Serie von Diebstählen setzt sich fort

24.03.2017

Bulle (Uckermärker) © Sabine Rübensaat

Die beiden Fälle liegen mittlerweile drei Jahre zurück. Diebe suchten damals die Mutterkuhherde von Züchter Volker Naschke aus Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße  heim. In den Nachtstunden waren sie auf dem abgelegenen Weideareal unweit der Neiße aufgetaucht und hatten Bullenkälber der Rasse Uckermärker  entwendet. Um die wachsamen Mutterkühe abzulenken, war ihnen Futter im Freßgang des Unterstandes vorgelegt worden. Anschließénd hatte man die Tiere mittels Freßgittern fixiert, die Kälber dann über die Absperrung gehoben und verladen. Von den Tätern gab es, von einigen  Reifenabdrücken abgesehen, keine weiteren Spuren. Das Ermittlungsverfahren blieb erfolglos und wurde nach einiger Zeit eingestellt.


Nur wenige Tage später kam es zu einem weiteren Diebstahl, diesmal im Bereich des Autobahndreiecks Spreewald. Mitgenommen wurden rund vier Dutzend Kälber   und obendrein gleich noch zwei Tränkautomaten. Auch hier gab es trotz Spurensicherung und polizeilicher Ermittlung keine Hinweise auf die Täter. Die Versicherung beglich zwar den mit 35 000 Euro bezifferten Schaden. Doch die Sorge bei den betroffenen Landwirten blieb, dass die professionellen Langfinger wiederkommen. Was leider auch geschah. Volker Naschke wurde weitere zwei Male bestohlen, neue Übergriffe auf das bäuerliche Eigentum   kamen hinzu. Sie erfolgten zumeist in Grenzregionen, aber auch in der Nähe von Autobahnen. Zu den Betroffenen in jüngster Zeit gehört die Agrargenossenschaft Neuzelle. Sie verlor vier wertvolle Zuchtbullen im Wert von mindestens 20 000 €, von den Tätern gibt es bis heute keine Spur. Das sorgt hier wie in anderen Regionen des Landes für reichlich Verdruss.


Viehdieben soll deshalb das Leben künftig schwerer gemacht werden. Das verkündete Ministerpräsident Dietmar Woidke auf einem Treffen des Kreisbauernverbandes Spree-Neiße am 10. März  in Heinersbrück. Woidke sagte, dass Brandenburgs Polizei und Staatsanwälte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Diebe verfolgen sollen, die unter anderem seit Jahresbeginn 2017 rund 130 Tiere aus Ställen und von Weiden gestohlen und wahrscheinlich ins osteuropäische Ausland gebracht haben. Der Schaden bei den betroffenen Betrieben liegt schon im sechsstelligen Bereich (siehe dazu auch der Kommentar in Heft 12/2017 auf der Seite 3).


Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger sicherte den Bauern ebenfalls Unterstützung zu: Wenn organisierte Banden wertvolle Zuchttiere entwendeten, müsste diese auch organisiert bekämpft werden. In Kürze soll es deswegen ein Treffen des Landesbauernverbandes mit der Landesregierung geben, um über gemeinsame Strategien zu beraten.

 

Erhoffter Aufschluss über Strukturen


„Wir freuen uns natürlich, dass unsere Sorgen Gehör finden“, sagte Brandenburgs Bauernpräsident Henrik Wendorff als Reaktion auf die Initiative der Landesregierung. „Umso mehr, da uns natürlich bewusst ist, dass Viehdiebstahl im gesamten Kriminalitätsgeschehen nur einen geringen Teil ausmacht. Allerdings kann für den betroffenen Bauern jeder Diebstahl seiner Tiere existenzbedrohend sein.“


Beim Landeskriminalamt wurde in diesem Monat eine spezielle  Ermittlungsgruppe gebildet, die den Namen „Koppel“ trägt. Sie soll die Untersuchungen koordinieren, auch über Ländergrenzen hinweg. Denn Viehdiebstähle häufen sich  ebenso in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen. Von den gemeinsamen Ermittlungen erhofft man sich Aufschluss über Organisationsstrukturen. Die Polizeidirektion Süd arbeitet überdies eng mit den polnischen Kollegen zusammen.

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