Schlag ins Kontor

21.03.2018

© Sabine Rübensaat

Dass es kräftig knirscht im Getriebe hatte sich schon vorher angedeutet. Die Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft (B.M.G.) zahlte bereits  in den vergangenen Monaten nur noch stockend. Pro Kilogramm Milch erhielten die mehr als 1.000 Lieferanten deutschland- und euopaweit rund ein Drittel weniger als bisher üblich. Davon betroffen waren auch rund 80 Milcherzeuger aus Brandenburg.


Am 9. März hat der Berliner Großhändler, wie wir bereits in der Bauernzeitung Ausgabe 11 berichteten, Insolvenz angemeldet. Für die Milchviehhalter, die Geschäftsbeziehungen zur B.M.G. unterhielten, ist der Schaden immens. Allein für die märkischen Landwirte belaufen sich nach Angaben des Landesbauernverbandes die Forderungen auf mehrere  Millionen Euro. Zu den ausstehenden Zahlungen kommt noch das Problem der eingestellten Milchabnahme. Die Kühe müssen täglich weiter gemolken werden, doch die Lagerkapazitäten für Milch sind in den Betrieben begrenzt. In einer ersten Einschätzung hatte der Landesbauernverband befürchtet, dass Betriebe ihre Milch entsorgen müssen.


„Die Bauern wurden von dieser Information überrascht und hatten kaum Gelegenheit, sich rechtzeitig um einen anderen Abnehmer zu kümmern“, erklärt LBV-Präsident Henrik Wendorff.  „Was mich besonders ärgert, ist die Kommunikation der B.M.G. mit ihren Mitgliedern. Diese wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Das ist eine große Sauerei. Ein fairer Umgang unter Geschäftspartnern sieht anders aus“, so Wendorff.   


In einem Brief an ihre Geschäftspartner hatte die B.M.G., zwar versichert, dass die bisher gelieferten Milchmengen wie gehabt abgerechnet werden sollen. Die Auszahlung von Ansprüchen nach dem Tag der Insolvenz sei jedoch noch offen. „Der Landesbauernverband  Brandenburg steht betroffenen Landwirten als Ansprechpartner zur Verfügung“,  teilte die berufsständische Interessenvertretung mit.


Insgesamt geht es um 900.000 t Milch, für die kurzfristig neuer Absatz gesichert werden muss. Zumindest für einen Teil davon konnten nach Information des Deutschen Bauernverbandes neue Abnehmer gefunden werden.   
Auf dem Berliner Milchforum am vergangenen Wochenende hatte die neue Bundesagrarministerin Julia Klöckner Überlegungen zurückgewiesen, wonach der Staat Unterstützung leisten sollte.  „Die Branche muss alle Kräfte mobilisieren, um die gesamte Milch der Lieferanten abzuholen“, sagte sie (siehe auch Bauernzeitung Heft 12/2018, Seite 3).


Der Bauernbund Brandenburg sieht die Insolvenz der traditionsreichen Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft B.M.G. als Ausdruck von Marktversagen. „Sicher stecken auch betriebswirtschaftliche Fehler dahinter, aber letzten Endes ist die BMG gescheitert am unseligen Zusammenwirken von staatlicher Marktintervention und monopolartigen Strukturen in der Molkereiwirtschaft“, sagte Bauernbund-Vorstand Hans-Jürgen Paulsen. Dass der Staat seit Dezember vergangenen Jahres Magermilchpulver für zwei Drittel des Ankaufpreises auf den Markt werfe, habe das Unternehmen erst ins Schlingern gebracht, so der 53-jährige Landwirt aus Zollchow in der Uckermark, der selbst Milch an den Berliner Großhändler  geliefert hat: „Bei einem solchen Preisdumping hat ein freier Milchhändler keine Chance.“  Dies würden die großen Genossenschaftsmolkereien, die die Milch ihrer Mitglieder sicher haben und noch dazu den Preis beliebig drücken können, gnadenlos ausnutzen, ist sich der uckermärkische Milchbauer sicher.


Der Bauernbund fordert von der neuen Bundesregierung deshalb ein Ende der Marktintervention und eine Verordnung über Mindeststandards für Milchlieferverträge. Paulsen: „Erst wenn im Vertrag Menge und Preis drinstehen müssen, wird ein echter Wettbewerb um die Milch entstehen, und wir Landwirte können gleichberechtigt am Markt teilnehmen.“

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