Traditionen und deutliche Worte

19.09.2016

© Heike Mildner

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Es war ein schönes Fest, das die Beerfelder, voran ihr Ortsvorsteher Horst Wittig, auf die Beine gestellt hatten. Tausende Gäste zogen am Sonnabend durch das 600-Seelen-Dorf bei Fürstenwalde und ließen es sich bei Musik und regionaler Kost gut gehen. Und so soll es sein. Allerdings war nicht zu übersehen, dass bei aller Freude über die eingebrachte Ernte die Sorgen der Landwirte, insbesondere der Milchviehhalter, immer größer werden. Und so hatten die LandFrauen eine Erntekrone mit schwarzen Bändern auf die Bühne gestellt. Deutlich wurde auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Er finde es schade, dass durch die Diskussion um die sogenannte Massentierhaltung, eine seiner Meinung nach oberflächliche Debatte, die ganze Berufssparte ins Zwielicht gerückt worden sei. Im Hinblick auf die Erzeugerpreise seien auch die „großen Rahmenbedingungen“ nicht einfacher geworden: „Ich glaube, es ist wichtig, dass wir drüber nachdenken, ob die Sanktionen gegen Russland wirklich helfen. Ich bin sehr dafür, mit Russland zu reden, nicht Konfrontation zu betreiben, nicht Sanktionen zu verhängen, sondern in den Dialog zu gehen und gemeinsam eine vernünftige Lösung zu finden“, so Woidke, „gerade wir Brandenburger und wir Deutschen haben eine besondere Verantwortung für diesen Dialog.“ Bauernpräsident Hendrik Wendorff machte den Erntefestgästen die Brisanz deutlich: „Im nächsten Jahr werden wir 60 Betriebe weniger haben, die Milch produzieren.“ Diese Entwicklung müsse aufgehalten werden.

Nicht aufzuhalten war Anne Schubert: Die „alte“ Erntekönigin durfte erneut kandidieren und wurde von der Jury im Amt bestätigt. Landwirtin Lisa Kunz aus Kloster Lehnin und Borjana Dinewa aus Luckau blieb nur der Dank für die Teilnahme. Unter den 20 eingereichten Erntekronen – allein sechs aus dem Umkreis von Beerfelde – wurde die aus Luckaitz in der Niederlausitz zur schönsten gekürt. Höhepunkt des Erntefestes war der große Festumzug mit 40 Bildern. Schönste Wagen wurden die aus Buchholz, Altranft und Tempelberg. Die Beerfelder Landwirte Lutz und Jörg Puhlmann legten mit ihrem Wagen wiederum den Finger auf die Wunde: zwei Milchkälber im Iglu, die Belegschaft in schwarzen T-Shirts, am Wagen schwarz auf weiß: „Wir nehmen Abschied von Zucht und Qualität“ und „Wir nehmen Abschied nicht allein, Verlierer werden alle sein“ – Puhlmanns geben die Milchviehhaltung im 1995 gebauten Stall auf.

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