Seuche rückt immer näher

25.01.2018

© Sabine Rübensaat

Zur Strecke gebracht wurden im Jagdjahr 2016/17 landesweit rund 76.500 Wildschweine. Über die Höhe des tatsächlichen Bestands gibt es keine verlässlichen Zahlen.

Sie ist eine hoch ansteckende Seuche, bei der Tiere an inneren Blutungen sterben: die Afrikanische Schweinepest. Ursprünglich war sie nur in den Ländern südlich der Sahara verbreitet, seit 2014 tritt sie verstärkt in den baltischen Staaten, in der Ukraine, Russland und Weissrussland sowie Polen auf. Nachdem Fälle jüngst auch in Tschechien aufgetreten sind, besteht die akute Gefahr einer Einschleppung nach Deutschland. Die Seuche ist für den Menschen ungefährlich, allerdings gilt dieser als Hauptüberträger. Eine Einschleppung hat verheerende Folgen für Nutztierbestände. Sobald ein Schweinestall befallen ist, müssen alle Tiere getötet werden. Ein positiver Befund wiederum würde zu einem Exportverbot von Schweinefleisch in Länder außerhalb der EU führen.


Da es keinen Impfstoff gibt, um der gefährlichen Tierseuche vorzubeugen, kommt es auf eine deutliche Reduzierung der Schwarzwildbestände an. Das
Agrar- und Umweltministerium hatte bereits im vergangenen Jahr eine Abschussprämie für Wildschweine mit einigen Landkreisen in Ostbrandenburg vereinbart. Diese zielte vor allem darauf ab, die Deiche vor Wühlschäden zu schützen. Pro erlegtem Wildschwein wurden 20 Euro gezahlt. Nun soll ab dem 1. April eine Prämie von 50 Euro für jedes Stück Schwarzwild gezahlt werden, das über den Streckenwerten des  Jagdjahres 2015/2016 liegt. Grundlage dafür ist eine Vereinbarung des Agrarministeriums mit den jeweiligen Landkreisen und kreisfreien Städten.


Laut Verbraucherschutzministerium kommt es darauf an, möglichst früh eine Infektion zu erkennen. „Bereits seit mehreren Jahren werden Vorkehrungen getroffen, um eine Einschleppung zu vermeiden und gegebenenfalls die Afrikanische Schweinepest frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen“, sagte Minister Stefan Ludwig. Als Beispiel führte er ein sogenanntes Monitoring-Programm an, das schon 2014 eingeführt wurde. Die Jäger erhielten entsprechende Sets zur Probennahme. Seit diesem Jahr wird zusätzlich eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 30 € an Jäger gezahlt. Zugleich werden Ausrüstungen angeschafft, darunter Kühlcontainer. Dort können Kadaver solange aufbewahrt werden, bis eine Laboruntersuchung einen möglichen Seuchenfall festgestellt hat. „Es ist unser Anliegen, die negativen Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Schweinehaltung so gering wie möglich zu halten“, so Ludwig.  


Für den Landesbauernverband hat der Schutz der Tiere wie der Betriebe oberste Priorität. Am Vorgehen der Landesregierung habe er jedoch Zweifel, betonte Präsident Henrik Wendorff.  „Bereits bei der Gefahrenabwehr muss einer den Hut aufhaben und nicht erst dann, wenn der Ernstfall   eingetreten ist. Wir brauchen einen Koordinator mit umfassenden Rechten, doch den haben wir leider nicht.“


Wendorff verweist darauf, dass das Thema Afrikanische Schweinepest verschiedene Bereiche der Landesregierung betrifft.  Während das Agrarministerium für Tierhaltung und Jagd zuständig ist, sind der Seuchenschutz und der Landestierarzt beim Verbraucherschutzministerium angesiedelt. Soll eine Jagd der Wildschweine mit Nachtsichtgeräten erfolgen, ist das Innenministerium zuständige Genehmigungsbehörde. Hinzu kommen die Veterinär- und Jagdbehörden der einzelnen Kreise. „Diese Vielzahl von Zuständigkeiten erschwert rasche Abstimmungen“, so Wendorff.  


Der Landesjagdverband sieht jene von der Landesregierung veranlassten Maßnahmen als durchaus hilfreich an. Wenig sinnvoll sei aber, das abgelaufene Jagdjahr als Referenzjahr heranzuziehen. „Das bedeutet, dass die Effekte erst mit Verzögerung einsetzen“, erklärt Geschäftsführer Matthias Schannwell. „Außerdem werden die Jäger jener Kreise mit bisher hohen Abschusszahlen benachteiligt.“ Einfacher und wirksamer sei die Herangehensweise in Mecklenburg-Vorpommern, wo unabhängig von den Ergebnissen des Jagdjahres eine Prämie von 25 Euro für jedes erlegte Wildschwein gezahlt werde. Als nicht zielführend bezeichnet der Geschäftsführer die Forderung, 70 % des Schwarzwildbestandes zur Strecke zu bringen.  „Wir sagen ja zur Reduzierung, aber nein zu formalen Vorgaben. Es gibt klare gesetzliche Regelungen zur Jagd, die nach wie vor gültig sind.“

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