Sorge um den Festtagsbraten?

22.12.2016

© Wolfgang Herklotz

Nur eine Frage der Zeit war für Landwirt Andreas Schulz die Einführung der Stallpflicht. Davor waren seine Gänse und Enten täglich auf Weidegang

Bis Ende November lief alles wie gehabt. Frühmorgens öffnete Andreas Schulz die Stallklappe, um das Federvieh ins Freie zu lassen. Schnatternd machte sich die Gänse- und Entenschar auf den Weidegang über das umliegende Grünland. Zudem lockte  noch jede Menge Verwertbares auf den Feldern, von denen im Sommer und Spätsommer Getreide sowie Mais geerntet worden war. Am Abend ging es dann im Gänsemarsch wieder retour, um vor Zugriffen von Reineke Fuchs sicher zu sein.


Doch nun ist der Stall am Rande von Brück auch tagsüber ein Refugium, quasi amtlich verordnet. Nachdem im Landkreis Potsdam-Mittelmark und weiteren Stellen Wildvögel mit dem Vogelgrippe­erreger H5N8 gefunden worden waren, wurde landesweit die Stallpflicht verfügt. Die Seuche ist für Menschen nicht bedrohlich, wohl aber für das Geflügel. Deshalb erwies sich die rigorose Schutzmaßnahme als unumgänglich. Für Andreas Schulz von der Schulz & Peper KG kam der Erlass nicht überraschend.  „Es war nur eine Frage der Zeit. Ich habe mir aber gesagt: Jeder Tag zählt, an dem die Tiere ihren natürlichen Auslauf haben.“


Andere Geflügelhalter im Land, die nicht über die nötige Stallkapazität verfügen, hat es sicherlich härter getroffen. Sie mussten das Federvieh vorzeitig schlachten, was die Vermarktung schwieriger macht. Viele Verbraucher bevorzugen frisch Geschlachtetes kurz vor dem Fest, das Einlagern in der Tiefkühltruhe – sofern überhaupt vorhanden – ist da nur zweite Wahl. Doch die Stallpflicht hat Konsequenzen auch für den Landwirt aus Brück. Er muss kräftig zufüttern. Fünf- bis sechsmal am Tag   legt er den Tieren Heu, aber auch Getreide vor, ergänzt durch ein spezielles Starterfutter.  „Das war so natürlich nicht geplant“, meint Andreas Schulz. Zwar baut der auf rund 470 ha wirtschaftende Betrieb Getreide und Mais an, die jedoch vor allem dazu dienen, die rund 130 Milchkühe zu versorgen. Flächen für den Ackerbau stehen nur bedingt zur Verfügung, da  es sich bei mehr als der Hälfte des Bodens  um extensiv bewirtschaftetes Grünland handelt. Dessen Nutzung spielt eine wichtige Rolle im Konzept des  1991 gegründeten Betriebes, wenngleich die Idee  erst Jahre später geboren wurde, Federvieh für den Martinstag und das Weihnachtsfest zu produzieren.

 

Ein Teil der Kundschaft holt sich die ein bis zwei Tage vor dem Fest geschlachteten Tiere im Hofladen in der Chausseestr. 2 in Brück selbst ab. Bis dahin haben Andreas Schulz und seine Helfer noch einen Riesenberg Arbeit vor sich. Hat man nach all der Plackerei überhaupt noch Appetit auf einen Geflügelbraten?  Aber ja doch, meint der Landwirt. „Am zweiten Weihnachtsfeiertag kommt bei uns traditionell ein Erpel auf den Tisch, bei niedriger Temperatur, dafür langer Garzeit im Herd schonend zubereitet.“   Allerdings wird die Flugente mit ihrem dunklen, mageren Fleisch reichlich mit Honig bestrichen. „Ich mag es eben gern knusprig.“

 

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in unserem Heft (Doppelausgabe, Nordausgabe) 51+52 auf den Seiten 6 und 7 (Brandenburg).

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr