Nein zu Aktionismus

12.02.2015

© Holger Brantsch

Welche Landwirtschaft wollen wir? RBB-Moderator Andreas Oppermann im Gespräch mit Henrik Wendorff und Carlo Horn (v. l.).

Fast 120 Landwirte und Gäste waren Anfang Februar zum  „Antenne Brandenburg- Stammtisch“ auf die Burg Storkow zu einer Diskussionsrunde zum Thema „Großinvestoren oder Brandenburger Bauern – Ländliche Entwicklung am Scheideweg“ gekommen. Sie alle diskutierten gemeinsam mit LBV-Vizepräsident Henrik Wendorff, Landrat Gernot Schmidt (Märkisch-Oderland), Minister Jörg Vogelsänger, Reinhard Jung (Bauernbund), Hans-Georg von der Marwitz (MdB), Benedikt Förtig (Vorstandsmitglied KTG) und Landwirt Carlo Horn.

Die große Schwierigkeit bestand darin, sachlich die wesentlichen Schwerpunkte im Rahmen einer Gesprächsrunde um den Grund und Boden herauszuarbeiten. „Eine notwendige gesellschaftliche Diskussion muss über die Klärung des Begriffs der Ortsansässigkeit hinausgehen“, so LBV-Vizepräsident Henrik Wendorff. „Die Gesellschaft, aber auch die Politik muss sich weiteren Fragen stellen!“ Allein die Klärung eines Vorkaufsrechtes löst nicht alle Fragen. Was nützt ein Vorkaufsrecht für Ortsansässige, wenn sich nur noch wenige landwirtschaftliche und nichtlandwirtschaftliche Investoren die Bodenpreise leisten können? Oder stehen nicht auch Fragen im Raum wie die Doppelbesteuerung beim Landkauf, die hohen Kosten des Bodenvorkaufs durch Landgesellschaften, die fehlenden Bürgschaften für Junglandwirte beim Kauf von Land oder Gesellschaftsanteilen?

Kommt es nicht auch letztendlich auch auf den Eigentümer oder Verpächter an, der seine Fläche an den Landwirt im Dorf oder an den Investor verpachtet oder verkauft? 70 % der bewirtschafteten Felder sind immerhin Pachtflächen. Ist es gewollt, dass Fernsehstarköchinnen Betriebe kaufen? Ist es verwerflich, wenn ein Betrieb einen in Schwierigkeiten geratenen Nachbarbetrieb aufkauft? Ist der Bodenfond einer Ökobank ein gewolltes, der Kauf eines Betriebes durch ein ehemaliges Schlachtunternehmen ein ungewolltes Landgrabbing?

Die Diskussion belegte dann auch anschaulich die Vielschichtigkeit der gesamten Problematik. „Der Landesbauernverband fordert deshalb keinen vorschnellen Aktionismus, sondern eine breite gesellschaftliche und sachlich geführte Diskussion darüber, welche Landwirtschaft wir wie wollen. Hier den gesellschaftlichen Konsens zu finden und dann auch rechtssicher zu fassen, erfordert weitere gründliche Arbeit aller Beteiligten. Jedoch die Zeit drängt“, betonte Henrik Wendorff.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr