen Arbeit als Vorteil, um Angebote für Bildung, Geselligkeit, Brauchtumspflege, politische Interessenvertreung und Netzwerke mit Partnerorganisationen zu entwickeln.  Vorsitzende Müller erinnerte an zahlreiche Projekte, mit denen der Landesverband und seine regionalen Mitgliedsverbände in den vergangenen 25 Jahren das Leben in den Dörfern bereicherten. Dazu zählen Aktionen wie „Landfrauen öffnen ihre Gärten“, Landfrauen mischen sich ein“, „Landfrugens wilde Früchtchen“, die Seminarreihe „Frauen im Management“ oder der „aid-Ernährungsführerschein“ als Teil des Schulobstprogrammes des Landes. Die Landfrauen beteiligen sich seit vielen Jahren an der Vorbereitung der  Agrarschau MeLa und des Landeserntedankfestes. Erst kürzlich gaben Mitglieder des Verbandes in der NDR-Sendung „Meine Landküche“ ihre Visitenkarte ab.


Heike Müller machte keinen Hehl daraus, dass der Verband Höhen und Tiefen hinter sich hat. 1 800 Frauen waren schon einmal Mitglied. Als 2003 der zweite Arbeitsmarkt drastisch zurückgefahren wurde, ging auch die Mitgliedszahl im Verband zurück. „Seit drei Jahren haben wir den Abwärtstrend gestoppt. Heute sind wir 1 100 Mitglieder, und es sprießen wieder zarte Pflanzen, sprich neue Ortgruppen. Darauf sind wir stolz“, so die Vorsitzende.


Der Verband hat für sich neue Arbeitsfelder entdeckt. Er meldet sich in der Kommunalpolitik zu Wort, setzt sich für die flächendeckende Sicherung von Mobiliät, ärztlicher Grundversorgung und schnelle Internetverbindungen ein. „Wir kümmern uns um Flüchtlinge und befassen uns auch mit der Rolle von Frauen in der rechtsradikalen Szene“, so Müller.

 

Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes e. V., überbrachte dem LandFrauenverband MV die Glückwünsche des Bundesverbandes. Dank gelte den 63 Gründerinnen für Weitblick und Mut. Der LandFrauenverband MV habe in schwierigen Zeiten standgehalten, sich als bodenständig gezeigt, sich zu Werten und Traditionen bekannt und Gefühl für die Machbarkeit von Aufgaben entwickelt. Der Verband wirke mit im politischen Dialog, nicht als Bittsteller, sondern Partner, und trage so zur Politikgestaltung im Sinne des Allgemeinwohls bei.

 

Parteipolitisch unabhängig, bringt sich der Verband als Interessenvertreter im Landesfrauenrat ein, ebenso in der Arbeitsgemeinschaft Daseinsvorsorge, in regionalen Leader-Aktionsgruppen, Fachausschüssen des Deutschen LandFrauenverbandes und bei den regelmäßigen Treffen mit dem Landwirtschaftsminister.  „Wir sehen uns kritisch“, versicherte die Vorsitzende. Sie und ihre Mitstreiterinnen treiben viele Fragen um: „Wie werden wir in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen? Was können wir beitragen, um Lebensqualität im ländlichen Raum zu erhalten? Wo wollen wir in zehn Jahren stehen?“ Bei all den offenen Antworten, eine Erkenntnis: „Wir sind tief verwurzelt im Land. Das Bäumchen LandFrauenverband, das vor 25 Jahren gepflanzt wurde, hat starke Wurzeln und eine kräftige Krone bekommen!“, betonte die Vorsitzende.

 

„Lieblingsverband“


Dr. Till Backhaus überbrachte in Güstrow nicht nur Glückwünsche zum Verbandsjubiläum, sondern gab auch einige bis dahin wohlgehütete Geheimnisse preis. So erfuhr die Festgemeinde, dass er schon in der LPG Lübtheen „sehr gern mit den Frauen der Feldbaubrigade zusammengearbeitet“ hat. Raunen im Saal. Mehr noch: „Sie sind mein Lieblingsverband“, ließ der Minister die mehr als 200 versammelten Landfrauen wissen.

Landesbauernpräsident Detlef Kurreck, der die Grüße des Bauernverbandes überbrachte, ertrug das Bekenntnis gefasst. Backhaus betonte, dass der LandFrauenverband als Interessensvertreter anerkannte Arbeit leiste. „Ich werde sie auch weiterhin unterstützen“, versicherte der Minister.


Sebastian Constien, Landrat des Landkreises Rostock, ließ durchblicken, dass er die Arbeit der Landfrauen in der Region aufmerksam verfolge. In Güstrow erfreute er die Festversammlung mit einem frauenfreundlichen Gedicht und gewann damit auch die Sympathien von Brigitte Scherb. Die Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes lud Constien nach seiner Rezitation ein, doch Fördermitglied im LandFrauenverband MV zu werden.

 

Kabarett zum Geburtstag:
Für ihre Sketche „Beim Landarzt“ bekamen die Greifswalder Landfrauen viel Beifall.

 

 

 

 

 

 

Nach dem Mittagessen setzte sich die Festgemeinde in Bewegung. Gemäß dem Motto des Verbandes – „Tief verwurzelt im Land“ – pflanzten Heike Müller und Detlef Kurreck vor der Regionalschule „Richard Wossidlo“ eine Winterlinde.

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