Schützen, aber nicht angreifen

20.11.2013

Teilnehmer des Schaftages in einem Saal

Thema Herdenschutz

Aufmerksam verfolgten die Teilnehmer des Schaftages die Berichte, die Erfahrungen beim Umgang mit Herdenschutzhunden vermittelten. © Wolfgang Herklotz

Wie kann ich meine Herde wirksam schützen? Diese Frage beschäftigt vor allem die Halter von Schafen, nachdem es in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Übergriffen durch den Wolf kam. Jene können zwar abgewehrt  werden, wenn speziell ausgebildete Hunde zum Einsatz kommen und ein funktionstüchtiger Elektrozaun installiert wird. Mit Erfolg praktiziert dies inzwischen schon ein gutes Dutzend Schäfereien zwischen Prignitz und Lausitz. Aber was ist alles zu beachten, wenn Herdenschutzhunde richtig integriert werden sollen? Wie hoch ist der Aufwand?

Antwort auf diese Fragen gab der Groß Kreutzer Schaftag am 6. November, zu dem das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung gemeinsam mit dem Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg eingeladen hatte. Bis auf den letzten Platz gefüllt war der große Beratungsraum, denn das Thema bewegt Schafhalter hierzulande wie kaum ein anderes. Auch aus Sachsen-Anhalt sowie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen waren Berufskollegen gekommen, um sich zu informieren.

 

Die ersten Wochen sind entscheidend

Erfahrungen bei der Ausbildung von Herdenschutzhunden vermittelte Verbandsvorsitzender Knut Kucznik, der gleichzeitig der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde vorsteht. Der vor zwei Jahren in Borgsdorf gegründete, eingetragene Verein engagiert sich dafür, dass geeignete Tiere zur Verfügung stehen.  Für deren Ausbildung sind die ersten Lebenswochen ganz entscheidend, so Kucznik. „Die Welpen müssen von Anfang an in die Herde integriert werden, damit  sie wissen, wo sie hingehören.“ Genauso wichtig sei der enge Kontakt zum Schäfer und seiner Familie, um die Vierbeiner zu sozialisieren. Denn sonst besteht die Gefahr, dass  eines Tages Fußgänger oder Jogger attackiert werden, die sich den Tieren nähern. 

Für den Zeitraum von der 8. bis 14. Lebenswoche, in dem die Welpen von der Mutter abgesetzt werden, empfiehlt Kucznik, dem Jungtier einen erfahrenen Hund zur Seite zu stellen. Dieser soll gewissermaßen  als „Mentor“ fungieren, um das richtige Verhalten beim Umgang mit der Herde mitzuentwickeln. Unerwünscht sind Übersprunghandlungen, das Mobben und Treiben der Schafe, aber auch Kläffen und Wollerupfen. „Die Hunde müssen schützen, dürfen aber nicht angreifen. Sie müssen sich letztendlich als Teil der Herde verstehen und vor diese stellen, wenn sich Menschen oder Tiere nähern“, so Kucznik.

Die Arbeitsgemeinschaft, der aktuell 15 Mitglieder aus mehreren Bundesländern sowie sechs Fördermitglieder angehören, sorgt für die züchterische Betreuung. Sie hat einen eigenen Zuchtwart und verfügt über 66 Herdenschutzhunde. Den Hauptanteil davon stellen Pyrenäenberghunde.  

 

Vor allem auf Ruhe achten

In der Diskussion ging es um spezielle Fragen von Zucht,  Haltung und Haftung, aber auch um das  Gefährdungspotenzial der einzelnen Rassen. Dazu können derzeit noch keine verbindlichen Aussagen getroffen werden, betonte Kucznik. „Mit den Pyrenäenberghunden haben wir bislang gute Erfahrungen gemacht.“ Aufgrund ihres hellen Fells passen sie auch optisch gut zu den Schafen.

Während für einen Welpen rund 1.000 Euro zu zahlen sind, liegt der Preis für einen erwachsenen Herdenschutzhund bei mindestens 2.500 Euro. Insgesamt sind in einem Zeitraum von zwölf bis 18 Monaten gut 9.500 Euro zu investieren.„Pro Herde sollten zwei Schutzhunde zum Einsatz kommen.“ Darauf verwies Olaf van der Geest von der niederländischen Universität Wageningen, der Ergebnisse seiner Bachelorarbeit vorstellte. Er vermittelte wichtige Hinweise für jene Schafhalter, die sich einen ausgebildeten Herdenschutzhund anschaffen wollen. „Für die Eingewöhnung sollte man sich mindestens eine Woche Zeit nehmen. Der neue Besitzer muss den Hund selbst füttern, anfangs anleinen und genau beobachten, wie dieser auf die Herde reagiert und umgekehrt.“ Möglicherweise sollte sich anfangs der neue Herdenschutzhund innerhalb der elektrisch gesicherten Weide in einem extra eingezäunten Areal bewegen. „Vor allem aber ist darauf zu achten, dass alles in Ruhe abläuft“, so van der Geest. Er berichtete über die positiven Ergebnisse eines Experiments in Groß Kreutz, wo weder die Herdenschutzhunde und die Schafherde noch der neue Besitzer der Hunde vorher Kontakt miteinander hatten.

 

Fördern und von der Hundesteuer befreien 

Es spricht sehr vieles für den Einsatz von Herdenschutzhunden, so das Fazit der  Veranstaltung. Doch dafür braucht es  auch die Unterstützung durch die Politik, machte Knut Kucznik deutlich. „Wir denken dabei nicht nur an eine finanzielle Unterstützung für die entsprechende Schulung von Weidetierhaltern. Wir fordern auch, dass die Anschaffung des ersten Herdenschutzhundes gefördert wird und dass es eine Befreiung von der Hundesteuer gibt.“ Überdies müsste das Verwaltungsrecht angeglichen werden, was die staatliche Anerkennung als Zuchtorganisation, die Hundehaltungsverordnung sowie das Tierzucht- und Tierschutzgesetz betrifft.   

 

Engagierte Zuchtarbeit zahlt sich aus

Im Anschluss informierte Dr. Margret Roffeis vom Potsdamer Agrarministerium  über Regelungen der bis 2014 verlängerten Förderperiode und gab einen Ausblick auf die Zeit danach. Dr. Hans-Jörg Rösler aus Sachsen-Anhalt, seit September 2013 zugleich Zuchtleiter des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg, wertete das Zuchtjahr 2012/13 aus. Er bescheinigte dem Verband, eine engagierte Arbeit für die Mitgliedsbetriebe unterschiedlicher Größe zu leisten und hob die hohe Qualität der Kör- und Absatzveranstaltungen hervor. Dr. Rösler stellte die neue Zuchtbuchordnung vor, die von den  Mitgliedern des Schafzuchtverbandes einstimmig angenommen wurde. 

Umfrage: Ferkelkastration



Wie steht es um den Wissens- und Qualifikationsbedarf bezogen auf Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration?

Zur Umfrage

ANZEIGE

ANZEIGE

ANZEIGE

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr