Waldumbau: Anwuchs mit Garantie

08.01.2014

Bildautor: © Rudolf Kupfer

Bei der Pflanzaktion kamen an einem Tag 6 000 Stück Traubeneichen und 500 Stück Hainbuchen sowie Winterlinden in den Boden.

Seit Jahren werden unter Förstern, Naturschützern, Waldbesitzern und Interessierten ernsthafte Debatten zum Waldumbau auch in der Lausitz geführt. Die hier dominierenden Kiefernwälder im Süden des Landkreises sollen langfristig, wo es der Standort erlaubt, durch neue Waldgenerationen in stabile Mischbestände umgebaut werden.


Auf ersten hektargroßen Flächen haben sich in den letzten Jahren gepflanzte Eichenbestände im Lindenauer Brand relativ gut entwickelt. Ein erfolgversprechender Anfang für die zuständige Revierleiterin Ellen Zschech aus Hermsdorf. Sie ist froh, dass es gelungen ist, jüngst  auf zwei weiteren Parzellen in diesem Waldgebiet Traubeneichen zu pflanzen und sogar zur Bereicherung der Artenvielfalt einen kleinen Anteil von Hainbuchen und Winterlinden in den Bestand mit einzubringen.

 

Optimale Bedingungen

Der Pflanzzeitpunkt Ende November und der Regen in den letzten Tagen waren für das Anwachsen der etwa 30 bis 50 cm cm großen Setzlinge optimal.  Aber bis in etwa 150 Jahren diese Mischwälder wieder Nutzholz liefern, können Schädlinge, Klimaveränderungen und andere Faktoren das Wachstum beeinflussen. Deshalb ist die ständige fachliche Betreuung notwendig, so die engagierte Försterin.


Die Jungpflanzen sind besonders in den ersten Jahren durch Mäusefraß und starke verdämmende Vegetation gefährdet. Während ein zwei Meter hoher Zaun vor dem Wildverbiss schützt, haben Mäuse freien Zutritt zu diesen Flächen. Die Jagd der Füchse auf diese Nagetiere endet am Zaun, es sei denn, er wird von ihnen untergraben. Nur Greifvögel haben ungehindert die Möglichkeit zur Mäusejagd.

 

Handarbeit gefragt

Grundsatz ist und bleibt, dass nur Setzlinge, die gebietsheimisch geerntet und gezogen wurden, gepflanzt werden. Das garantiert die beauftragte Baumschule aus Großthiemig, Landkreis Elbe/Elster, den Waldbesitzern. Auch eine Anwuchsgarantie wird gewährleistet, ­versichert Einsatzleiter Marco Schaufuß.


Schon beim Pflügen hat dieser Betrieb gute Voraussetzungen für die folgenden Pflanzarbeiten geschaffen. Sechs polnische Saisonarbeitskräfte brachten auf einem Hektar 6.000 Stück Traubeneichen, 250 Stück Hainbuchen und 250 Stück Winterlinden an einem Tag in den Boden. Da Pflanzmaschinen auf der mit Restkiefern bewachsenen Fläche nicht einsetzbar sind, musste per Hand gepflanzt werden. Die mit einem Pflanzspaten gestochenen 15 cm tiefen Pflanzlöcher wurden nach dem Einlegen der Setzlinge sofort wieder geschlossen. Noch wenige Tage zuvor war die Truppe aus Großthiemig im Harz unter weitaus schwierigeren Bedingungen im Einsatz als in der Lindenauer Flur.

 

Kosten sind erheblich

Der Waldumbau ist für die Besitzer mit erheblichen Kosten verbunden. Darauf verweist Ellen Zschech nachdrücklich. Pro Hektar fallen allein für den Zaunbau, das Pflügen und Pflanzen durchschnittlich etwa 7.000 Euro an. Allerdings bringt die vollständige Verwertung der Kiefern von Bauholz bis hin zu Hackschnitzeln gegenwärtig entsprechende Erlöse. Der gesamte Aufwuchs wird mit der heute vorhandenen modernen leistungsfähigen Technik der Nutzung zugeführt. Als Anreiz werden gegenwärtig staatliche Fördermittel für den Waldumbau bereitgestellt.


In der Chronik von Lindenau ist vermerkt, dass es hier 1616 Hopfengärten gab und von 1688 bis 1850 mit Erfolg Wein angebaut wurde. Wie weit Mischwälder hier eine Zukunft haben und eine erfolgreiche Form der Bodennutzung werden können, haben die kommenden Generationen zu beurteilen. Es gilt nach wie vor der Grundsatz: „Wälder sind der Beweis, dass sich langfristiges Denken lohnt.“

Rudolf Kupfer

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