Sturmtief Xavier: Schneisen der Verwüstung

01.11.2017

© Uwe Werner

Wie Mikadostäbchen liegen vom Sturm umgeworfene Baumriesen im Templiner Stadtwald Richtung Vietmannsdorf. Nur schwer zu verwerten sind viele Bäume, die der Sturm wie Streichhölzer abgeknickt hat.

Das war ein wahrhaft „eiliger Gast“ – und ein ganz besonders stürmischer noch dazu! In wenigen Stunden fegte das Sturmtief „Xavier“, zum Teil mit Orkanböen, am 5. Oktober vor allem über Norddeutschland hinweg. Die Beseitigung vieler Schäden wird auch in der Uckermark noch Monate dauern. Die in Mitleidenschaft gezogenen wichtigen „Lebensadern“ – vor allem Straßen, Bahngleise und Stromleitungen – sind zum größten Teil wieder befahrbar gemacht oder repariert worden. Aber in vielen Waldgebieten gibt es wahre Schneisen der Verwüstung, die der Herbststurm „Xavier“ angerichtet hat. Davon zeugen auch in der Uckermark teilweise kaum betretbare Waldflächen, massenhaft umgestürzte Einzelbäume oder Kronenabbrüche.

 

Entwurzelt oder abgebrochen   


Die zuständigen Förster und Waldbesitzer haben inzwischen Mühe, noch einen forstlichen Dienstleister zu finden, der sie bei den Aufräumarbeiten unterstützt. Für das Land Brandenburg schätzt das zuständige Ministerium, dass rund 1,5 bis zwei Millionen Bäume entwurzelt, abgebrochen oder vom Sturm „gefällt“ worden sind. Das heißt, dass etwa eine Million Festmeter Holz aufzuarbeiten sind. Zum Vergleich: In einem normalen Wirtschaftsjahr werden in den 1,1 Mio. ha großen Wäldern Brandenburgs zirka 4,5 Mio. fm geerntet. Somit wurde durch den Sturm fast ein Viertel der Jahreseinschlagsmenge umgeworfen. Den durchschnittlichen Wert dieser vom Orkan zusätzlich „produzierten“ Holzmenge schätzen Experten auf rund 48 Mio. €.


Deutliche Spuren hat der Herbststurm auch im Nationalpark Unteres Odertal hinterlassen. „Etliche Bäume, insbesondere Weiden, sind vom Sturm in Mitleidenschaft gezogen oder ganz umgestürzt. Dadurch sind Wege zum Teil unpassierbar oder aufgrund von herabhängenden abgebrochenen Ästen eine Gefahrenquelle“, informierte Nationalpark-Sprecher Hans-Jörg Wilke. Das Aufarbeiten des Holzes sei schwierig und gefährlich, da umgeworfene Bäume häufig unter Spannung stehen und herabfallende Äste eine Gefahr darstellen. Die Nationalparkverwaltung bittet Besucher des Schutzgebietes deshalb darum, die Absperrungen der Gefahrenstellen im eigenen Interesse zu respektieren und insbesondere in Waldgebieten auf Gefahren zu achten. 

 

Holzschädlingen zuvorkommen


Neben der Wiederherstellung der Sicherheit in den Wäldern steht für die Forstleute deshalb jetzt auch die möglichst schnelle und bestmögliche Verwertung der umgestürzten Bäume im Vordergrund. Und nicht zuletzt gilt es zudem, den Befall der betroffenen Bestände durch Holzschädlinge zu verhindern. Die Waldarbeiter und Forstunternehmen haben also in den nächsten Monaten mehr als alle Hände voll zu tun.


Und da kommt auch auf die Sägewerke der Region schon bald einiges an zusätzlicher Arbeit hinzu. „Bei uns hat schon die Lychener Stadtforst angefragt“, bestätigte Erhard Bohm vom gleichnamigen Sägewerk in Hardenbeck. „Allerdings ist das mit solchem Holz eine Sache. Wir müssen unterscheiden zwischen dem Windwurf (umgestürzte und entwurzelte Bäume) und dem Windbruch (abgebrochene Stämme oder Baumkronen). Letzterer lässt sich wegen der Splitterungen in den Stämmen oft nur sehr schwer verwerten. Es ist also nötig, dass wir uns die Angebote mit den Förstern vor Ort ganz genau anschauen“, erklärte der Fachmann.


In seinem Unternehmen werde „alles, was verwertbar ist“ zu Schnitt- und Bauholz verarbeitet, fügte er hinzu. „Der Rest taugt eigentlich nur als Brennholz“, sagte Erhard Bohm. Er ist übrigens ein „alter Hase“ in seinem Fach und konnte gerade mit seinen Mitarbeitern das 25-jährige Firmenbestehen feiern.


„Wir sind interessiert an brauchbaren Nadelholzstämmen, aus denen sich Sägeholz (Kanthölzer, Balken, Bretter) herstellen lässt“, sagten die Geschäftsführer der Robeta Holz GmbH Milmersdorf, Edgar Rockel und Ingo Tabbert auf Nachfrage. Konkret sei das also Langholz oder drei bis fünf Meter lange Stammstücke. „Wir sind bereits in Gesprächen mit Förstern und Lieferanten aus der Region“, sagte Edgar Rockel. Die Robeta-Chefs stellten fest, „dass die Kapazitäten der Holzindustrie ausreichen, um das verwertbare zusätzliche ‚Sturmholz‘ problemlos aufzuarbeiten. „Und auch an den Preisen wird sich trotz des zusätzlichen Rohholzangebotes nach dem Sturm nichts ändern“, schätzten Edgar Rockel und Ingo Tabbert ein.

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