Rückenwind dank Praxisluft

06.01.2014

Bildautor: © Wolfgang Herklotz

Ulrike Herbst im Lichthof der Berliner Agrarfakultät.

Hätten Sie sich noch vor ein paar Jahren vorstellen können, dass Sie sich eines Tages mit Regenwürmern beschäftigen werden?

 

Natürlich nicht. Obwohl ich mich schon frühzeitig für Tiere interessiert habe.

 

Welche Erkenntnisse haben Sie über diese Spezies gewinnen können?

 

Dass es allein in unseren Breiten mindestens drei verschiedene Arten gibt, die sich wiederum in flach- und tiefgrabende Würmer unterteilen. Und dass Landwirte bestrebt sein sollten, recht viele dieser Lebewesen im Boden zu haben. Denn diese leisten Unglaubliches …


Ich merke schon, Sie sind in Ihrem Element. Wir kommen auf das Thema noch zu sprechen. Doch vorab herzlichen Glückwunsch zur erfolgreich verteidigten Bachelorarbeit. Ist alles so gelaufen, wie Sie sich das vorgestellt hatten?


Ich denke, es war trotz aller Aufregung ganz ok. Ich hatte 20 Minuten Zeit, die Ergebnisse meiner Bachelorarbeit vorzustellen. Danach waren Fragen zu beantworten. Das Ganze dauerte etwa eine Stunde. Als ich hinterher auf die Uhr sah, war ich überrascht, wie schnell die Zeit vergangen ist.

Sie lassen sich wohl nicht so schnell aus dem  Konzept bringen?


Also  über die eine oder andere Frage habe ich mich schon gewundert, wenn sie zu verschachtelt war. Ich mag es lieber, wenn klar formuliert wird, was man will. Aber letztendlich kam mir zugute, dass ich mich mit meiner Bachelorarbeit mehr als ein Jahr  beschäftigt habe.


Wie groß war die Runde bei der Verteidigung?


Ich habe nicht gezählt, aber zwischen 15 und 20 Leute dürften wohl dabei gewesen sein. Es waren vor allem Kommilitonen gekommen, aber auch Landwirt Dieter Helm, in dessen Betrieb ich die Untersuchungen für meine Bachelorarbeit machen durfte. Dass gerade er bei der Prüfung mit dabei war, hat mich sehr beruhigt.


Wie kam eigentlich der Kontakt zum Landwirtschaftsbetrieb zustande?

 

Der Dekan unserer Fakultät, Professor Ellmer, organisiert regelmäßig Exkursionen in Praxisbetriebe. Eine davon führte im Herbst 2011 in die GbR Helm in Bückwitz. Wir bekamen interessante Einblicke in die Arbeitsabläufe dieses Unternehmens, das sich der nachhaltigen Landbewirtschaftung verschrieben hat. Das hat mich beeindruckt und den Wunsch geweckt, hier Untersuchungen für meine Bachelorarbeit anzustellen.

 

Diese beschäftigte sich mit der Bodennutzung, wie wir in Erfahrung bringen konnten. Haben Sie das Thema Ihrer Arbeit selbst wählen können?


Ja, denn ich fand von Anfang an das Thema Bodenstrukturen interessant. Welche Auswirkungen hat es, wenn ein Betrieb wie der in Bückwitz die Flächen ohne Pflug bewirtschaftet, lediglich den Grubber und die Scheibenegge einsetzt? Was bewirkt der Anbau von Zwischenfrüchten? Das wollte ich  herausfinden.  


Wie sind Sie vorgegangen?

 

Ich habe mich nach Rücksprache mit Herrn Helm auf zwei Schläge konzentriert, die sechs beziehungsweise zehn Hektar groß waren. Dort habe ich acht beziehungsweise neun Boniturpunkte festgelegt und pro Messpunkt den Durchdringungswiderstand und den Ertrag gemessen sowie jeweils zwei Bodenproben entnommen. Sinn war es, die Regenwürmer zu zählen.


Ein mühsames Geschäft, oder?

 

Das kann man wohl sagen. Die Auszählung hat gut drei Tage gedauert. Zum Glück haben mich Kommilitonen und Freunde unterstützt. Das Ergebnis war dann echt der Hammer!


Inwiefern?

 

Der kleinere Schlag  wies einen durchschnittlichen  Besatz von mehr als 100 Regenwürmern je Quadratmeter auf. Beim größeren Schlag waren es etwas weniger als 100, aber auch das stellte immer noch ein super Ergebnis dar. Und beweist, in welch vitalem Zustand die Böden der Bückwitzer Landwirte sind.


Für den Ribbecker Landwirt Peter Kaim, Praxispartner der BauernZeitung, sind die Regenwürmer die fleißigsten Mitarbeiter, die man sich denken kann …


…weil sie den Boden durchlüften und düngen. Zugleich kann dieser das Wasser besser aufnehmen. Allerdings ist es sehr wichtig, den Boden ganzjährig zu bedecken, indem Zwischenfrüchte angebaut werden. Denn die fleißigen Würmer brauchen ja auch Nahrung.


Was haben Ihre Ertragsmessungen ergeben?


Die Erträge beliefen sich bei Winterweizen auf fast 87 Dezitonnen je Hektar, bei der Wintergerste sogar auf mehr als 102 Dezitonnen pro Hektar. Die Böden mit einer Wertzahl zwischen 38 und 48 haben im Vergleich zu den typisch Brandenburger Böden zwar eine bessere Bonität. Dennoch liegen auch die ermittelten Erträge deutlich über den im Mittel erzielten Ergebnissen in der Region, machen teilweise sogar das Doppelte aus.  


Welche  Erkenntnisse haben Sie für sich gewinnen können?

 

Dass der sorgsame Umgang mit dem Boden wichtiger denn je  ist. Die Wetterextreme nehmen zu, starke Niederschläge und Phasen langer Trockenheit treten immer häufiger auf. Der Boden kann vor Erosion  geschützt werden, indem Zwischenfrüchte angebaut und Bodenorganismen gefördert werden. Zugleich  sind aber auch Pflanzen gefragt, die mit Trockenstress und anderen Extremen klarkommen. Ich finde, dass sich der Landwirt bei allem Traditionsbewusstsein auch Neuem öffnen und Experimentierfreude zeigen muss, so wie das in Bückwitz der Fall ist.


Wie geht es bei Ihnen weiter?

 

Seit Oktober bin ich im Masterstudium, das ich nach vier Semestern abschließen will. Ich beschäftige mich mit dem Prozess- und Qualitätsmanagement, bewerbe mich  zurzeit für Praktika. Ich hoffe, dass ich dadurch auf ein spannendes Thema für meine Masterarbeit stoße. Mich interessiert beispielsweise der integrierte Pflanzenschutz, aber noch so vieles, vieles mehr.


Nämlich?

 

Ich arbeite gerade an einem Projekt der Humboldt-Uni mit, das sich mit der Hochweide in Kirgistan beschäftigt. Ich hatte schon zweimal die Möglichkeit, mir ein Bild von der Landwirtschaft dort zu verschaffen.  Aber das ist schon wieder ein Kapitel für sich.


Die Fragen stellte Wolfgang Herklotz

Auf einen Blick
Name: Ulrike Herbst
Alter: 27
Interessen: Reisen und Sport
Ausbildung: Abitur, abgeschlossene Ausbildung als Tierarzthelferin, B. Sc. Agrarwissenschaften und seit Oktober 2013 M. Sc. Prozess- und Qualitätsmanagement (Humbold-Universität zu Berlin)
Praxiserfahrung: Praktikum Pferdebesamungsstation (in Schottland), Tierarzthelferin in Kleintierpraxis, Studentische Hilfskraft beim Projekt UPAGES – KYR
Wohnort: Jeber-Bergfrieden (Sachsen-Anhalt).

 

 

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