Nur schnelle Hilfe zählt

27.07.2016

Milchviehstall © Sabine Rübensaat

Für mehr als 50 Brandenburger Milchviehhalter kommt die nun von EU-Politikern angedachte Finanzhilfe von 500 Millionen Euro deutlich zu spät: Sie sind im zurückliegenden Jahr der Milchkrise zum Opfer gefallen und haben die Produktion eingestellt. „Solange die geplante Unterstützung nicht direkt bei unseren Landwirten angekommen ist, werden wir nicht in Jubel ausbrechen, sondern weitere Betriebe verlieren“, sagte Brandenburgs Bauernpräsident Henrik Wendorff mit Blick auf die jüngsten Nachrichten aus Brüssel.


Beim Treffen der EU-Agrarminister wurden Pläne vorgestellt, laut denen insgesamt 500 Millionen Euro für die europäischen Landwirte zur Verfügung gestellt werden, um auf diese Weise wirksam zu helfen. Allerdings beabsichtigt die Europäische Union, den genannten Betrag aufzuteilen: 150 der 500 Millionen sollen an eine freiwillige Reduktion der Milchmenge gebunden werden; von den weiteren 350 Millionen – für nationale Hilfsprogramme gedacht – sind lediglich 58 Millionen Euro für die deutschen Milchbauern bestimmt.


„In der Öffentlichkeit sollte nicht der Eindruck erweckt werden, als wären die genannten Summen für unsere Landwirte entscheidend“, sagte Landesbauernpräsident Henrik Wendorff zu den Absichten der EU. „Allein bei uns in Brandenburg haben die Milchbauern in den vergangenen sechs Monaten Verluste in Höhe von etwa 72 Millionen Euro hinnehmen müssen. Mit jedem Liter Milch macht der Bauer Verlust, da sind die 2,1 Millionen, die unter Umständen irgendwann einmal bei uns ankommen, nicht viel.“ Wendorff fordert deshalb den Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung, Christian Schmidt, dazu auf, alle Möglichkeiten auszunutzen, um die EU-Zahlungen mit nationalen Mitteln erheblich aufzustocken.


„Wir sind auch skeptisch, ob nicht die Bindung eines Teils der EU-Zahlungen an eine freiwillige Mengenreduktion eine schnelle und unbürokratische Auszahlung verhindert“, sagte Brandenburgs Bauernpräsident weiter. „Nur schnelle Hilfe ist echte Hilfe – wenn nicht noch mehr Betriebe aus der Milchproduktion aussteigen sollen, muss das Geld so schnell wie möglich fließen.“ Ohnehin könne die freiwillige Reduktion der Milchmenge nur funktionieren, wenn sich europaweit alle Betriebe dazu verpflichtet fühlten und wenn die Maßnahme zeitlich begrenzt bleibe, so Wendorff. „Ansonsten kann sie nach meiner Auffassung zu unvorhersehbaren Marktverwerfungen führen.“

 

Spare in der Zeit …


Der Landesbauernverband erneuert in diesem Zusammenhang seine Forderung: Die politischen und wirtschaftlichen Weichen müssen schnellstmöglich auf allen Ebenen so gestellt werden, dass eine Risikovorsorge für die Zukunft erfolgen kann. Hierzu gehören unbedingt steuerliche Maßnahmen, sodass die Bauern auch hierzulande getreu dem alten Motto handeln können: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“.

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