Treu und hinter dem Netz

30.06.2016

© Linda Scholz

Bitte recht freundlich: Minister Vogelsänger und Schäfermeister Kucznik stellen sich nach Vertragsunterzeichnung den Fotografen.

Sie haben als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde Mitte Juni zusammen mit Brandenburgs Agrarminister einen Vertrag über die Ausbildung und den Einsatz von Herdenschutzhunden unterzeichnet. Ein Meilenstein im Kampf gegen Wolfsattacken?
■ Das kann man durchaus sagen. Wobei ich großen Wert auf folgende Feststellung lege: Wir sind nicht gegen den Wolf, sondern für unsere Schafe! Uns geht es darum, sie zu schützen!



Warum eignen sich besagte Hunde so besonders dafür?
■ Weil sie in der Schafherde leben, also sozialisiert sind, und diese eigenständig bewachen. Allerdings haben wir klare Anforderungen an die Zucht und Ausbildung sowie die Haltung und den Umgang definiert. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass von jetzt an Weidetierhalter Fördermittel für die Anschaffung von Herdenschutzhunden erhalten.



Wie hoch fällt die Förderung aus?
■ Die Kosten werden in voller Höhe erstattet. Diese sind beträchtlich, denn für einen exakt ausgebildeten Herdenschutzhund sind mindestens 4 000 Euro zu bezahlen. Es muss sich aber ausschließlich um Pyrenäenberghunde oder Herdenschutzhunde der Rasse Maremmano handeln. Es sind europäische Rassen mit einer planmäßigen Zucht seit dem 19. Jahrhundert. Sie haben sich aufgrund ihrer Charaktereigenschaften und äußeren Merkmale für unsere Klima- und Haltungsbedingungen am besten für den Herdenschutz in Brandenburg qualifiziert. Bevor sie jedoch zum Einsatz kommen, müssen sie eine Prüfung absolvieren. Dafür ist unsere Arbeitsgemeinschaft zuständig, die außerdem noch für eine Schulung der Käufer sorgt.



Worauf ist vor allem zu achten?
■ Wer Erfahrungen im Umgang mit Hunden hat, kann diese vergessen. Hütehunde sind komplett anders. Sie reagieren nicht auf Zuruf, sondern agieren sehr selbstständig. Sie dürfen nicht angekettet werden, ein Maulkorb ist nur während eines Transports und einer tierärztlichen Behandlung anzulegen. Sie halten sich ausschließlich in der Herde auf, sie in einem Zwinger unterzubringen verbietet sich.



Die Tierschützer sind da anderer Meinung ...
■ Durchaus. Wenn es nach ihnen ginge, müssten den Vierbeinern auch Ruhepausen verordnet werden. Ich frage mich nur, wie dem Wolf kommuniziert werden soll, dass er erst wiederkommen soll, wenn die Ruhepause beendet ist ... Nein, im Ernst: Die Hunde ruhen in der Herde. Wenn diese sich bedroht fühlt, ist der Pyrenäenberghund oder Maremmano sofort auf den Beinen. Wenn er dagegen die Nacht in einer Hütte verbringt, ist der Schutzmechanismus schnell außer Kraft. Ich bin froh, dass diese Forderung der Tierschützer in Brandenburg kein Thema ist.



Die Länder haben hier unterschiedliche Regelungen?
■ Ja, und ich kann da nur sagen: Ein Glück, dass ich Schäfer in Brandenburg bin. In Baden-Württemberg beispielsweise ist es untersagt, Herdenschutzhunde hinter dem Elektrozaun unterzubringen, weil sie einen Elektroschock bekommen könnten. Ein solches Herangehen würde in Brandenburg, das mit Sachsen die größte Wolfspopulation hat, ein Ende der Weidetierhaltung bedeuten. Deshalb wissen wir es sehr zu schätzen, dass die Vereinbarung mit Agrarminister Vogelsänger zustande kam. Sie ist, soweit ich richtig informiert bin, auch europaweit einmalig!



Der Einsatz der Hütehunde ist dennoch nicht unproblematisch. Können Übergriffe auf Menschen ausgeschlossen werden?
■ Ja, wenn die von unserer Arbeitsgemeinschaft erarbeiteten Empfehlungen exakt berücksichtigt werden. Um mögliche Risiken auszuschalten, haben wir uns auf die beiden Rassen beschränkt, weil wir mit denen die besten Erfahrungen gemacht haben. Ich persönlich habe seinerzeit mit einer Pyrenäenberghündin aus der Schweiz begonnen. Sie hat ordentlich Geld gekostet, mich aber nicht enttäuscht. Diese Tiere haben eine gute Genetik, die sie zuverlässig weitergeben. Sie sind herdentreu und bleiben hinter dem Netz. Natürlich müssen sich auch Spaziergänger in Herdennähe an die Regeln halten. Sie sollten die Hunde nicht belästigen, zügig und mit Abstand an der Herde vorbeigehen und Haustiere unbedingt an der Leine führen.

 

Die Fragen stellte Wolfgang Herklotz

 

 

Aus dem Vertrag
Die Arbeitsgemeinschaft ... wird beauftragt, die Zucht von Herdenschutzhunden in Brandenburg aufzubauen, zu überwachen und zu kontrollieren. Sie bestimmt hierzu einen Zuchtleiter und führt ein Zuchtbuch.

... zertifiziert Hunde und Zuchtbetriebe von Herdenschutzhunden der Rassen Maremmano und Pyrenäen-berghund. Ein Zertifikat ist die Voraussetzung für die Förderung eines Herdenschutzhundes durch das Land Brandenburg.

... wird beauftragt, die Ausbildung von Herdenschutzhunden aufzubauen, zu koordinieren, ausgebildete Hunde zu prüfen und zu bewerten. Nutztierhalter werden im Umgang mit Schutzhunden unterrichtet. 

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