Tag des Fleischrindhalters

14.11.2014

© Wolfgang Herklotz

Aufmerksame Zuhörer hatte Philipp Wenz, der seinen Vortrag mit einer Demonstration in der Auktionshalle ergänzte.

Brandenburg ist nach wie vor das Land der Mutterkühe. Derzeit werden hier 92 000 Tiere gehalten, obwohl es vor einem Dutzend Jahren schon mal knapp 100 000 waren. Sehr verbreitet ist die Freilandhaltung. Doch der Umgang mit den Mutterkühen will gelernt sein und sollte möglichst stressarm erfolgen. Anregungen und Tipps dazu vermittelte der Fleischrindtag in Götz, der auf großes Interesse bei den Praktikern stieß. Eingeladen hatte die RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH gemeinsam mit dem Landesamt für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung.   

„Für Mutterkuhhalter sind in der neuen Förderperiode bis zum Jahre 2020 die Agrarumweltmaßnahmen in der sogenannten Zweiten Säule interessant“, so Hartmut Aust vom Potsdamer Landwirtschaftsministerium. Über das neue Kulturlandschaftsprogramm ab 1. Januar kommenden Jahres wird wieder die extensive Grünlandbewirtschaftung gefördert. Bei Verzicht auf mineralische Düngung gibt es nun 140 Euro je Hektar statt bisher 120. „Allerdings erfolgt die Förderung jetzt nach Gebietskulissen“, betonte Aust und empfahl den Praktikern, das jeweilige Landwirtschaftsamt zu konsultieren. Wie Aust weiter mitteilte, wird die Förderung von Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung über die Tierzuchtrichtlinie fortgesetzt. Eine weitere  Maßnahme bezieht sich auf die Förderung von Gesundheit und Robustheit der Tiere. Die aber ist für die Mutterkuhhaltung wenig hilfreich und noch dazu sehr aufwendig, erklärte RBB-Geschäftsführerin Cornelia Buchholz. „Dringenden Handlungsbedarf“ meldete sie beim sogenannten Wolfsmanagement angesichts der jüngsten Übergriffe an. „Die aktuell diskutierten Schutzmaßnahmen mögen bei Schafen wirksam sein, bei Mutterkühen sind sie es nicht!“

Buchholz ging auf Ergebnisse der Herdbuchzucht ein. Stabil geblieben ist die Zahl der Züchter mit aktuell 224 und der Kühe (7 760) sowie Bullen (260). Den größten Anteil bilden die ­Rassen Uckermärker, Fleckvieh und Charolais. Für Spitzenergebnisse in der Fleischrindzucht stehen der Limousinbulle Castor P von der Fleischrind GmbH Tetschendorf und der Uckermärkerbulle Leven PS von Peter Schollbach mit einem Relativzuchtwert Fleisch (RZF) von
126 beziehungsweise 120, aber auch die Charolaiskuh Celine P von Gerd Sommer, RZF 132, und die Fleckviehkuh Blanka P von der Agrargenossenschaft Karstädt, RZF 129. Nicht zu vergessen der Herefordbulle Cäsar P von der Agrar GmbH Biesen, der auf der diesjährigen Internationalen Grünen Woche zum besten deutschen Bullen seiner Rasse gekürt wurde. Er ist auf der diesjährigen EuroTier zu sehen.

Kritisch setzte sich die Geschäftsführerin mit Ergebnissen der Leistungsprüfung auseinander. So wurde die Stationsprüfung mit weniger Tieren beschickt als im Vorjahr, und zu niedrig ist auch die Zahl der eingestuften Jungkühe mit 844
(66 %). „Das ist zu wenig für einen so wichtigen Selektionsentscheid“, betonte Buchholz. Sie gab bekannt, dass für die Eigenleistungsprüfung gemeinsam mit der LVAT Groß Kreutz neue Bedingungen vereinbart wurden. Es gibt zwei Einstalltermine, die Prüfkapazität der Bullen wurde auf 40 reduziert, während die Skelettbewertung jetzt vor Prüfbeginn erfolgt. Eine weitere Neuerung ist, dass die Bullen während des gesamten Prüfzeitraumes im ehemaligen Quarantänestall, einem Offenstall, auf Tiefstreu mit planbefestigtem Futtertisch aufgestallt sind. Bei der Absetzervermarktung konnte im abgelaufenen  Wirtschaftsjahr mit einer Stückzahl von 8 319 Absetzern eine neue Rekordmarke erreicht werden. Alles in allem konnte Buchholz ein gutes Resümee ziehen. „Wir haben aber noch Reserven, die wir gemeinsam erschließen müssen.“

Was ist beim stressarmen Umgang mit Mutterkühen zu beachten? Antwort darauf gab Berater Philipp Wenz, der das Prinzip des Low-Stress-Stockmanship vorstellte. Dieses steht für den intelligenten Umgang mit Weidetieren und stellt ein Versprechen dar, erklärte Wenz. „Ich verspreche, die Tiere nicht zu erschrecken, sondern gebe ihnen die Zeit, die sie brauchen. Im Gegenzug bekomme ich von den Tieren eine ruhige, partnerschaftliche Zusammenarbeit. Sie tun, worum ich sie bitte.“  Der Berater bezeichnete Vertrauen und Respekt als Pole für eine gelingende Tierhaltung und machte auf zwei Grundregeln aufmerksam:
• Kühe wollen sehen, wer sie treibt,
• Kühe gehen in die Richtung, in die sie schauen.

Die Tiere werden nicht von hinten getrieben, sondern leicht seitlich. Wenn sie sich nicht in die gewünschte Richtung bewegen, gilt es, sich auf dieser zu positionieren, damit die Kuh den Treiber im Auge behalten kann.  Statt Druck auszuüben, sollte dieser weggenommen werden, indem man sich einen Schritt vom Tier entfernt, betonte Wenz. Ziel sei es, ein qualifiziertes Vertrauen zu erreichen. „Das gelingt nur, wenn man dem Tier nicht mehr Druck zufügt, als es verträgt und sich in Praxis immer daran hält.“

Den theoretischen Ausführungen folgte eine praktische Demonstration in der Auktionshalle des RBB-Vermarktungszentrums. Zuvor waren noch Kühe mit herausragender Zucht- und Fleischleistung geehrt worden. Diese, so die Kriterien, sollten mindestens zwölf Nachkommen haben, eine Zwischenkalbezeit von höchstens 365 Tagen und bei der Einstufung von Typ, Bemuskelung und Skelett mindestens die Note 7 aufweisen.  Die Auszeichnung ging an die Anguskuh Lilo von Hans Schulze aus Großkrausnick, die Uckermärkerkuh Frieda von Volker Naschke aus Schenkendöbern und die Uckermärkerkuh Fee von Sven Deter aus Wulkow.

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