22. Agrarpolitischer Tag in Malchow

20.06.2014

© Gerd Rinas

Das Tagungspräsidium: Udo Hemmerling, stellvertretender DBV-Generalsekretär, Jörg Haase, Vorsitzender des KBV Nordwestmecklenburg, Agrarstaatssekretär Peter Sanftleben, Gastgeber Dietmar Brauer, Bundes-Agrarstaatssekretär Robert Kloos und Bauernpräsident Rainer Tietböhl sorgten für eine vielschichtige Diskussionsgrundlage.

Wenn etwas den Landwirten in diesen Tagen „Bauchschmerzen“ bereitet, dann sind es die Anforderungen des sogenannten Greenings. Das „Herzstück“ der jüngsten EU-Agrarreform soll die Ökologisierung der Landwirtschaft vorantreiben. 30 % der Direktzahlungen sind unter anderem daran gebunden, dass Antragsteller fünf Prozent ihrer Ackerfläche als ökologische Vorrangflächen bewirtschaften und auf Pflanzenschutz und mineralische Düngung verzichten.

„Im Zweifel bedeutet dies, fünf Prozent Ackerland aus der Produktion zu nehmen“, brachte Jörg Haase, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg, die größte Sorge der Berufskollegen vorige Woche in Malchow/Poel auf den Punkt. Auf dem Agrarpolitischen Tag, den der Verband seit 1993 mit der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG veranstaltet, stand das Greening im Mittelpunkt.

Die Greeningfläche in Mecklenburg-Vorpommern beträgt 60 000 ha. Fünf Prozent Flächenstilllegung würden allein für Nordwestmecklenburg einen Anbauverlust von 7 200 ha bedeuten. „Das sind 50 vernichtete Arbeitsplätze und 36 000 t  Früchte, die nicht mehr produziert würden. 1 440 Lkw-Ladungen fielen weg, ebenso Investitionen in zehn Mähdrescher“, rechnete Haase vor.

„Greening und ökologische Vorrangflächen sind großer Mist“, machte Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl seinem Unmut Luft. Das auch bei der Stilllegung auf diesen Flächen alle Auflagen eingehalten werden müssen, sei „Enteignung“. „Da hört der Spaß auf. Nur ökonomisch starke Betriebe können Umweltschutz leisten“, betonte der Präsident, der vor wachsendem Kontrollaufwand in den Behörden warnte.

Jedes Jahr ein Greeningantrag bedeute auch für die Landwirte zusätzlichen Aufwand. Darauf machte Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, aufmerksam. Das Greeningziel der Anbaudiversifizierung stelle vor allem kleinere Betriebe vor Probleme. Bei mehr als 30 ha Anbaufläche müssten nun drei Kulturen nachgewiesen werden.  „Wir wollen Umweltmaßnahmen leisten, sie müssen aber in die betrieblichen Abläufe passen. Zwanghafte Maßnahmen passen da nicht heinein“, so Hemmerling. Das Signal, das Brüssel mit dem Greening versende, lasse sich nur in eine Richtung deuten: Wettbewerbsfähigkeit werde nicht mehr so wichtig genommen. Der Redner warnte ebenfalls vor dem wachsenden Kontrollaufwand.

Staatssekretär Peter Sanftleben aus dem Schweriner Agrarministerium ging auf die Bedenken seiner Vorredner ein. Neun Prozent der Ackerfläche in Mecklenburg-Vorpommern wären als ökologische Vorrangflächen geeignet. Einzelbetrieblich könne die Umsetzung des Greenings Probleme verursachen. Die Anbaudiversifizierung erfolge nicht nach einem Gesetz, sondern in direkter Umsetzung europäischen Rechts. Etwa zehn Prozent der Betriebe mit drei Prozent der Fläche könnten Schwierigkeiten bekommen, insbesondere durch den Silomaisanbau“, so Sanftleben.  
 
Robert Kloos wies alle Spekulationen über etwaige Flächenstilllegungen wegen des Greenings kategorisch zurück. „Es wird keine Zwangsstilllegung geben“, versicherte der Staatssekretär im Bundesagrarministerium. „Der Anbau von Zwischenfrüchten, längst gängige Praxis, wird in den meisten Betrieben hinreichen, um die ökologischen Vorrangflächen zu erfüllen.“ Darüber hinaus stünde eine breite Palette von Maßnahmen zur Wahl. Dazu zähle der Anbau Stickstoff bindender Pflanzen ebenso wie die Einbeziehung von Hecken, Feldrainen und Waldrandflächen. Man habe eine große Flexibilität der Maßnahmen in der Verordnung angestrebt, um den Landwirten viele Möglichkeiten für Vorrangflächen zu eröffnen. Nicht alles müsse überall eingesetzt werden, so Kloos, der zumindest in einem Punkt die Greening-Befürchtungen der Landwirte nicht von der Hand weisen wollte: Ein höherer Kontrollaufwand lasse sich wohl kaum vermeiden.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr