Schweinehaltung: Quälerei als gängige Praxis?

07.08.2014

© Sabine Rübensaat

Das Thema Ferkeltötung beherrscht weiter die Schlagzeilen.

Das Thema Ferkeltötung beherrscht weiter die Schlagzeilen. Nach der ARD-Dokumentation „Gequält, totgeschlagen und weggeworfen“ am 14. Juli veröffentlichte jetzt die Tierschutzorganisation „Animal Rights Watch“ (ariwa) auf ihrer Internetseite weitere Bilder, die nach eigenen Angaben mit versteckter Kamera in Schweinezuchtbetrieben Sachsens, Sachsen-Anhalts und Mecklenburg-Vorpommerns, aber auch Brandenburgs aufgenommen wurden. Auf den Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Ferkel auf die Boxenwände oder den Betonboden geschlagen werden, bis sie tot sind. Nach Ansicht der Tierschützer sei das „gängige Praxis in Deutschland“ und Beweis für den brutalen Umgang mit Ferkeln und Sauen in den „Zuchtfabriken“.

Schwere Vorwürfe erheben sie auch an zwei Betriebe aus der Prignitz, die Ferkelgut Pinnow GmbH bei Karstädt und die Prignitzer Landschwein GmbH in Neustadt bei Pritzwalk. Allerdings können den Betrieben die geschilderten Aufnahmen nicht eindeutig zugeordnet werden. Zu sehen ist lediglich ein Tierpfleger, der ein Ferkel in einen Behälter zu anderen toten Tieren wirft.  

In die Sauenanlage eingebrochen

Ralf Remmert, Geschäftsführer der Prignitzer Landschwein GmbH, weist den Vorwurf zurück, dass in seinem Unternehmen Ferkel gequält werden. „Wir halten uns an die gesetzlichen Regelungen.“ Laut Tierschutzgesetz können kranke, nicht überlebensfähige Tiere nur getötet werden, wenn sie vorher mit einem Schlag auf den Kopf betäubt wurden und dann ein Entbluteschnitt erfolgte. Haben die Ferkel ein Gewicht von weniger als fünf Kilogramm, sind dafür Tierpfleger des Betriebes zuständig, liegt das Gewicht aber darüber, steht der zuständige Veterinär in der Verantwortung. Geschäftsführer Remmert bestätigt, dass in die seuchenhygienisch gesicherte Sauenanlage eingebrochen wurde, um Aufnahmen zu machen. Ein Eigentumsdelikt, das angesichts der immer weiter vorrückenden Afrikanischen Schweinepest umso schwerer wiegt.  

Die in der Neustädter Anlage gemachten Aufnahmen zeigen laut ariwa alte Kastenstände, in denen die Sauen regelrecht eingeklemmt seien.  Laut Remmert hat der Betrieb längst auf Gruppenhaltung  der 1 300 Sauen umgestellt und verwendet die alten Stände, die noch Bestandsschutz genießen, lediglich für die Besamung. „Wir werden Schritt für Schritt auch diese ersetzen“, versichert der Geschäftsführer. Weitere Konsequenzen für sein Unternehmen, zu dem neben der Zucht und Mast auch die Direktvermarktung von Fleisch und Wurstwaren gehört und rund 90 Mitarbeiter beschäftigt, sehe er gegenwärtig nicht.

Gelassen reagierte auch Detlef Schlichting, Vorstandsmitglied der Vermarktungsgemeinschaft für Nutz- und Zuchtvieh (ZNVG), zu der die Ferkelgut Pinnow GmbH gehört. „Ich habe mir die Bilder angeschaut, kann daran aber nichts Tierschutzwidriges für unseren Betrieb erkennen.“ Pinnow sei QS-zertifiziert und könne auf 30 abgesetzte Ferkel je Sau und Jahr verweisen.  Der Zuchtfortschritt diene jedoch nicht dazu, Tiere zu quälen und die schwächsten zu selektieren, wie von den Tierschützern unterstellt werde. „Die Gewinnmargen in der Schweinehaltung sind so gering, dass wir ein ­großes Interesse an jedem aufgezogenen Ferkel haben.“ Schlichting verweist darauf, dass in Pinnow und in anderen Betrieben der Vermarktungsgemeinschaft das Prinzip des Wurfausgleichs praktiziert wird. Hat eine Sau mehr Ferkel als Zitzen, kommen Ammensauen zum Einsatz. Zudem werden schwächere Ferkel umgesetzt, um sie besser versorgen zu können. Dennoch sei unvermeidlich, dass Tiere zu Tode kommen, erklärt Schlichting.

Polemik hilft nicht weiter

Für einen sachlichen Umgang mit den Fakten plädiert auch Renate Schuster, Geschäftsführerin des Hybridschweinezuchtverbandes Nord/Ost e.V. „Wir müssen uns dem Thema ohne jede Polemik stellen, auch wenn die beiden Betriebe aus der Prignitz nicht unserem Verband angehören.“ Laut statistischer Auswertungen gibt es in jedem Wurf 0,7 bis 1,0 totgeborenes Ferkel und ein lebensunfähiges Ferkel, das im Laufe der ersten drei Lebenstage trotz aller Bemühungen verendet. Zu etwa jedem fünften Wurf gehöre auch ein Ferkel mit angeborener Anomalie. Das Tierschutzgesetz schreibe zwar vor, wie damit umzugehen sei, damit die Vierbeiner keine Schmerzen erleiden. „Wenn es aber Missstände gibt, müssen diese aufgedeckt werden. Die Behauptung, dass der brutale Umgang mit Sauen und Ferkeln gängige Praxis in Deutschland sei, halte ich aber für ungeheuerlich.“

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Ob es in den beiden Prignitzer Betrieben zu Gesetzesverstößen gekommen ist, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber nicht ausschließen. Denn die zuständige Amtstierärztin des Landkreises, Dr. Sabine Kramer, teilte auf Nachfrage der BauernZeitung mit, dass in der vergangenen Woche ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. „Wir haben weitere Informationen über den Umgang mit Ferkeln und Sauen in der Ferkelgut Pinnow GmbH und der Prignitzer Landschwein GmbH erhalten, die wir jetzt prüfen. Deshalb bitte ich um Verständnis, dass ich mich dazu aktuell nicht äußern kann.“

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