Zum vierten Mal die Nummer eins

12.02.2016

© Manfred Drössler

Eine Ausnahmekuh: Mehrmals überzeugte Blanca P, hier mit Nachzucht und vorgeführt von Christian Wegt, auf den Landwirt­schaftsschauen BraLa und MeLa.

Prignitzer Betrieb weiß zu punkten: Die Ausnahme-Fleckviehkuh Deutschlands kommt aus Karstädt, und das zum vierten Mal in Folge. Blanca P belegt laut aktueller Zuchtwertschätzung, veröffentlicht am 17. Dezember 2015 im Internet (www.vit.de) Rang 1 und ist mit dem Relativzuchtwert Fleisch RZF 131 die beste Kuh Deutschlands. „Neben diesem enormen Zuchtwert hat sich Blanca als Siegerkuh über alle Rassen auf der BraLa und MeLa, ebenso als Klassensiegerin bei der 4. Bundesschau überregional mehrfach als Schaukuh einen Namen gemacht“, teilt die RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH mit.

 

Traditionsraum zieren Urkunden und Pokale


Blanca gehört zur Karstädter Rinder GmbH, einer Tochtergesellschaft der Agrargenossenschaft Karstädt. Aus deren Zucht kommen weitere Spitzentiere: Auf Platz zwei der deutschlandweiten Topliste rangiert mit Baccara P (RZF 124) keine geringere als die erste Tochter von Blanca. Blanca kalbte viermal in Folge (zwei Bullen- und zwei Färsenkälber) und erwartet im Februar das fünfte Kalb; Baccara kalbte bisher dreimal. „Die zweite Tochter von Blanca kalbt jetzt im März das erste Mal. Sie wird vielleicht die Nr. 2, dann würden die drei besten Fleckviehkühe Deutschlands bei uns in Karstädt stehen“, meint Bodo Wegt, Leiter Tierproduktion.


„Seit 15 Jahren belegen wir Spitzenplätze bei Landes- und Bundeswettbewerben“, unterstreicht Lothar Pawlowski, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft, nicht ohne Stolz.  Den Traditionsraum der Genossenschaft zieren diverse Urkunden und Pokale zu Topleistungen in der Milchproduktion, zu mehreren 100 000-Liter-Kühen sowie zu Spitzenfleischrindern.


Die ersten großen Erfolge holte Bianca P 2005 als Siegerfärse über alle Rassen auf der BraLa und 2008 als Siegerkuh über alle Rassen. 2010 folgte Tochter Britta P als Reservesiegerkuh.  Die Liste lässt sich fortsetzen, so war die Rinder GmbH 2012 mit fünf Tieren einer der größten Aussteller der 4. Bundesschau auf der Grünen Woche, errang mit Blanca einen Klassensieg und mit Prinzessin P einen weiteren 1a-Platz. 2014 siegte Blanca auf der MeLa und BraLa über alle Fleischrindrassen.


„Bianca, Britta, Blanca oder Baccara – sie alle stammen aus einer Zuchtfamilie. Blancas Bullenkalb von 2015 erreichte einen RZF-Spitzenwert von 136, sodass die Rinderproduktion Berlin Brandenburg GmbH Interesse zeigt, ihn als Besamungsbullen zu kaufen”, erzählt Bodo Wegt. Zur Grünen Woche 2016 war Karstädt nicht vertreten, da deren 5. Fleckvieh-Bundesschau vom Verband Deutscher Simmentalzüchter ausgerichtet wurde, dem die Rinder GmbH Karstädter nicht angehört. In Karstädt steht übrigens mit Salomon PP auch der beste Fleckviehbulle Brandenburgs. Deutschlandweit rangiert er mit dem Relativzuchtwert RZF 126 auf Platz 7 unter den aktiven Bullen.
Mit der Mutterkuhhaltung befasst man sich in Karstädt bereits seit 1986. Sylvia Carls, die damals in der LPG (T) Karstädt lernte, erforschte in ihrer Ingenieurarbeit das Thema „Mutterkuhhaltung mit ausgesonderten SMR-Tieren“, also  Schwarzbunten Milchrindern. „Zur Zucht holten wir uns einen Uckermärkerbullen, Hybridfärsen von Privat und kauften nach 1990 70 Herdbuch-Fleckvieh-Tiere aus Tschechien dazu“, berichtet Dietrich Carls, damaliger LPG-Vorsitzender. 1992 gründete die neu gebildete Agrargenossenschaft die Karstädter Rinder GmbH und startete mit 150 Tieren.


Mit Übernahme der Nebeliner Agrar GmbH 2004 und der Umstellung des Standortes auf Mutterkuhhaltung vergrößerte sich der Fleckviehbestand. Aktuell zählt er an vier Standorten 320 Kühe plus Nachzucht. „Ziel ist, pro Jahr ein gesundes Kalb je Kuh aufzuziehen und die Jungtiere zur Mast sowie Zucht zu verkaufen bzw. für die eigene Reproduktion des Mutterkuhbestandes zu behalten. Ebenso veräußern wir jährlich bis zu zehn Jungbullen als Vererber zur Zucht”, erklärt Dietrich Carls, der auch heute als Geschäftsführer der Rinder GmbH die Verantwortung trägt und sich mit fachlich versierten Mitstreitern um die Mutterkuhhaltung kümmert.

 

Mutterkühe ganzjährig auf der Weide


In der Zucht legen die Karstädter nicht nur Wert auf Qualitätsfleisch, sondern auch auf Tierwohl. „Mutterkühe und Kälber werden sehr naturnah ganzjährig auf der Weide gehalten, was der Biolandwirtschaft sehr nahe kommt“, betont Carls. Aus Haltungsgründen werden die Kälber hornlos gezüchtet, damit entfällt das schmerzhafte Brennen der Hörner. Das Gen, als P bezeichnet, vererbt sich dominant gegenüber normal ausgeprägten Hörnern.

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