Öllein: Das "blaue Gold" aus dem Spreewald

24.06.2016

Ölleinfeld © Spreewaldverein

Seit Hunderten von Jahren wird im Spreewald Flachs angebaut und zu unterschiedlichen Produkten verarbeitet. Das wohl bekannteste unter ihnen ist frisch gepresstes Spreewälder Leinöl. Auf 167 Hektar Ackerfläche wächst in diesem Jahr im Spreewald Öllein, davon auf rund 50 Hektar in Bio-Qualität. Vorige Woche  trafen sich Anbauer und Verarbeiter des Ölleins erstmals zu einer medial begleiteten, offiziellen Saisoneröffnung während der Blütezeit auf den Feldern des größten Anbaubetriebes der Region, dem Landgut Sellendorf.


Lein hat eine relativ kurze Vegetationszeit. In der Regel vergehen nur 120 bis 125 Tage zwischen Aussaat und Ernte. Erfahrene Landwirte sehen auf den ersten Blick, ob der Lein reif ist: Die Blüten sind verschwunden; die Pflanze beginnt, sich braun und gelb zu verfärben. Schüttelt man die Leinkapsel, kann man darin die Samen leise rascheln hören. Mit modernen Messmethoden prüft der Landwirt den Feuchtigkeitsgehalt der Samen. Liegt dieser unter neun Prozent, kann die Ernte beginnen.

 

 

Klaus Neumann vom Landgut Sellendorf präsentiert Öllein.
Fotos: Spreewaldverein

 

 

 

 

 

 

Nach dem Mähen werden die Samen durch Dreschen aus den Kapseln geholt. Teile anderer Pflanzen müssen aussortiert werden. Dies geschieht in Vetschau/Spreewald, wo die Spreewald-Mühle einen Reinheitsgrad von 99,9 % erreicht. Sind die Leinsamen gereinigt, machen sie sich auf den Weg zu den Ölmühlen, die das Spreewälder Leinöl pressen.


Doch auch wenn die Anbauflächen größer werden, ist Spreewälder Leinöl keine Massenware. Denn der Ertrag liegt bei lediglich 1 bis 1 ,5 t/ha. In jeder Flasche befindet sich also ein kleiner Schatz aus dem Spreewald. Auch aus diesem Grund bezeichnen die Bewohner der Region ihr Leinöl als „blaues Gold“.


Über Generationen wurde das Wissen um die richtige, schonende Verarbeitung der Samen weitergegeben. Auch die Industrialisierung hatte keinen Einfluss auf die Bedeutsamkeit der Ölmühlen. Zwar zogen vielerorts mechanische Pressen in die Mühlen ein, doch das Handwerk war weiterhin unabdingbar.


Das Spreewälder Leinöl wird traditionell in zwei unterschiedlichen Verfahren gewonnen: Entweder mit einer Schneckenpresse oder mit einer Stempelpresse. In beiden Fällen werden die Samen nach vorherigem Aufbrechen unter hohem Druck zusammengepresst. Durch diese schonende, rein mechanische Behandlung bleiben die wichtigen Inhaltsstoffe, vor allem die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, erhalten.

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