1. Strohheizungsanlage mit Nahwärmenetz eingeweiht

07.09.2013

Abschied vom Heizöl

Schon bevor das erste Strohpaket seinen Weg in den Heizkessel antrat, konnten die Gastgeber in Gülzow am Mittwoch voriger Woche einen Erfolg verbuchen: In der Halle, in der künftig Heizstroh gelagert werden soll, hatten sich zur Einweihung der ersten Strohheizungsanlage mit Nahwärmenetz im Land viele Interessenten, darunter zahlreiche Landwirte, eingefunden.

 

In nur vier Monaten hatten Firmen am Sitz der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) die aus Strohlagerhalle, Heizhaus und einem 1.000 m langen Nahwärmenetz bestehende Anlage fertiggestellt. Herzstück ist ein 1 000-kW-Strohheizkessel des dänischen Herstellers Lin-ka. Ebenfalls im Heizhaus untergebracht sind als Zusatzsystem ein 1 200-kW-Gasheizkessel, 30 000-l-Wärmepufferspeicher, die Mess-, Steuer- und Regeltechnik sowie Pumpen und Wärmeverteiler. Auch die Rauchgasreinigungsanlage mit Zyklon und Gewebefilter nebst Schornstein steht im beziehungsweise am Heizhaus.

 

Voraussichtlich ab Mitte August werden über das Nahwärmenetz Gebäude der Fachagentur und der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, die Labore und Gewächshäuser des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei sowie Häuser der Gemeinde Gülzow wie die Mehrzweckhalle, der Kindergarten, die Feuerwehr, der Bauhof und die Arztpraxis  mit Wärme aus Stroh versorgt. Bauherr, Planer und Betreiber der Anlage ist die Landgesellschaft MV. Geschäftsführer Dr. Thomas Pitschmann wies darauf hin, dass der Entscheidung für die Strohheizanlage eine sorgfältige Vorteilsabwägung mit den Nutzern und dem für die Energieversorgung von Landeseinrichtungen zuständigen Betrieb für Bau- und Liegenschaften MV (BBL) vorausging. Dabei war die ursprüngliche Idee verworfen worden, die Wärmeversorgung mit einer Biogasanlage sicherzustellen. Ein Grund sei gewesen, den Maisanbau in der Region nicht weiter auszubauen.

 

Um die geforderte Heizleistung von 1.000 kW und den Jahreswärmebedarf von 2.000 MWh sicherzustellen, sind nach Angaben von Pitschmann etwa 600 t Stroh pro Jahr  notwendig. Das entspricht dem Strohertrag von 150 bis 200 ha Getreideanbaufläche. Als Lieferant wurde die Zehnaer Landwirtschaftsgesellschaft gebunden. Als Preis wurden 80 €/t Stroh vereinbart. Die Strohballen werden zu Quadern von zirka 2,20 bis 2,50 m Länge gepresst. Das Ballengewicht beträgt etwa 500 kg. Die Ballen werden im Landwirtschaftsbetrieb unter Dach zwischengelagert. Das Stroh wird bedarfsgerecht, außerhalb der Arbeitsspitzenzeiten, über 15 km nach Gülzow transportiert. In der Strohhalle können bis zu 400 Ballen gelagert werden. Das 15 m lange Förderband, das auf den Tagesbedarf der Heizanlage an Stroh ausgerichtet ist, transportiert die Quader zum Ballenauflöser. Von dort wird das bereits in der Ballenpresse auf etwa 20 cm Länge geschnittene Stroh über einen Förderkanal pneumatisch zum Heizkessel befördert.

Die Strohheizung ist als Demonstrationsanlage konzipiert, damit Landwirte und interessierte Bürger sich alles anschauen können“, ermunterte Dr. Andreas Schütte, Geschäftsführer der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Führungen sind nach Voranmeldung möglich. Agrarstaatssekretär Dr. Karl Otto Kreer wies auf die Wertschöpfung in der Region und die geringeren Klimabelastungen hin. 2,5 kg Stroh ersetzen einen Liter Heizöl. Die mit der Anlage in Gülzow eingesparte Menge CO2 entspricht dem Ausstoß von 170 Mittelklassewagen bei einer Jahresleistung von 20.000 km.

 

 

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