Rinderzuchtverband

19.04.2017

© Wolfgang Herklotz

Persönliche Worte fand Helmut Baum (M.) für den langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Detlef Schulze (l.) Rechts Enrico Krüger.

Ein extrem schwieriges Jahr liegt hinter Brandenburgs Rinderhaltern. Milcherzeugerpreise von zum Teil unter 20 ct/l haben zu einem wirtschaftlichen Desaster in vielen Betrieben geführt. Viele von ihnen stellten die Milchleistungsprüfung ein, mehr als 12 000 Kühe sind weitgehend aus dem Land verschwunden. Der in den letzten Jahren wieder etwas aufgestockte  Bestand an Milchkühen beläuft sich nun auf einen historischen Tiefstand von gegenwärtig 138 748 milchleistungsgeprüften Kühen. „Es herrscht trügerische Ruhe, vor allem aber eine große Rat­losigkeit. Die Molkereien sind ­einfallslos, die Politik ist machtlos und der Lebensmitteleinzelhandel weiter schonungslos.“ Dies betonte Helmut Baum, Vorstandsvorsitzender des Rinderzuchtverbandes Berlin-Brandenburg eG, auf der Generalversammlung am 12. April in der Heimvolkshochschule am Seddiner See.

 

Von der Zusammenkunft der Rinderzüchter ging ein dringlicher Appell an die Landesregierung in Potsdam, Investitionsvorhaben der Rinderhalter bestmöglich zu unterstützen, Prämienmittel termintreu auszuzahlen sowie bürokratische Hürden und überzogene Reglementierungen abzubauen. „Bekennen Sie sich weiterhin zur Nutztierhaltung. Helfen Sie uns, den Bestandsabbau bei den Milchkühen zu stoppen!“


Helmut Baum konnte auf  Spitzenbullen des RBB/NOG-Zuchtprogramms verweisen, die zu den besten in Deutschland zählen. Den Mitgliedern und Kunden stehe ein hochkarätiges, im Preis-Leistungs-Verhältnis nahezu unschlagbares Spermaangebot zur Verfügung. Mit dem bekannten Fitnessindex RZFit und den neuen Gesundheitszuchtwerten für Klauen, Mastitis und Kalbungen werden zusätzliche Selektionshilfen bereitgestellt, um die Gesundheit und Robustheit der Kühe züchterisch zu verbessern. Dennoch musste Baum einräumen, dass es im vergangenen Jahr erstmals einen leichten Rückgang in der Lebensleistung und Nutzungsdauer gab. „Bei finanziellen Verlusten in der Milchproduktion mussten wirtschaftliche Entscheidungen eben Vorrang vor züchterisch geprägter Selektion haben!“


Der Vorstandsvorsitzende sprach sich für eine bessere, wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit und den sachlichen Dialog mit Kritikern aus. Dies gelte für das Erarbeiten des Tierschutzplanes 2017, auch wenn dies Zeit und Kraft fordere. 


Dass die Politik machtlos sei, müsse er relativieren, erwiderte Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger. Er verwies darauf, dass in  Brandenburg die Direktzahlungen bis Jahresende ausgereicht wurden, um  Liquidität zu sichern.  „In anderen Ländern ist das nicht gelungen.“ Außerdem seien die von der Ersten in die Zweite Säule umgeschichteten Mittel im Unfang von 84 Mio. € als Ausgleichs­zulage gewährt worden. „Ich habe großes Interesse daran, dass auch die KULAP-Gelder möglichst rasch ausgezahlt werden“, betonte Vogelsänger und nannte den Zeitraum April/Mai. Er werde jedenfalls um jeden Euro für Brandenburgs Landwirtschaft kämpfen, versicherte er.  Zum Tierschutzplan merkte er an, diesem „relativ gelassen“ entgegenzusehen, weil sich die Verbände hier gut einbringen würden. Sicherlich ließe sich hier noch mehr machen, aber zunächst gehe es erst einmal darum, die gesetzlichen Standards einzuhalten.


Der Rinderzuchtverband hatte zum Ende vergangenen Jahres 753 Mitglieder, fünf weniger als im Jahr davor. Der Rinderbestand ging in diesem Zeitraum von
561 859 auf 542 926 zurück. „Wir haben nicht die Illusion, dass Betriebe neu in die Milchproduktion einsteigen, aber die Hoffnung, dass sich die Situation stabilisiert“, erklärte Cornelia Buchholz im Bericht des Vorstands. Der Verband, der im Geschäftsjahr einen Überschuss von 209 000 € erzielte, betreut sechs Milch- und Zweinutzungsrassen mit insgesamt 101 402 Tieren sowie 19 Fleisch­rindrassen mit 258 Bullen und 7 395 Kühen. Über die Tochtergesellschaft RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH konnten von Oktober 2016 bis März 2017 insgesamt 18 148 Zucht-, Nutz- und Schlachtrinder vermarktet werden, ein leichter Zuwachs zum Vorjahr. Exportiert wurden 2 269 Zuchtrinder, 204 mehr als im Vorjahreszeitraum.


Cornelia Buchholz berichtete über zahlreiche Aktivitäten von Verband und GmbH, darunter die  Zuchtbullenauktion für Fleischrinder im März in Groß Kreutz und das Färsenchampionat Best of vor wenigen Tagen an gleicher Stelle. Die RBB-Geschäftsführerin bedankte sich bei den Mitgliedern, Geschäftspartnern und Mitarbeitern sowie ehrenamtlichen Mitstreitern für das Vertrauen und engagierte Zusammenarbeit. „Wir stehen in dieser schwierigen Zeit an Ihrer Seite und arbeiten als Dienstleister gemeinsam mit Ihnen für die weitere Entwicklung unserer Rinderzucht!“


Im Anschluss wurde ein neuer Vorstand und Aufsichtsrat des Rinderzuchtverbands gewählt.  An deren Spitze stehen weiterhin Helmut Baum beziehungsweise Enrico Krüger, neu im Vorstand ist LKV-Vorsitzender Fred Schulze. Der Ehrenpreis des Rinderzuchtverbandes ging an den Landwirtschaftsbetrieb Birgit Wache in Heideblick, Detlef Jacob  aus Hindenberg, die Agrargenossenschaft Werenzhain, die Stadtgüter Berlin-Nord KG und die Mathias und Bernhard Möller GbR in Baarz.

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