Rebrechte sind vergeben

24.10.2014

© Sabine Rübensaat

Mit der Wiedervereinigung musste in Brandenburg das gesamte europäische und nationale Weinrecht eingeführt werden.

Erstaunlich, aber wahr: Die märkische Sonne lässt sehr gute Traubenqualitäten reifen. Immerhin bietet die kontinentale Lage mehr Sonnenstunden als Rheinhessen oder Rheinland-Pfalz. Die in Brandenburg gekelterten Weine überzeugen bei den Weinproben, erlangen Preise bei Weinprämierungen und haben ihre Stammkundschaft gefunden. In den letzten Jahren wurden jährlich zwischen 300 und 600 Hektoliter Wein erzeugt. Die Hektarerträge freilich waren niedrig und lagen über alle Betriebe und Sorten im Mittel zwischen 30 und 40 Hektoliter je Hektar.

95 % der Rebflächen konzentrieren sich in den südlichen Landesteilen sowie in Werder/Havel. Die seit Anfang der 90er Jahre bestehenden Anbauflächen wurden den Qualitätsweinanbaugebieten Sachsen (Schlieben im Landkreis Elbe-Elster) sowie Saale-Unstrut (Werder/Havel im Landkreis Potsdam-Mittelmark) zugeordnet.

Keimzelle Wachtelberg

Von dem ehemals ausgedehnten Anbau der Rebe waren mit der Neugründung des Landes Brandenburg 1990 nur noch letzte Spuren vorhanden. Immerhin konnte der sich gerade wieder zaghaft entwickelnde Weinbau der Region über die Wirren der Wende bewahrt und erfolgreich weiter entwickelt werden. Noch vor dem Ende der DDR, im Jahr 1985, hatten traditionsbewusste Werderaner auf fünf Hektar des alten Kulturstandorts Wachtelberg Wein gepflanzt – die Keimzelle des heute größten brandenburgischen Weinguts.

Mit der Wiedervereinigung musste in Brandenburg das gesamte europäische und nationale Weinrecht eingeführt werden – und das setzt vor allem Grenzen beim Rebrecht. Ohne Rebrechte geht gar nichts, denn im europäischen Binnenmarkt sollen der Anbau und damit die Preise möglichst stabil gehalten werden. 2007 wurden dem Land aus der regionalen Reserve durch die Bundesrepublik Deutschland 15 Hektar Rebrechte, die in Rheinland-Pfalz nicht benötigt wurden, zur Verfügung gestellt. Die Rebfläche für Brandenburg ist aktuell auf insgesamt 30 Hektar begrenzt – diese Rebrechte sind mittlerweile vollständig vergeben.

Immerhin einigte sich die Agrarministerkonferenz der Länder Ende August 2013 darauf, dass die traditionellen westdeutschen Weinländer ihre Anbaufläche jährlich um ein halbes Prozent, die ostdeutschen Länder um ein Prozent ausweiten dürfen. Das bedeutet, dass in Brandenburg jährlich 3 000 Quadratmeter neu aufgerebt werden können – zu wenig für die Entwicklung dieses für Brandenburg jungen Wirtschaftszweigs.

Regent die Nummer eins

Da traditionelle Sorten aufgrund ihrer Anfälligkeit gegen pilzliche Erreger einen hohen Aufwand zum Pflanzenschutz erfordern, wurden in Brandenburg viele widerstandsfähige Rebsorten gepflanzt. An Weißweinsorten findet man Müller-Thurgau, Weißburgunder, Riesling, Ruländer, Sauvignon blanc. Daneben gibt es neue pilzwiderstandsfähige Sorten wie Johanniter (als Riesling-Ersatz), Solaris und Helios (als Müller-Thurgau-Ersatz) sowie Schönburger, Muscaris und Saphira als neue Bukettsorten.

Die rote pilzwiderstandsfähige Sorte Regent ist die mit 5,7 Hektar am meisten angebaute Rebsorte in Brandenburg. Weitere Rotweinsorten sind Dornfelder und Cabernet Dorsa.

Neun Winzer und Weinbauvereine Brandenburgs haben am 12. Oktober 2013 in Jerischke die Fachgruppe Weinbau beim Landesgartenbauverband gegründet, der die Interessen der Betriebe besser vertreten soll.

Mit Außenwirkung

Es ist ebenso erstaunlich wie erfreulich, dass in einem Land mit einer so kleinen Erntemenge die jährliche Weinlese, das Keltern und schließlich die Verkostung des heimischen Weins ein so großes öffentliches Interesse auslöst. Weinfeste sind gut besucht. Regionale Weine sind ein begehrtes Souvenir und Geschenk für öffentliche und private Anlässe. So ist Brandenburg mit Blick auf die Rebfläche zwar kein großes Weinbau betreibendes Land, aber eine Weinbauregion mit großer Außenwirkung, schätzt das Potsdamer Landwirtschaftsministerium ein.

Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

 

 

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