Weidetierhalter sind frustriert

24.11.2016

© Wolfgang Herklotz

Peter Kernchen an dem aufwendig errichteten Zaun sowie Teilnehmer des Stallgesprächs (Bild links oben).

Mannshoch ist der Zaun aus einem starken Drahtgeflecht. Dieses reicht bis in den Erdboden hinein. Davor sind zwei stromführende Litzen gespannt, eine dritte dient als obere Begrezung. Die eigens zur Abwehr von Wölfen errichtete Anlage erstreckt sich über zehn Hektar bei Trebitz nahe Brück im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Sie sichert die Winterweide von rund 30 Highland-Rindern, die Peter Kernchen hier hält. Bislang hat Isegrim, auf dessen Konto zahlreiche Attacken im Jahre 2014 gehen, einen Bogen darum gemacht, versichert der Landwirt. „Aber das löst das Problem noch lange nicht.“ Zwar wurde das aufwendige Bauvorhaben über ein Pilotprojekt gefördert. Allein 15 000 € betrugen die Materialkosten, ganz zu zu schweigen von den Arbeitsleistungen, die vier Mann über einen Zeitraum von fünf Wochen erbrachten. Um einen generellen Schutz für Kernchens Rinder zu garantieren, müssten 500 ha eingezäunt werden. „Das kann keiner bezahlen und würde außerdem das Landschaftsbild hier in den Belziger Wiesen stark beeinträchtigen!“


Wurden landesweit im Vorjahr knapp 100 Nutztiere von Wölfen gerissen, sind es trotz Prävention in diesem Jahr bereits 174. Denn die Wolfspopulation nimmt jährlich um 30 % zu. Die Weidetierhalter sind frustriert, machte ein Pressegespräch des Landesbauernverbandes am 14. November in Trebitz deutlich. „Der Wolfsbestand hat bei uns ein erträgliches Maß längst überschritten“, erklärte Jens Schreinicke, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark und Mutterkuhhalter. Er kritisierte den immensen bürokratischen Aufwand, um für Wolfsrisse entschädigt zu werden. Überdies warteten viele Landwirte bisher vergeblich auf einen positiven Bescheid für die beantragte Förderung präventiver Maßnahmen. „Wir brauchen vor allem praxistaugliche Lösungen“, forderte Schreinicke unter Zustimmung zahlreicher Tierhalter, die von Wolfsübergriffen betroffen waren und weitere Attacken befürchten.


Axel Steffen, Abteilungsleiter im Agrar- und Umweltministerium, warb um Verständnis für die Verzögerungen. „Wenn öffentliche Gelder ausgereicht werden, sind Regeln einzuhalten und muss vorher genau geprüft werden.“ Steffen informierte, dass 15 Anträge auf Förderung in Höhe von 200 000 € nun bewilligt wurden. In diesem Jahr wurden bis Anfang November mehr als 40 000 € für den Ausgleich von Schäden in Nutztierhaltungen gezahlt. Der Abteilungsleiter kündigte eine Reihe von Maßnahmen an, um künftig schneller reagieren zu können.


Die Tierhalter sind dennoch in großer Sorge, wie das Gespräch deutlich machte. Was passiert, wenn eine Herde in Panik gerät und ausbricht? Ist es nicht höchste Zeit, den Wolf in die Schranken zu weisen? Für Jens Schreinicke jedenfalls ist es „erwägenswert“, Isegrim ins Jagdrecht aufzunehmen. „Es muss etwas geschehen, anstatt weiterhin Wolfsfutter zu produzieren!“ Immerhin soll nach Auskunft des Agrar- und Umweltministeriums das sogenannte Wolfsmanagement überarbeitet und der Umgang mit „Problemwölfen“ genauer definiert werden. „Wir werden handeln“, versprach Abteilungsleiter Steffen. Die Tierhalter, so viel steht fest, werden ihn beim Wort nehmen.

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