Pressegespräch zum Ernteauftakt

11.07.2018

© Wolfgang Herklotz

Weizendrusch am Donnerstag vergangener Woche in der Agrargenossenschaft Trebbin. Die Gerste ist hier schon längst vom Halm, der Erntestart erfolgte wie in vielen Betrieben landesweit viel früher als sonst. Doch die Hoffnungen auf hohe Erträge wurden schnell zunichte gemacht.

Sie verspricht ein hohes Ertragspotenzial, die Weizensorte Euclide. Die Strohausbeute ist aufgrund des kurzen Wuchses nur gering, dafür kommt der Qualitätsweizen gut mit trockener Witterung zurecht – normalerweise. Aber was ist schon normal in dieser Zeit? Die hohen Temperaturen und die fehlenden Niederschläge in den vergangenen Wochen haben dem Weizenschlag am Rande von Christinendorf ordentlich zugesetzt. Dr. Thomas Gäbert von der Agrargenossenschaft Trebbin zerreibt eine Ähre, legt kleine Körner frei. „Die bringen nur geringen Ertrag, zumal sie beim Drusch leicht weggepustet werden können.“

 

Dem für den Ackerbau des 4.000-ha-Betriebes im Landkreis Teltow Fläming Verantwortlichen liegt nichts daran, die Dinge zu dramatisieren. „Doch die Situa­tion ist ernst und verschlechtert sich von Tag zu Tag“, macht er beim Pressegespräch des Deutschen Bauernverbandes zum offiziellen Ernteauftakt am Donnerstag vergangener Woche deutlich. „Bei der Gerste haben wir fast ein Drittel weniger als im Vorjahr geerntet, beim Raps dürften es bis zu zwei Drittel weniger als üblich sein. Für Weizen und Triticale ist eine exakte Einschätzung noch zu früh, aber auch hier werden wir wohl kräftige Einbußen hinnehmen müssen.“

 

Dies gilt ebenso für den Mais, den der Betrieb auf 1.000 ha anbaut, um die Milchkühe zu versorgen sowie die Biogasanlage zu betreiben. Die Pflanzen, die sonst mehr als zwei Meter Wuchshöhe haben, kommen derzeit nur auf 30, 40 cm. „Wir stehen vor einer der schlechtesten Maisernten“, so Gäbert. Noch existieren ein paar Reserven aus dem Vorjahr, die aber schon bald aufgebraucht sein dürften. Von der ursprünglichen Hoffnung, einen Teil der diesjährigen Maisernte verkaufen zu können, haben sich die Trebbiner längst verabschiedet. „Wir sind nun dazu übergegangen, bestimmte Flächen zu beregnen, aber das bringt aufgrund der hohen Verdunstung kaum etwas.“

 

Um die Futterversorgung zu sichern, setzen die Trebbiner auf den Anbau von Zwischenfrüchten. Überdies sollen Brachflächen genutzt werden, um wenigstens Ersatzstroh zu produzieren. Doch das muss extra beantragt werden, betont Uwe Mertin, ebenfalls im Betrieb für den Feldbau zuständig. „In so einer schwierigen Si­tuation muss es unbürokratische Ausnahmeregelungen geben!“

 

Zwar besteht seit dem 1. Juli die Möglichkeit, den Aufwuchs von ökologischen Vorrangflächen zur Futtergewinnung und Beweidung zu nutzen. Doch das ist auch nur ein „Notnagel“, wie Landesbauernverbandspräsident Henrik Wendorff beim Pressegespräch deutlich macht. Nach derzeitigen Schätzungen müsse landesweit mit Ertragsausfällen bis zu 50 % gerechnet werden. „Im Extremfall kann es zu Totalausfällen kommen und existenzbedrohlich werden.“ Laut Wendorff mussten im vergangenen Jahr bereits 170 Brandenburger Agrarunternehmen Ertragseinbußen von mindestens 30 % hinnehmen. „Das heißt, diese Betriebe sind bereits angeschlagen. Nach Hilfe zu rufen fällt schwer, aber es gibt keine Alternative dazu!“ Als zusätzliches Problem erweist sich die hohe Brandgefahr auf den Feldern. Es kam bereits zu zahlreichen Bränden während der Ernte, ausgelöst durch Funkenschlag am Schneidwerk und heiße Motorteile. Um schnell löschen zu können, sollten unbedingt Wassertankwagen in Reichweite sein. „Das erhöht den Aufwand, ist aber notwendig. Wir können uns keine weiteren Verluste leisten“, erklärt Wendorff.

 

Für Brandenburg sollte offiziell die Notsituation ausgerufen werden, um rasch wirksame Hilfsmaßnahmen einleiten zu können. Dies gibt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, zu bedenken. „Wir müssen aber auch deutschlandweit von großen Einbußen bei der diesjährigen Ernte ausgehen, so von 20 Prozent beim Getreide und 30 Prozent beim Raps. Wir werden erneut eine Ernte haben, die weit unter dem Durchschnitt liegt!“

 

Dem DBV-Präsidenten zufolge braucht es dringend Instrumente zur Liquiditässicherung. „Dazu gehört auch die Möglichkeit, steuerfreie Rücklagen zum Risikoausgleich zu bilden.“ Weitere Informationen zum Ernteauftaktgespräch in der Agrargenossenschaft Trebbin in der kommenden Ausgabe der Bauernzeitung, Heft 28, auf Seite 19.

 

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