Schmerzgrenze längst erreicht

02.06.2016

© Holger Brantsch

Den Ernst der Lage machte Bauernpräsident Wendorff in der Vorwoche auch dem Fernsehsender RBB deutlich.

Die anhaltend desaströsen Milchpreise lassen den Milchbauern das Wasser bis zum Hals stehen. Aktuelle Erlöse von etwa 20 ct/kg Milch können die anfallenden Kosten, z. B. für Futter, Entlohnung und Pachten, nicht annähernd decken. „Noch nie waren die Milchpreise so schlecht, noch nie standen derart viele Betriebe kurz vor der Aufgabe ihrer Milchproduktion“, so LBV-Präsident Henrik Wendorff. In den letzten anderthalb Jahren haben mehr als 15 % der Brandenburger Milchviehbetriebe ihre Tiere abgeschafft.


Auf einem Pressegespräch vergangene Woche wurde die Erwartung ausgesprochen, dass beim Milchgipfel des Bundeslandwirtschaftsministers in Berlin von Interessensvertretern der Milchbauern, der Molkereien und des Handels endlich gemeinsame Lösungen gefunden werden. Der LBV fordert in seinem Papier schnelle und effektive finanzielle Unterstützungen zur Liquiditätssicherung der Milchviehbetriebe. Längst überfällige Mittel aus Agrarumweltprogrammen müssen sofort bereitgestellt werden. Auch eine zeitgemäße Vertragsgestaltung mit dem Ziel einer besseren Planbarkeit von Mengen und Preisen zwischen den Marktpartnern ist zwingend nötig. Den von Strukturveränderungen betroffenen Betrieben muss kostenlos eine sozioökonomische Beratung angeboten werden. Letztlich ist die Marktposition unserer Milchproduktion zu stärken und der geringen Wertschätzung für Lebensmittel, mit Niedrigstpreisen und Preisdumpings, dringend Einhalt zu gebieten.


„Die Schmerzgrenze ist erreicht, und für die nächsten Monate ist kein Ende der Krise in Sicht“, wies Henrik Wendorff noch einmal auf die Lage hin: „Das ist bitter. Es gehen fast täglich Arbeitsplätze und Wertschöpfung unwiederbringlich verloren. Daher brauchen wir schnelle und echte Hilfen für unsere Bauern vor Ort“!

 

Marktposition stärken:
Zu den weiteren Forderungen gehören Maßnahmen, um die Marktposition der Landwirtschaft zu verbessern. Exportkredite und Bürgschaften sind ebenso nötig wie eine bessere Förderung der regionalen Vermarktung. Als Sicherungsmaßnahme für die Zukunft wird die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage bezeichnet.

 

Zahlen und Fakten:
Mindereinnahmen von zehn Millionen Euro
■ In der Zeit von 2000 bis 2015 haben jährlich 3,7 % der Betriebe in Brandenburg die Milchviehhaltung aufgegeben. Von 2015 bis heute sind es 15 % der Betriebe.

■ Während im April 2015 im Land 470 Milchviehbetriebe registriert wurden, waren es im April 2016 nur noch 420.

■ Die Anzahl der Milchkühe in Milchleistungsprüfung ging von 154 000 im April 2015 auf 147 000 im April 2016 zurück

■ Die Milchanlieferung im
1. Quartal 2016 ging zum Vorjahr um 1 850 Tonnen zurück, was einem Minus von 0,55 % entspricht.
   

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