Viehdiebe schlugen wieder zu

18.10.2017

© Wolfgang Herklotz

Eine Streicheleinheit von Daniel Schacht für jenes Kälbchen, das die Diebe zurückgelassen hatten. Bild oben rechts: Verschlossen war das Tor zur Biogasanlage und zum Stall, doch das brachen die Diebe kurzerhand auf.

Die Diebe kamen nachts, und zwar in der Zeit zwischen 0 und 2.45 Uhr. Das kann Daniel Schacht, Geschäftsführer des betroffenen Betriebes, mit Bestimmtheit sagen. „Denn bis kurz vor Mitternacht war ich noch in der Milchviehanlage, nachdem mein Handy eine Störung bei den Melkrobotern angezeigt hatte.“ Der Defekt war rasch behoben, sodass sich der 32-Jährige bald wieder auf den Heimweg machen konnte. Zuvor hatte er noch einen Kontrollrundgang absolviert. Alles ruhig, keine Auffälligkeiten. „Und doch hatte ich irgendwie ein mulmiges Gefühl ...“


Als keine drei Stunden später Melkerin Petra Schönherr ihre Frühschicht antrat, merkte sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Ein Teil der Milchviehherde, die sogenannten Trockensteher, lief frei herum, war offensichtlich auf Futtersuche. Das konnte doch kein Versehen der Spätschicht sein ... Kurz darauf stand fest: Es fehlten wieder Kälber! Das aufgebrochene Tor unterhalb des Stalles, die eingeschlagene Fensterscheibe neben der Stalltür und die nach den intensiven Regenfällen gut sichtbaren Reifenspuren ließen keinen Zweifel aufkommen, dass die Darez Agrar GmbH am Rande von Dornswalde wieder von Viehdieben heimgesucht worden war. Mittlerweile der fünfte Einbruch innerhalb von vier Jahren, mussten Daniel Schacht und sein Team konstatieren. Vor knapp 16 Monaten erst waren waren die Langfinger hier gewesen, hatten 18 Kälbchen, Milchpulver sowie einen mobilen Melkwagen mitgehen lassen, außerdem diverse Zubehörteile und Mittel für die Behandlung von Tieren (die BauernZeitung berichtete in Ausgabe 28/2016 darüber).


Nach dem ersten Schock am Samstagmorgen, inzwischen war die Polizei informiert und hatte auch die Spurensicherung ihre Arbeit aufgenommen, war Zeit für eine erste Bilanz. Die Diebe hatten 56 Kälber im Alter von vier Tagen bis zu drei Monaten und allesamt weiblich entwendet. Damit wurde dem Betrieb rund ein Drittel der aktuellen Nachzucht entzogen. Auch diesmal war die mobile Melktechnik verschwunden und mit ihr rund eine Tonne Milchpulver, das für die Versorgung des Nachwuchses unverzichtbar ist. „Da waren Profis am Werk, die sich mit Tieren sehr gut auskennen“, stand für den Darez-Geschäftsführer fest. „Die sind direkt bis an den Stall gefahren, haben gewendet und dann zügig die Kälber aufgeladen. Lediglich zwei geschwächte Tiere ließen sie zurück. Dass die erkrankt waren, sah man aber nicht auf den ersten Blick!“ Vermutlich waren die Trockensteher von den Tätern freigelassen worden, um Spuren zu verwischen. Allerdings ließ sich anhand der Reifenspuren nachweisen, dass kein Tiertransporter benutzt wurde, sondern ein bis zwei Lieferwagen im Einsatz waren.


Den Schaden beziffert Daniel Schacht auf rund 20 000 Euro. Das Unternehmen ist zwar versichert, muss aber einen Eigenanteil von 5 000 Euro aufbringen, um entschädigt werden zu können. Zwar hat sich die finanzielle Situation für den Betrieb bei Baruth im Landkreis Teltow-Fläming nach der endlos langen Talfahrt der Milchpreise wieder etwas verbessert. Doch dafür gab es in diesem Jahr Nackenschläge der anderen Art.

 

Blitzschlag und Hagelschäden


Im Juni hatte ein Blitzschlag die Elektroanlage und damit auch die Melkroboter außer Betrieb gesetzt, was umfangreiche Reparaturarbeiten zur Folge hatte. Im Juli verwüsteten Hagelkörner große Teil der Mais- und Kartoffelschläge. Vor allem jedoch die wiederholten Attacken von Menschenhand stellen den Geschäftsführer und seine Mannschaft auf eine harte Probe. „Wir haben nach dem Vorfall im vergangenen Jahr unsere Sicherheitsmaßnahmen verschärft, beispielsweise das Tor zur Biogasanlage und zum Stall mit schweren Teilen aus Gusseisen zusätzlich gesichert. Aber es hat nichts genützt!“

 

Spendenaktion gestartet


Deshalb haben die Dornswalder Landwirte jetzt eine in Röthenbach bei Nürnberg ansässige Firma beauftragt, im Betrieb ein Sicherheitskonzept umzusetzen. Dieses wurde speziell mit dem Versicherer GFV entwickelt und setzt auf den Einsatz von Videobewegungsmeldern, die mit einer zertifizierten Notrufleitstelle kommunizieren. Sollten sich erneut unbefugte Personen Zugang zum Betriebsgelände verschaffen und Tiere sowie Technik entwenden wollen, werden Einsatzkräfte alarmiert. Schacht gibt zu verstehen, dass ein solches Sicherungssystem eine Menge Geld kostet, weil es um einen fünfstelligen Betrag geht. „Wir können aber nicht weiter hinnehmen, dass sich Kriminelle an unserem Eigentum bereichern. Nicht nur Politik und Polizei sind gefordert, auch wir Landwirte selbst müssen etwas tun, um Einbrechern das Handwerk zu legen.“ Schacht hat nach dem jüngsten Übergriff die Solidarität vieler Berufskollegen erfahren und deshalb eine Aktion ins Leben gerufen. Unter www.leetchi.com/c/projekt-von-darez-agrar-gmbh können Spenden gesammelt werden, um das Sicherheitskonzept erfolgreich anzuwenden und gegebenenfalls weitere betroffene Betriebe zu unterstützen.


In diesem Jahr sind elf Viehdiebstähle in Brandenburg angezeigt worden, zu denen aktuell Ermittlungsverfahren laufen. Im vergangenen Jahr waren es 24 Verfahren. Somit ein Rückgang, dafür hat sich die Zahl der gestohlenen Tiere deutlich erhöht, und zwar von 180 im Vorjahr auf derzeit 370.

 

Soko „Koppel“ ermittelt


„Wir haben es mit hochprofessionellen Dieben und grenzüberschreitender Kriminalität zu tun“, betont Torsten Herbst, Pressesprecher im Polizeipräsidium. „Deshalb sind wir auf eine enge Zusammenarbeit insbesondere mit den Kollegen aus Polen und der Ukraine angewiesen.“ Herbst ist sich sicher: „Früher oder später kriegen wir aber die Täter!“ Daran arbeitet die im März dieses Jahres gegründete Sonderkommission „Koppel“, der fünf Ermittler angehören. Überdies bietet die Polizei spezielle regionale Beratungen zur technischen Prävention sowie Schulungen zur IT-Sicherheit und Abwehr von Cyber-Angriffen an. Außerdem haben sich das Innenministerium und der Landesbauernverband auf ein Maßnahmenpaket verständigt, das vor allem auf eine enge Vernetzung im ländlichen Raum abzielt.


Außerordentlich wichtig ist es, Mitbewohner im Dorf dafür zu sensibilisieren, auf verdächtige Personen zu achten. Wie Geschäftsführer Schacht betont, sei diese Bereitschaft bei den Nachbarn durchaus vorhanden. „In der besagten Nacht wurde registriert, dass die Hunde angeschlagen haben. Täter konnten jedoch nicht beobachtet werden.“ Als Zeugen können lediglich die 315 Milchkühe des Betriebes angesehen werden. Aber die sagen nichts!

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr