Wolfsrisse in der Prignitz

19.10.2016

© Manfred Drössler

Böse Überraschung: Marc Mennle entdeckt gerissene Schafe.

Schock für Marc Mennle: Als der Prignitzer Schäfermeister am Donnerstag vergangener Woche seine 340-köpfige Mutterschafherde auf einer Weidefläche bei Birkholz aufsucht, sieht er niedergerissene Zäune, verletzte Tiere und auch Kolkraben. Letztere sind für ihn ein Alarmzeichen, dass noch Schlimmeres passiert ist: Mennle entdeckt vier tote Tiere, eins davon durch Fraß ausgeweidet, weitere zwei Tiere verenden kurze Zeit später an ihren Bissverletzungen. Am Freitag die zweite böse Überraschung: zwei gerissene Schafe, niedergerissene Zäune, die Herde verstreut.


„Die Bissweiten und der Fraßumfang deuten darauf hin, dass hier Wölfe am Werk waren. Nicht nur einer, sondern mehrere“, mutmaßt der Schäfermeister. Mennle informierte umgehend das Veterinäramt des Landkreises und den zuständigen Wolfsschadengutachter des LUA Brandenburg. Letzterer registrierte die Schäden, nahm DNA-Proben, maß die Bissweiten und zog das Fell im Kehlbereich der toten Schafe ab. Ebenso wurden ca. zehn Zentimeter große Trittsiegel der Angreifer festgestellt. „Ohne sich festzulegen, meinte der Schadengutachter, dass der Wolf nicht auszuschließen sei. Auch deute alles darauf hin, dass mehrere Tiere am Werk waren“, gibt Mennle die erste Einschätzung des Gutachters wieder. „Vieles spricht für Wolfsrisse, aber die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen“, war von Thomas Frey, Sprecher des Landesumweltamtes, zu erfahren.

 

Die Schadenshöhe in seiner Nolana-Schafherde kann Mennle außer den acht toten Mutterschafen (je 250 €) noch nicht beziffern. „Ich lege jetzt die Grundlage für die nächste Ablammung und damit für meine weitere Existenz. In der Herde steht seit acht Wochen der Bock. Ich befürchte, dass durch die Wolfsattacke viele Tiere verlammen. Ein Schlachtlamm bringt 120 Euro. Nachdecken geht nicht, da ein Großteil der Herde zur Deichbeweidung an der Elbe umgesetzt wird“, macht der Schäfer deutlich. Unter den gerissenen Schafen ist mit einem Easycare auch ein besonderes Zuchtschaf. Mennle ließ es aus Wales holen und investierte einschließlich Transport 600 €.


Was den 42-Jährigen ebenfalls bedrückt: Mit dem vermutlichen Wolfsangriff auf die Herde sind 30 Tiere vor Panik ausgebrochen und noch nicht wieder aufgefunden. Bei ihrer Flucht durch ein angrenzendes Buchweizenfeld eines Landwirts richteten sie einen beträchtlichen Flurschaden an, der durch den zweiten Ausbruch am Freitag noch größer wurde.

 

Der ausführliche Beitrag ist in der BauernZeitung, Heft 42 (Nordausgabe, Seite 7) zu lesen.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr