Schafhalter fordern Weidetierprämie

20.04.2018

© Wolfgang Herklotz

Vor dem Landtag übergab Schäfermeister Knut Kucznik (r.) die Petition an den Vorsitzenden des Agrarausschusses und AfD-Abgeordneten Sven Schröder (l.) Dieser kündigte an, dass seine Fraktion einen Antrag auf Einführung der Weidetierprämie einbringen wird.

Am Donnerstag vergangener Woche gab es deutschlandweit Aktionen der Schäfer vor den Landtagen. Sie waren mit zwei weiteren Berufskollegen aus Brandenburg in Potsdam, um die Petition zur Rettung der Schäferei zu übergeben. Warum nur im kleinen Kreis?


■ Die entscheidende Zahl ist doch, dass unsere Petition bisher 120.000 Menschen unterschrieben haben und damit die Forderung nach einer Weidetierprämie unterstützen. Dem ging ja im März schon eine große Demo vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin voraus, an der Schäfer aus ganz Deutschland teilnahmen. Diesem Schulterschluss folgten nun die gezielten Aktionen in allen Flächenländern.



Dabei steht Ihr Berufsstand zurzeit unter besonderem Druck, oder?


■ Sie meinen die aktuelle Ablammperiode? Oh ja, die hält uns alle in Atem. Sie gehört zu den anstrengenden, aber auch schönen Seiten unseres Berufes. Doch wenn es darum geht, für die Existenzsicherung auf die Straße zu gehen, ist der Zeitdruck nur zweitrangig.  



Die Petition beklagt den drohenden Untergang des Berufsstandes. Ist das nicht etwas dramatisiert?


■ Nein, denn es ist schon fünf vor zwölf. Im Jahr 2016 gab es deutschlandweit keine 1.000 Haupterwerbsschäfereien mehr. Gegenüber 2010 war das ein Rückgang um 13 Prozent. Dieser Trend setzt sich unvermindert fort. Wenn der nicht gestoppt wird, gibt es schon bald ein böses Erwachen. Aber dann ist es zu spät.



Staatssekretär Aeikens vom Bundesagrarministerium gab sich in einem Interview kürzlich weniger pessimistisch, sprach von gestiegenen Preisen für Schlachtlämmer und Fördermitteln über die Erste und Zweite Säule, die zu einem gestiegenen Einkommen der hauptberuflichen Schafhalter beitragen. Was sagen Sie dazu?


■ Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Wenn man betriebsbezogen nicht nur die Einnahmen, sondern auch den Aufwand berücksichtigt, kommt man schnell zu einem anderen Schluss. Die Schäferei ist aufgrund der hohen Kosten einer naturnahen Tierhaltung einfach nicht mehr wirtschaftlich und kaum noch konkurrenzfähig. Auch eine noch so gut aufgestellte Schäferei kann bestenfalls nur 30 Prozent ihrer Einnahmen durch die Verwertung ihrer Produkte erzielen.  Eine Weidetierprämie hingegen würde unsere Leistungen für die Gesellschaft entlohnen. Und sie würde, da bin ich mir sicher, wieder zu einem Anstieg der Bestände führen.



Deutschland hat sich aber entschieden, auf gekoppelte Direktzahlungen zu verzichten. Laut Ministerium betragen heute die Direktzahlungen für beihilfefähige Flächen mehr als das Dreifache dessen, was der Sektor vor der Entkopplung an Mutterschafprämien erhalten hat.


■ Auch hier wird nicht berücksichtigt, dass dem deutlich höhere Aufwendungen gegenüberstehen, sei es  für Betriebsmittel, für Pacht oder für die Berufsgenossenschaft.  Ich kenne zudem das Argument, dass ein Zurück zur gekoppelten Prämie über eine Kürzung der Basisprämie finanziert werden müsste. Aber dann frage ich mich, warum man sich in Thüringen für die Einführung einer Schaf- und Ziegenprämie entschieden hat. Warum geht im Freistaat, was bei uns nicht gehen soll? Der Vorschlag Thüringens fand auf den Agrar- und Umweltministerkonferenzen keine Zustimmung. Auch die übrigen ostdeutschen Ressortchefs hielten sich zurück. Das ist mehr als enttäuschend. Noch dazu, wenn man  weiß, dass in den 22 anderen Mitgliedstaaten Europas jährlich rund 500 Millionen Euro an Weidetierprämien für Schafe und Ziegen gezahlt werden.



Gegner dieser Prämie weisen auch darauf hin, dass anderenfalls Mittel von Ost nach West umverteilt würden, weil dort (noch) die größeren Tierbestände existieren. Liefe das nicht auf einen Verrat ostdeutscher Interessen hinaus?


■ Wer so argumentiert, vergisst all das, was nach der Wende von West nach Ost transferiert wurde. Wenn die Situation es erfordert, muss man teilen können. Wir Schäfer tun das ohnehin, denn wir teilen unser Leben mit den Herden. Unser Stand ist nicht nur im Osten, sondern in ganz Deutschland gefährdet. Deshalb muss jetzt etwas getan werden und nicht erst vor der nächsten Förderperiode.



War die Aktion vor dem Landtag eine Kritik an der Regierung und insbesondere an Agrarminister Vogelsänger?


■ Nein, obwohl das von einigen Medien so interpretiert wurde. Im Gegenteil, wir arbeiten mit den Fachleuten dieses Ministeriums eng zusammen. Es wurde eine Menge auf den Weg gebracht. Mit der Petition wollten wir deutlich machen, dass deutschlandweit gehandelt werden muss. Wir sind ein Ast am Baum der Landwirtschaft, der gestützt werden muss. Manchmal muss man neue Wege gehen, um gehört zu werden.  



Am Rande der Peititionsübergabe kam es zu einem kleinen Zwischenfall, der sicherlich nicht geplant war.


■ Als wir im Innenhof waren, wurden wir mitsamt den Fotografen ziemlich harsch vom Platz verwiesen. Dies begründete man mit der Hausordnung und drohte sogar an, die Polizei zu rufen. Dass man so reagiert, wenn drei Schäfer mit einem Schafbock auftauchen, hätte ich nicht gedacht. Gewiss, ich hatte verpasst, vorab die Landtagsverwaltung anzurufen. Aber es handelte sich ja um keine politische Demonstration.

 

Die Fragen stellte Wolfgang Herklotz

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