Zuchtarbeit braucht Zuversicht

02.06.2014

© HSZV

Der Vorstand: Ulrich Söhnholz, Torsten Rahlf, Helmut Baum, Renate Schuster, Petra Medejczyk, Ingo Wiechmann und Torsten Roder (v. l.).

Alles andere als „schweinefreundlich“ war das vergangene Jahr. Die am Markt zu erzielenden Preise machten eine kostendeckende Schweineproduktion unmöglich. Aktuell liegt der durchschnittliche Auszahlungspreis für Mastschweine bei 1,47 Euro je Kilo. „Das reicht nicht aus. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und endlich vernünftige Preise“, so Torsten Roder, Vorstandsvorsitzender des Hybridschweinezuchtverbandes Nord/Ost e. V. auf der Mitgliederversammlung Mitte Mai im Gut Neu Sacro.

Doch nicht nur die Preismisere belastet die Schweinehalter, sondern auch der gesellschaftliche Druck, so Roder weiter. Der Schweineproduzent werde in Medien als „schwarzer Peter“ dargestellt, Worte wie Massentierhaltung machten die Runde. Der Verband nutzt deshalb jede Gelegenheit, um Lobbyarbeit für den Berufsstand zu machen, versicherte der Vorstandsvorsitzende den Mitgliedern.

Obwohl die Verbandsarbeit im Schweinesektor sehr stark vom Strukturwandel betroffen ist, kann der Hybridschweinezuchtverband auf einen stabilen Mitgliederbestand verweisen. Er hat aktuell 103 Mitglieder. Im vergangenen Jahr gab es zehn Neuaufnahmen, in diesem Jahr bereits neun. Darunter ist auch ein Verein zur Förderung der Haltung von Sattelschweinen. Die Betriebe mit Erhaltungszucht stellen mittlerweile mehr als die Hälfte der Mitglieder. „Diese sehr zeitaufwendige Arbeit mit meist kleinen Beständen wird noch nicht mit der nötigen Konsequenz beachtet“, betonte Roder. Alle redeten gern von der Erhaltung der genetischen Vielfalt, aber eine bundeseinheitliche Förderung gebe es nicht. „Sehr schade, denn was einmal weg ist, ist unwiederbringlich verloren.“

Umso mehr ist das Engagement der Betriebe zu würdigen, die sich an der MeLa 2013 und an der Vorbereitung der BraLa 2014 beteiligten und hervorragende Tiere bereitstellten. „Diese demonstrieren eindrucksvoll, dass das Tierwohl und hohe Leistungen einander nicht ausschließen“, hieß es auf der Mitgliederversammlung. Gewürdigt wurde ebenso, dass Betriebe ihre Jungfacharbeiter und Azubis für diese Leistungsschauen freistellten. Eine wichtige Rolle spielten ebenso die traditionellen Jungzüchterwettbewerbe. Der auch tierartübergreifende Erfahrungsaustausch unter den jungen Leuten ist eine gute Investition in die Aus- und Weiterbildung der eigenen Kräfte, schätzte Vorstandsvorsitzender Roder ein. „Der Blick über den Tellerrand nutzt letztendlich auch den entsendenden Betrieben.“ Ein „aktives Dankeschön“ galt zugleich den Agrarministerien von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Ohne die Bereitstellung der Fördermittel für die Leistungsprüfung in den Stationen und Projekte wie Erhaltungszucht und Eigenleistungsprüfung in den Zuchtherden wäre die Arbeit des Verbandes in dieser Form nicht möglich.

Die Mitglieder wurden in Neu Sacro darüber informiert, dass der BVN Neustadt/Aisch seit Oktober vergangenen Jahres die Besamungsstation in Malchin bewirtschaftet. Im April 2014 wurde der Gesellschaftsvertrag der Schweinebesamung Malchin GmbH unter notarieller Aufsicht unterschrieben. Ziel ist die intensive züchterische Zusammenarbeit im Mutterrassenbereich und die Wiederaufnahme der Feldtestprüfung der Endstufeneber in den Betrieben mit Ferkelproduktion, erläuterte Torsten Roder. „Wir erhoffen uns von dieser Zusammenarbeit eine neue Qualität für alle Kunden der Besamungsstation in Malchin. Gerade unter dem Aspekt, dass das Deutsche Edelschwein und die Deutsche Landrasse als Rassen im letzten Jahr in die Kategorie Beobachtungspopulation eingestellt wurden, ist die länderübergreifende Zusammenarbeit zwingend erforderlich.“

Der Mitgliederversammlung schloss sich eine Fachtagung an. Welche Möglichkeiten gibt es zur besseren öffentlichen und politischen Wahrnehmung der Schweinebranche? Dieser Frage ging Klemens Schulz von der ZDS Bonn nach, weitere Vorträge beschäftigten sich mit der Tränkwasserhygiene und der Afrikanischen Schweinepest.

Am Vormittag hatten die Verbandsmitglieder den Tagebau Jänschwalde und das Gut Neu Sacro besichtigt, das vom gastgebenden Betrieb, der Bauern AG „Neißetal“, mit viel Liebe zum Detail restauriert wurde. Zum Abschluss nutzten alle Teilnehmer die Gelegenheit, sich über einen Besuchergang entlang der einzelnen Produktionsbereiche „Einsicht“ in die Sauenanlage Neu Sacro zu verschaffen.

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