Rasse(n) mit Klasse

23.10.2014

© Lea Behring

Roland Rocher war sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Prämierung.

Zur Bildergalerie: Rasse(n) mit Klasse

 

Erst wurden die Schafe auf die Waage geführt und dann in den Pferch. Normale Abläufe auf der Bockauktion jüngst in Hakenberg bei Fehrbellin, die Schäfermeister Knut Kucznik schmunzelnd als „Vereinsversammlung“ bezeichnete. Damit meinte er den Schäferverein Ruppiner Land, der diesen Tag organisiert hatte. „Es ist hier alles in einem persönlichen Rahmen, man kennt sich untereinander“, sagte er. Tatsächlich herrschte den ganzen Tag über eine entspannte Stimmung.

 

Bereits zum dritten Mal hatte der Verein zur Auktion eingeladen, bei der vor allem Jungböcke der Wirtschaftsrassen aufgetrieben wurden. Auch einige Mutterschafe und spezielle Rassen wie Charollais oder Kerry Hill waren dabei, außerdem Ziegen und Kleinschafe. Wobei es gar nicht vorrangig um die Auktion, sondern um den Leistungsvergleich der Züchter ging.

 

Strenges Urteil

Der Ruppiner Verein besteht aus 36 Mitgliedern, die alle ehrenamtlich tätig sind. Der Verein untersteht direkt dem Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg e. V. Dessen Vorsitzender Knut Kucznik ist gleichzeitig im Vorstand des Ruppiner Schäfervereins tätig. Der Schafzuchtverband stellte den Zuchtleiter: Dr. Hans Jörg Rösler, der zusammen mit anderen Schäfern die Böcke beurteilte und bewertete.

 

Dr. Michael Jurkschat, beim Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in der Forschung tätig, übernahm die Moderation und erklärte den Ablauf: Nach dem Auftrieb findet die Herdbuchaufnahme und Körung statt. Die Tiere, die aus dieser Bewertung mit der „Wertklasse 1“ hervorgegangen sind, werden anschließend noch prämiert. Ganz am Ende findet die Auktion statt.

 

Kein schwarzes Vlies

Während der ganzen Prozedur wird erklärt, wie Böcke auf eine Auktion vorbereitet werden, denn es sind auch Züchter dabei, die zum ersten Mal an einer solchen Veranstaltung teilnehmen. Kuczniks Kommentar: „Eine blutige Nase sollte man sich lieber zu Hause holen und nicht auf der Elite-Bockauktion“.

 

Die beste Bewertung der Tiere erfolgt mit der Zahl neun, die schlechteste mit eins. Es wird rassenweise gesichtet und bewertet, dazu werden die Tiere in einem Rondell vorgeführt. Bewertet werden die Wolle, das Fundament und der Muskelansatz. Bei der Wolle ist wichtig, dass sie kein schwarzes Vlies enthält, also einfarbig ist. Bei Tieren, die für die Fleischproduktion gehalten werden, ist die Qualität der Wolle natürlich weniger wichtig. Jedoch wären diese Tiere nicht mehr für die Eliteauktion geeignet.

 

Um das Fundament – also den Körperbau – richtig beurteilen zu können, muss man das Tier in Bewegung sehen. Besonders wichtig sind ein gerader Rücken und eine normale Stellung der Beine. Auch der Zahnstand wird geprüft, da eine Anomalie zu Fehlverhalten beim Fressen führt. Gerade der Muskelansatz ist ein sehr wichtiges Vererbungsmerkmal. „Die Tiere sollen sich ihr Futter erlaufen“, sagte Dr. Jurkschat. Es geht also um extensive Haltung, der sich auch Kucznik verschrieben hat, zumindest für die Muttertiere. Es ist jedoch ein deutlicher Gewichtsunterschied zu den ebenfalls sechs Monate alten Böcken zu sehen. Diese wurden mit Kraftfutter gefüttert und wiegen fast das Doppelte.

 

Ein Prachtexemplar

Erst vor einigen Jahren hat Monika Schulz mit der Zucht einer besonderen Rasse begonnen: dem Rauhwolligen Pommerschen Landschaf. Ein besonders prächtiges Exemplar, ein zweieinhalb Jahre alter Bock mit einer mächtigen schwarzen Mähne, zeigte sich sehr zutraulich und schien an diesem Tag gar nicht mehr von ihrer Seite weichen zu wollen. Die Mähne brachte allerdings Abzüge in der Bewertung der Wolle, da diese nicht einheitlich war. Dem Stolz der Züchterin tat das aber keinen Abbruch.

 

Plätze eins bis drei

Nach der Körung fand in Hakenberg die Prämierung statt, wozu alle Tiere noch einmal rassenweise in den Ring geführt wurden. Bei jeder Rasse wurden die Plätze eins bis drei vergeben, um dann die besten der einzelnen Rassen noch einmal zusammen aufzuführen und den Sieger zu ermitteln. In allen Kategorien überzeugen konnte ein besonders schöner Suffolk-Bock aus der Zucht von Ronald Rocher.

 

Der Nebenerwerbslandwirt, der in der Rubrik „Schafsmeldungen“ der Ausgabe 42 bereits auf die Auktion in Hakenberg kurz hingewiesen hatte, konnte seinen „urlaubsmäßigen“ Tag in Fehrbellin also mit einem vollen Erfolg abschließen.

 

 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr