Südbrandenburgischer Bauernverband: Weichen gestellt

14.02.2014

© Bernd Choritz

Jubiläum in Luckau. Ministerpräsident Dietmar Woidke (r.) gratulierte Frank Neczkiewicz (l.) und Thomas Goebel (M.) zur Wiederwahl.

Bis 2020 verkürzt Brüssel die Zahlungen an deutsche Landwirte um zehn Prozent. Dennoch gibt die neue Regelung keinen Anlass zum Pessimismus. Das machte Thomas Goebel, der Vorsitzende des Südbrandenburgischen Bauernverbandes, auf dem 20. Verbandstag in Luckau deutlich. „Die Weichen sind gestellt. Jetzt kommt es auf eine flexible und praxisbezogene Ausgestaltung an.“ Allerdings ließ Goebel vor den rund 200 Teilnehmern durchblicken, dass die Bundesregierung in der Verantwortung stehe, einen Ausgleich zu schaffen. Kritisch bewertete er auch die Pläne der Bundesregierung, künftig nur noch Rest- und Abfallstoffe in den Biogasanlagen zu verwerten. „Das wird nicht funktionieren. Eine Korrektur  erwarten wir auch in Sachen Mindestlohn. Saisonale Erntehelfer müssen von dieser Regelung  ausgenommen werden.“

Flächenverbrauch  bleibt problematisch

Die geplanten Umschichtungen von der Ersten in die Zweite Säule dürfen nicht zu Einbußen für die Brandenburger Landwirte führen. Von den Agrarumweltmaßnahmen müssen möglichst viele Bäuerinnen und Bauern profitieren können, so der Vorsitzende. „Die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete muss für alle Betriebe gleichermaßen in Betracht kommen.“ Die Änderung des Grundstückverkehrsgesetzes ist aus Sicht der Südbrandenburger Bauern längst überfällig und die Herabsetzung der genehmigungsfreien Hektargrenze auf mindestens 1 ha zwingend erforderlich. Die Nähe zum Flughafen stellt auch immer wieder die Problematik Flächenverbrauch auf die Tagesordnung. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen dürfen nicht ins Unendliche ausufern und sind nur im Einvernehmen mit den Landwirten realisierbar.    

Premiere für eigenen Imagefilm

Obwohl in Luckau weitere Probleme zur Sprache kamen, gab es allen Grund zum Feiern. Denn fast auf den Tag genau vor 20 Jahren hatten sich unter dem Dach des Landesbauernverbandes Brandenburg am 8. Februar 1994 vier Bauernverbände der ehemaligen Altkreise zum Bauernverband Südbrandenburg zusammengeschlossen. Heute umfasst das Verbandsgebiet  136 000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in den Kreisen Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und anteilig in Elbe-Elster und Teltow-Fläming. In diesem Gebiet werden rund 80 % dieser Fläche von Verbandsmitgliedern bewirtschaftet. Der Verband zählt 710 Mitglieder, davon sind 108 Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe sowie 90 Genossenschaften und GmbH und 18 in GbR. Der Bauernverband Südbrandenburg steht zu einer flächendeckenden, vielfältigen modernen bäuerlichen Landwirtschaft mit all ihren Facetten, was auch der eigens kreierte Imagefilm widerspiegelte, der auf dem 20. Jubiläumstag seine Erstaufführung hatte.

Zu den Gratulanten gehörte  Ministerpräsident Dietmar Woidke. Er würdigte das Engagement von Brandenburgs größtem Regionalbauernverband, der sich seit zwei Jahrzehnten für die Interessen und die Vernetzung der Landwirte vom Berliner Umland bis zur Säch­sischen Grenze einsetzt. „Die Landwirtschaft ist und bleibt für Brandenburg ein wichtiger Wirtschaftszweig“, unterstrich Woidke. Er betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, junge Menschen für grüne Berufe zu begeistern und so Nachwuchs für die Betriebe zu sichern. Woidke wörtlich: „Der Bauernverband Südbrandenburg engagiert sich hier ­beispielhaft. Er unterhält ein Ausbildungsnetzwerk, an dem sich 32 Betriebe beteiligen. Dadurch werden Ressourcen gebündelt. Zudem können auch Jugendliche, die keine Top-Noten haben, besser an die Berufspraxis herangeführt werden.“ Woidke verwies darauf, dass mit Unterstützung der Landesregierung mittlerweile sechs Ausbildungsnetzwerke in der Landwirtschaft entstanden sind.

Heimische Schätze besser nutzen

Zudem sagte Woidke, dass die brandenburgische Landwirtschaft ein großes Potenzial regionaler Produkte bietet, die beim Verbraucher auf Zuspruch und Nachfrage stoßen. Woidke: „Dieses Potenzial wird aber noch nicht genügend ausgeschöpft. Zu oft hört die Wertschöpfungskette nach der Erzeugung auf. Wir brauchen mehr Weiterverarbeitung unserer heimischen Schätze. Landwirte müssen stärker unternehmerisch denken, die Märkte im Blick behalten und sich vernetzen. Und das gilt nicht nur für Betriebe im direkten Berliner Umland, sondern auch in Senftenberg, Finsterwalde und Elsterwerda.“

Regionalität und die Ausrichtung auf nationale und internationale Märkte stellen für die deutsche Landwirtschaft keine Gegensätze dar.“ Dies betonte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied. Regionale Lebensmittel seien bei den Verbrauchern  beliebter denn je und hätten nicht nur für die Landwirte in Brandenburg einen besonderen wirtschaftlichen Stellenwert. Auch für die Imagepflege der Landwirtschaft seien regionale Herkünfte im Lebensmittelangebot ein Gewinn. „Hier stehen Bäuerinnen und Bauern mit ihrem Namen für die Erzeugnisse ein“, erklärte der Bauernpräsident.

Regionale Produkte für den regionalen Markt sind der Kern für die landwirtschaftliche Direktvermarktung. Diese verbinde Werte wie Genuss, Vielfalt und Heimat mit Glaubwürdigkeit und Transparenz. „Wir wollen Regionalität aber auch für andere Vermarktungswege nutzbar machen und suchen nach neuen Ansätzen, die einen Mehrwert für Verbraucher und Landwirte bieten“, erklärte Rukwied.

Spreewald ist auch Kulturlandschaft

Nach Einschätzung von Agrarminister Jörg Vogelsänger prägen zwei Besonderheiten die Landwirtschaft in der Region Südbrandenburg: „Der Spreewald ist nicht nur eine einzigartige Wasser- und Waldlandschaft, er ist auch Kulturlandschaft, die in ihrer heutigen Form von Generationen von Bauern, Fischern und Forstleuten geschaffen wurde. Zu den besonderen Rahmenbedingungen in der Region gehören auch der Braunkohleabbau und die anschließende Rekultivierung von Flächen und Wiedernutzung für die Landwirtschaft.“

Thomas Goebel (OSL) wurde auf dem Verbandstag mit 97,7 % der abgegebenen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Als seine Stellvertreter wurden erneut Frank Neczkiewicz (EE) und Holger Jonas (LDS) gewählt. 13 weitere Vorstandsmitglieder wurden gewählt, damit können Vertreter aus allen Regionen des Verbandsgebietes eine flächendeckende Verbandsarbeit ermöglichen.

Auch in den nächsten Jahren, so das Signal aus Luckau,  wird der Bauernverband Südbrandenburg mitmischen für eine Zukunft der Landwirtschaft in Brandenburg.

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