Rückblick auf extremes Jahr

16.11.2017

© Fotos: Manfred Drössler, Michel Mackel

Im Gespräch: Lars Schmidt, Christina Stettin, Carolin Schilde, Torsten Uhe und Lothar Pawlowski (v. l.). Bild unten rechts: Von der Löcknitz überflutetes Weideland.

Aprilfröste bis minus sechs Grad Celsius, nur drei Sommertage mit 30 Grad, 130 Liter Regen pro Quadratmeter am 29./30. Juni, am 25./26. Juli nochmals 75 Liter, über 810 Liter bis Anfang November, Sturm Xavier, der Maisschläge flach legte - „das Jahr 2017 mit seinen Witterungsextremen wird uns in Erinnerung bleiben“, resümierte Lothar Pawlowski auf dem Kreisbauerntag 2017 in Karstädt/Prignitz. „Die Folge ­waren nicht befahrbare Acker- und Grünlandflächen, Lager­getreide, Durchwuchs, verminderte Drusch­qualitäten mit hohen Trocknungskosten, mäßige Erträge und Preise, ewig nasses Stroh – die Ernte musste buchstäblich vom Feld gestohlen werden“, erklärte der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Prignitz. Nachfolgende Arbeiten gerieten in Verzug, sodass Anbaupläne und Fruchtfolgen überarbeitet und verändert werden mussten.

 

Raps enttäuschte


Erstaunlich gute Erträge brachte die Wintergerste, die nachfolgenden Getreidearten nicht mehr. Von der feuchten Witterung profitierten Kartoffeln, Mais und Rüben. Abermals eine Enttäuschung nach zwei schwachen Vorjahren war der Raps. Hoffnungen auf einen Ertrag von vier Tonnen je Hektar  erfüllten sich nicht. Als Ursache nannte Pawlowski nicht nur das kalte Frühjahr, sondern auch den hohen Schädlingsbefall durch das Verbot der neonicotinoiden Beize. „Hoffnung bringt Importware aus Polen, die mit ­Lumiposa-Beize versehen ist. Das Saatgut ist zwar teurer und muss durch Drilltechnik mit Absaug­einrichtung ausgebracht werden, doch zeigt sich auf den bestellten Flächen bereits jetzt ein ge­ringerer Befall durch Erdfloh und ­Kohlfliege. Allerdings reduzierte sich die Aussaat für 2018, einige ­Betriebe stellten den Rapsanbau gänzlich ein“, erläuterte der Karstädter Landwirt.


Im Bericht sprach der Kreisbauernchef auch heiß diskutierte Themen an wie die neue Düngeverordnung, „die eine ausreichende Nährstoffversorgung der Feldbestände einschränkt“. Zugleich ging es um  Pflanzenschutz, Artenvielfalt und Naturschutz, aber auch Trinkwasser, Schweineproduktion oder den Wolf.  „Ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müssten Brandenburger Bauern, um dieselbe Menge an Kartoffeln und Getreide zu ernten wie bisher, ihre Anbauflächen um 50 % erweitern, was nicht möglich ist. Ganz zu schweigen von einem Mehraufwand an Bodenbearbeitung, höherem Dieselverbrauch, mehr Humuszehrung und Wasserverbrauch.“ Als Landwirt habe man ein sehr großes Interesse  an sauberer Luft, gesunden Lebensmitteln und übernehme Verantwortung für den Boden, „weil wir davon leben“. Das gelte ebenso für Tierwohl und Tierschutzplan, doch müsse den Landwirten die Möglichkeit gegeben werden, diese Veränderungen selbst zu gestalten und nicht vorschreiben zu lassen. Auch fehlten bislang konkrete Informationen, wie weiter mit strittigen Fragen zum neuerlichen Pflege- und Entwicklungsplan (PEP), ergänzend zur FFH-Managementplanung, umgegangen werde.


Da wirtschaftliche Nachteile bis hin zur Existenzgefährdung befürchtet werden, hätten sich Landbewirtschafter und Eigentümer von ca. 20 000 Hektar Fläche anwaltliche Vertretung aus Neustadt-Glewe geholt – ein Novum in Brandenburg, so Pawlowski.


In den Fokus rückte der Verbandschef auf dem Kreisbauerntag auch die Nachwuchssicherung. „Wir stellen jetzt schon fest, dass nicht mehr alle Ausbildungsplätze in der Landwirtschaft, insbesondere zum Tierwirt, perspektivisch zu besetzen sein werden. Pawlowski: „Wir kommen daher um eine weitere Automatisierung, bei der die Digitalisierung eine wesentliche Rolle spielt, nicht herum. Sie wird die Lebens- und ­Arbeitswelt revolutionieren – auf dem Feld und im Stall.“

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr