Ökolandbau: Nicht mehr Spitze?

24.04.2014

© Sabine Rübensaat

Der hiesige Ökolandbau hat an Boden verloren.

Die Brandenburger Landesregierung verletzt ihren eigenen Koalitionsvertrag.“ Mit dieser Kritik hat die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau (FÖL) auf die aktuelle Agrarstrukturerhebung reagiert. Danach ist die ökologisch bewirtschaftete Fläche im Land seit 2010 um zwei Prozent auf 137 700 Hektar zurückgegangen, die Zahl der Betriebe um sechs Prozent. Zwar war im Koalitionsvertrag der rot-roten Regierung die Absicht festgeschrieben worden, den Spitzenplatz im Ökolandbau auszubauen. Doch inzwischen haben die Bundesländer Saarland und Hessen mit einem prozentualen Anteil von 10,7 % die Mark überflügelt, die nun bei 10,48 % liegt. „Damit erntet Brandenburg, was es seit  Jahren an Verunsicherung und fehlender Unterstützung sät“, so Michael Wimmer,  Geschäftsführer der Fördergemeinschaft.

Chancen ungenutzt

Als Beleg dafür wird angeführt, dass das Land seit Jahren mit 137 Euro Flächenprämie je Hektar den bundesweit niedrigsten Fördersatz für die Beibehaltung der ökologischen Wirtschaftsweise gewährt. Zudem setzte Brandenburg als einziges Bundesland in den vergangenen drei Jahren die Umstellungsförderung komplett aus. „Überdies gibt es keine speziellen Förderinstrumente wie Beratung oder Kontrollkostenzuschüsse, um den Ökolandbau oder die Veredlung und Verarbeitung von Bioprodukten gezielt zu stärken“, moniert die Fördergemeinschaft. Auch die zusätzlichen Mittel für die sogenannte Zweite Säule sollen bezeichnenderweise nicht in den ökologischen Landbau, sondern in die Ausgleichszulage  für benachteiligte Gebiete gehen.

„Brandenburg ruht sich auf den Errungenschaften der 90er Jahre aus und verweigert Maßnahmen, um auf die heutige Marktsituation zu reagieren und Chancen zu nutzen“, konstatiert   die in Berlin ansässige Fördergemeinschaft.

Eine Einschätzung, die man im zuständigen Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft entschieden zurückweist. „Brandenburg braucht sich nicht zu verstecken“, so Sprecher Dr. Jens-Uwe Schade. Er verweist darauf, dass der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche in Ländern wie Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen trotz grüner Agrarminister lediglich bei 3,6 beziehungsweise 4,8 Prozent liegt.

Prämie auskömmlich

 „Mit jährlich rund 16 Millionen Euro, das sind immerhin 40 Prozent unseres Kulturlandschaftsprogrammes, stellt das vergleichsweise arme Bundesland auch in absoluten Zahlen viel Geld für den Ökolandbau bereit“, erklärte Schade. Er räumte zwar ein, dass die Flächenprämie im Vergleich der Bundesländer „am unteren Rand des Spektrums“ liege. Diese Prämienhöhe lasse sich aber bei der Berechnung der Ertragseinbußen deutlich nachvollziehen. Denn durch geringe Erträge seien auch die auszugleichenden Ertragsverluste gering. Die Auswertung der Buchführungsergebnisse ökologisch wirtschaftender Betriebe im Wirtschaftsjahr 2011/12 lasse den Schluss zu, dass die Ökoprämie in Brandenburg  auskömmlich sei.

Laut Schade gibt es mehrere Gründe für den Ausstieg aus dem Ökolandbau, der nicht allein auf zu niedrige oder gekürzte Ökoprämien zurückzuführen ist, wie ein gemeinsames Forschungsvorhaben mehrerer namhafter Institute zeigte. Befragt wurden Betriebe, warum sie zur konventionellen Bewirtschaftung zurückgekehrt sind. Als Gründe wurden ein zu geringes Einkommen, Vermarktungsprobleme und zu geringe Preisaufschläge für Ökoprodukte angegeben, aber auch zu hohe Kosten für Kontrolle und Zertifizierung sowie für den Zukauf zertifizierter Futtermittel. Nicht zuletzt spielt auch die Flächenkonkurrenz durch die erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle.  

Nur wenig Neuanträge

„Bereits im Zeitraum 2009 bis 2011, als die Umstellung noch gefördert wurde, flachte die Zugangskurve für ökologisch bewirtschaftete Flächen ab“, versicherte Schade. „Auch zum Jahresanfang 2014, seitdem wieder die Umstellung gefördert wird, sind nur wenige Neuanträge eingegangen.“ Von der Ausgleichszulage profitieren zudem auch die Ökobetriebe, so der Pressesprecher. „Eine nachhaltige Landnutzung in Brandenburg, das zu drei Vierteln benachteiligtes Gebiet ist, hat positive, umweltrelevante Aspekte.“ Das Kulturlandschaftsprogramm sei nach wie vor das „umfangreichste Umweltpaket“ im Land.

Weniger ist mehr

Wie der Landesbauernverband dazu einschätzt, ist es für die neue Förderperiode zwingend notwendig, ein ausgewogenes Förderpaket zu schnüren. Hier muss und wird natürlich die Förderung des ökologischen Landbaus ein wichtiger Teil sein. „Allerdings ist es nicht zielführend, den Verlust der prozentualen Spitzenposition des brandenburgischen Ökolandbaus in dieser Form zu kritisieren. Manchmal ist auch weniger mehr. Die Förderprogramme in der Zweiten Säule müssen für alle Produktionsbereiche und -richtungen Angebote bereithalten“, stellte LBV-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Scherfke klar. „Dazu gehören eine vernünftige Grünlandförderung genauso wie Förderprogramme für die Schafhalter, aber auch für die  Ackerbauern.“ Die Entscheidung des Ministeriums, die Mittel aus der Ersten Säule in Brandenburg für die benachteiligten Gebiete einzusetzen, wird vom LBV mitgetragen. Scherfke: „Die Ausgleichszulage war und bleibt für Brandenburgs Bauern existenziell, und hiervon profitieren auch die Ökobauern.“

Auf einen Blick
Im vergangenen Jahr bewirtschafteten 650 Betriebe insgesamt 137 700 Hektar vollständig oder teilweise nach den Richtlinien des Ökolandbaus. Die durchschnittliche Flächenausstattung lag bei 210 Hektar. Zwei Drittel der Betriebe waren der Rechtsform Einzelunternehmen zuzuordnen, die 36 % der Ökofläche bearbeiteten. 88 900 Hektar (65 %) wurden als Ackerland, 45 700 Hektar (33 %) als Dauergrünland genutzt.

 

 

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