„Wolfsfreie Zone“ als Hilferuf

09.08.2018

© Wolfgang Herklotz

Ihre Positionen legten Dieter Dombrowski, Axel Graf Bülow, Reinhard Jung, Christian Steinkopf und Mario Borchert (v. r.) in Potsdam dar.

Vor knapp sieben Monaten hat der Bauernbund Brandenburg eine Internetseite gestartet, die zur Errichtung wolfsfreier Zonen im Land auffordert. Neben den fast 7.000 zustimmenden Unterschriften haben bislang neun Städte und Gemeinden den Schritt vollzogen, darunter Lenzen, Breddin, Gransee und Stechlin. Bei weiteren 18 Kommunen steht der Antrag nach der Sommerpause auf der Tagesordnung. Darüber informierte Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, in Potsdam.

 

Mit von der Partie war Christian  Steinkopf, Bürgermeister von Lenzen im Landkreis Prignitz. Die Stadtverordneten hatten bereits im April die Landesregierung aufgefordert, ihr Gebiet im Wolfsmanagementplan als nicht für eine Besiedlung durch den Wolf geeignete Zone auszuweisen, da überwiegend öffentliche Interessen dem entgegenstehen. Steinkopf verwies insbesondere auf den Schutz der Bevölkerung, die unbeschwerte  Nutzung der offenen Landschaft für Naherholung und Tourismus sowie die Sicherung der natur- und artgerechten Weide­tierhaltung. „Der Wolf sorgt nicht nur für Verunsicherung und Ängste, sondern auch dafür, dass sich die Wildtiere zu größeren Rudeln zusammenschließen. Das erschwert die Bejagung und hat geringere Pachteinnahmen zur Folge“, so Steinkopf. 

 

Mario Borchert, Gemeindevertreter aus Breddin im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, wies darauf hin, dass es nicht darum gehe, den Wolf erneut auszurotten. „Wir wehren uns nur gegen eine flächendeckende Ausbreitung. Wo Menschen leben und Nutztiere weiden, muss der Wolf bejagt werden.“ Als Rückzugsgebiete für Isegrim sollten Naturreservate, Truppenübungsplätze und Tagebaukippen dienen (weitere Forderungen im Infokasten). Als unerträglich bezeichnete Borchert, selbst aktiver Jäger, dass ein angefahrener Wolf kläglich verenden musste, weil die Polizei sich weigerte, das geschützte Tier von seinen Qualen zu erlösen. 

 

Die FDP fordert ein Wolfsmanagement für das Land Brandenburg, das diesem Namen auch gerecht wird. „Bislang handelt es sich um nichts anderes als weiße Salbe. Statt die Konflikte zwischen Tierhaltung und Naturschutz zu entschärfen, wurden diese noch verstärkt“, erklärte FDP-Landeschef Axel Graf Bülow. „Die Landesregierung muss endlich die Zuschauertribüne verlassen!“

 

Dem Liberalen zufolge sollte eine Hochstufung des Wolfes in der entsprechenden EU-Richtlinie aus Anhang IV in Anhang V erfolgen, um eine Grundlage für die Bejagung zu schaffen. Anschließend seien Bund und Land gefordert, den Wolf zügig ins Jagdrecht aufzunehmen. Parallel müssten die bisherigen Präventionsmaßnahmen einer kritischen Prüfung unterzogen und gegebenenfalls angepasst werden. „Wer bestellt, sprich ansiedelt, muss auch bezahlen!“ Die Aktion „wolfsfreie Zone“ sei als ein „Hilferuf“  zu verstehen, damit endlich etwas geschehe. Diese Ansicht vertrat auch Dieter Dombrowski, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Die Wolfsverordnung sei gut gemeint, aber wirkungslos. Zwar lasse sie die Entnahme sogenannter Problemwölfe zu, eine konsequente, praktikable Umsetzung sei aber nicht geregelt.  Als Beispiel führte Dombrowski den Wolf an, der tagsüber in der Nähe einer Kindertagesstätte bei Rathenow gesichtet wurde. „Nach drei Tagen wurde eine Abschussgenehmigung erteilt, aber kein Wolf mehr da.“ Dombrowski erinnerte an die Erklärung von Minister Vogelsänger auf der diesjährigen Landesbauernversammlung in Paaren, wonach der günstige Erhaltungszustand des Wolfes in Brandenburg erreicht sei. „Dem müssen nun Taten folgen, anstatt auf den Bund und die EU zu verweisen!“  Denn es sei bei den gegenwärtigen Entwicklungen nur eine Frage der Zeit, bis Menschen zu Schaden kommen, waren sich die Teilnehmer des Pressegesprächs einig. „Die Landesregierung muss umdenken, ehe noch weitere Weidetierhalter  aussteigen“, so Reinhard Jung.

 

 

 

Forderungen an die Landesregierung 

1. Gegenüber dem Bund dafür einsetzen, dass der strenge Schutz des Wolfes auf europäischer Ebene gelockert wird, da diese Art nicht mehr vom Aussterben bedroht ist.

2. Gegenüber dem Bund dafür einsetzen, dass der Wolf mit Jagdzeiten und Abschussquoten ins Jagdrecht aufgenommen wird.

3. Auf Landesebene sind alle schon heute zulässigen Mittel auszuschöpfen, um die Zahl der Wölfe zu reduzieren, indem in

a) besonders gefährdeten Regionen Schutzjagden nach schwedischem Vorbild durchgeführt werden,

b) an Viehweiden angreifende Wölfe getötet werden können.  

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