Schradenhof in Gröden

31.07.2013

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Verzweifelt blickt Geschäftsführer Albert Ehring auf die überfluteten Flächen.

 

 

Nur auf hoch gelegenen Flächen finden die Mutterkühe noch Futter. 

Fotos: Wolfgang Herklotz

 

 

Vor wenigen Tagen weideten hier noch Mutterkühe. Jetzt stehen die Flächen zu großen Teilen unter Wasser. Der Anblick ist für Albert Ehring, Geschäftsführer der Schradenhof GmbH, schon schlimm genug. Er hat noch die dramatischen Bilder der Evakuierung Anfang vergangener Woche vor Augen. „Es war ein einziger Kraftakt, die Tiere von ihren vertrauten Plätzen wegzuholen.“ Beim Treiben wurde ein Kollege verletzt, ein wildgewordener Bulle musste betäubt werden. Nun steht ein Teil der Herde auf dem noch verbliebenen, höher gelegenen, inselartigen Grünland. Die anderen Tiere sind im Stall und ­– vorerst – in Sicherheit. Doch von der kann keine Rede sein.

Weit mehr als das Geschehen der vergangenen Tage belastet Ehring die Frage, wie es nun weitergehen soll. Denn die Futterversorgung für die 180 Mutterkühe plus Nachzucht ist nicht mehr gesichert. Die Reserven vom Vorjahr sind nahezu aufgebraucht, das Wasser kam dem ersten Grünlandschnitt zuvor. Der Betrieb muss Silage zukaufen, resümiert Ehring. „Es ist schon bitter genug, wenn im Juni solch ein Schritt fällig wird. Aber das ist noch nicht alles.“

Deshalb müssen die Grödener einen Teil der Herde verkaufen, die ersten Jungrinder gingen bereits weg. Denn es zeichnen sich schon jetzt Engpässe beim Winterfutter ab. Es sollte von den Flächen geborgen werden, wo reichlich Weidelgras und Fuchsschwanz stehen, die eine ordentliche Heuqualität sichern. Doch es handelt sich um die letzten Weideareale, die den Grödenern noch verblieben sind. Offen ist zudem, wie lange das Wasser auf den Flächen stehen wird. Die Böden sind nach der letzten Überflutung im Herbst 2010 immer noch gesättigt. Sie werden die Feuchtigkeit nicht so schnell aufnehmen. Nach zwei Wochen spätestens beginnt aber die Grasnarbe zu verfaulen. Ein Wettlauf mit der Zeit und vielen Fragezeichen.


Ausgelöst wurde die für die Grödener Landwirte außerordentlich schwierige Situation nicht allein durch die immensen Niederschläge. Knapp 200 Liter Regen pro Quadratmeter fielen in den vergangenen zweieinhalb Wochen, was fast der Hälfte des Jahresdurchschnitts entspricht. Als hausgemachtes Problem stellte sich in dieser Situation erneut der schlechte Zustand der Dämme heraus. Wasser sickerte durch und lief in die tiefer gelegenen Weideflächen. Eine Zeitlang wurde es vom überalterten Pumpwerk in Merzdorf wieder in die Pulsnitz eingeleitet. Als diese weiter anstieg und ein Überlaufen drohte, beschloss der Gewässerunterhaltungsverband, das Abpumpen einzustellen und auch die Ausgänge dichtzumachen. Binnen weniger Stunden ergossen sich die Wassermassen in die untere Pulsnitzniederung. Der Schraden, so die Bezeichnung für den Landstrich an der brandenburgisch-sächsischen Landesgrenze, lief voll wie eine Badewanne. „Wieder einmal“, kommentiert Ehring verbittert.


Seit Jahren ist bekannt, dass es in der Region großen Handlungsbedarf gibt, um das Hab und Gut der Bevölkerung, aber auch der hier wirtschaftenden Betriebe zu schützen. Es wurden Konzepte erarbeitet, so die Agrarstrukturelle Entwicklungsplanung, und die Modernisierung des Schöpfwerkes berechnet, die jedoch nicht aus eigener Kraft abgesichert werden kann. „Nichts ist bisher geschehen“, kritisiert Ehring.


Zwar hatte der Mitte der 90er Jahre gegründete und seit zwölf Jahren ökologisch wirtschaftende Schradenhof eine Entschädigung bekommen, als es im Spätherbst 2010 zu einer ähnlich verheerenden Entwicklung gekommen war. Doch die erstattete Summe stellte nur einen Bruchteil des Schadens dar. Sicherlich werde es jetzt auch wieder vollmundig heißen, dass dem Schradenhof geholfen werde, prophezeit Ehring. „Im Klartext heißt das, wir dürfen zinsgünstige Darlehen aufnehmen. Aber wozu, wenn wir nicht wissen, wie es hier weitergehen soll?“


Für den diplomierten Landwirt stellt sich vor allem die Frage, ob die Flächen seines Betriebes nicht bereits als Überflutungsland vorgesehen sind. Diese Sorge teilen auch die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden und Vertreter weiterer Agrarbetriebe, ebenso der Amtsdirektor. Aus aktuellem Anlass richteten sie eine Petition an Brandenburgs Ministerpräsidenten, in der die Herstellung eines leistungsfähigen Schöpfwerks bis zum Jahre 2014 gefordert wird. Bei steigenden Pegelständen soll dieses deutlich frühzeitiger in Betrieb genommen werden, und zwar in Abstimmung mit den Landwirtschaftsbetrieben. Außerdem muss der Hauptvorfluter im Schraden mindestens zweimal jährlich unterhalten werden. Mit Nachdruck gefordert wird auch dies: „Soweit das Abschalten des Schöpfwerks unumgänglich ist, muss sofort ein Ausgleichsfonds eingerichtet werden, aus dem die betroffenen Flächenbewirtschafter unbürokratisch ab dem Jahre 2013 entschädigt werden.“


Wie Thilo Richter, Direktor des Amtes Schradenland, dazu betonte, wollen die Südbrandenburger wissen, ob sie der Landesregierung genauso viel wert sind wie die Bewohner an Oder , Neiße und Havel. „Was soll noch passieren, dass auch das Schradenland als vom Hochwasser betroffene Region wahrgenommen wird?“ Potsdam ist gefordert, bis Ende Juni darauf zu antworten. Bislang kam kein Signal aus Potsdam. „Dafür gab es Angebote von Berufskollegen, mit Futter auszuhelfen“, berichtet Albert Ehring.


 

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