Nager sorgt für viel Verdruss

24.08.2016

© Wolfgang Herklotz

Auf den ersten Blick macht der mit Betonsteinen gepflasterte Weg noch einen stabilen Eindruck. Doch die Warnbake an der Seite hat ihren triftigen Grund. Die Kante ist weggebrochen, unter den Steinen hat sich ein beträchtlicher Hohlraum gebildet. Nur eine Frage der Zeit, dass der Verbund an dieser Stelle einstürzt. Und nicht nur an dieser ... Denn der Weg, der die Gemarkung Sieversdorf mit den Orten Goldbeck, Koppenbrück und Neuendorf  verbindet, weist an Dutzenden Punkten ähnliche Schäden auf. Verantwortlich dafür ist der Biber, der sich hier an den umfangreichen Grabensystemen der Dosse- und Rhin-Niederung sichtlich wohl fühlt und jede Gelegenheit nutzt, für seine zahlreichen Familien Baue anzulegen. Der  nicht einmal einen Kilometer lange Weg, der nach dem Hochwasser 2002 dank Fördermitteln  errichtet wurde, scheint für  die Aktivitäten von Meister Bockert, wie er in der Fabel bezeichnet wird,  besonders geeignet zu sein. Denn er ist leicht erhöht und verläuft parallel zum Graben, perfekt also, um auf Beute zu gehen und sich dann zurückzuziehen.  


Sigrid Schumacher, die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Zernitz-Lohm, wie sich der Gemeindeverbund im Amt Neustadt (Dosse) nennt,  hat nichts gegen die possierlichen, geschützten Nager. Schon gar nicht, weil sie der Partei  Bündnis 90/Die Grünen angehört. „Aber wenn Naturschutz mit  kommunalen Interessen kollidiert, gibt es ein handfestes Problem. Und das haben wir hier!“


Hatten sich die Biber anfangs noch auf das Benagen von Bäumen und Sträuchern beschränkt, traten bereits vor vier Jahren erste Schäden an Böschungen auf. Die Unterhöhlungen führten dazu, dass sich die Wege absenkten und Reparaturen nötig wurden. Diese hielten sich zunächst noch in Grenzen, verursachten allerdings schon Kosten in Höhe von rund 10 000 €. Doch inzwischen hat die Beseitigung der  Schäden ein solches Ausmaß erreicht, das die Möglichkeiten der Gemeinde überschreitet. „Wir mussten die Straße zwischen Sieversdorf und Goldbeck für den Verkehr sperren, ebenso wie die von Sieversdorf nach Schwarzwasser“, berichtet Schumacher.  Das ärgert  nicht nur die Anwohner, die nun längere Umwege in Kauf nehmen müssen. Betroffen sind auch mehrere Landwirtschaftsbetriebe, die  nun ihre Wirtschaftsflächen nicht mehr auf direktem Weg  erreichen können. „Eine mittlere Katastrophe“, betont Dr. Henning Hartmann von der Agrargenossenschaft Sieversdorf eG, die hier rund 1 600 ha bewirtschaftet und Getreide, aber auch Kartoffeln anbaut und Milch produziert. Für rund ein Drittel ihrer Felder ist der  besagte Weg  so eine Art „Lebensader“, um die Flächen mit Saatgut und  Dünger zu versorgen und dann das Erntegut abzutransportieren.  Doch das verbietet sich jetzt. Für jede Wirtschaftsfahrt  fällt nun ein rund zehn Kilometer langer Umweg an, was nicht nur Zeit kostet, sondern zusätzlichen Sprit bedeutet. „Da kommen schnell  Mehrkosten im mittleren fünfstelligen Bereich zusammen“, rechnet Hartmann vor. Dies ließe sich nicht einfach so verschmerzen,  schon gar nicht in der aktuellen Erntesituation ...


Eine Lösung des Problems scheint vorerst nicht in Sicht, trotz mehrmaliger  von der Bürgermeisterin anberaumter Krisensitzungen mit allen Beteiligten und trotz intensivstem Briefverkehr zwischen Amtsdirektor, Umweltministerium und Unterer Naturschutzbehörde. Auch ein Vor-Ort-Termin der Biberschutzbeauftragten des Landes half nicht weiter.     

 

Lesen Sie mehr dazu im Heft 34 (Nordausgabe der BauernZeitung) auf den Seiten 6 und 7 im Brandenburg-Teil.

 

 

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