Mut zu „klarer Kante“

16.05.2018

© Wolfgang Herklotz

Gut besucht war die Bauernversammlung.

Trotz vorheriger Unwetterwarnungen schien zur Eröffnung der BraLa am Donnerstag vergangener Woche die Sonne. Aber das war kein Grund zum Jubeln für Brandenburgs Landwirte, die nach einer längeren Trockenphase so dringend auf Regen angewiesen sind. Zudem gibt es eine Reihe von aktuellen Problemen, die reichlich Sorgenfalten bereiten. Darauf verwies LBV-Präsident Henrik Wendorff gleich zu Beginn der Bauernversammlung, traditionell am zweiten Tag der Ausstellung im MAFZ Erlebnispark im havelländischen Paaren im Glien.


„Klare Kante zeigen“ war das Anliegen der Veranstaltung, zu der mehr als 250 Landwirte und Gäste begrüßt werden konnten. Wendorff kritisierte die Sparvorschläge der EU-Haushaltsplanungen, weil diese die Bedeutung einer sicheren Lebensmittelversorgung ignorierten und die Entwicklung des ländlichen Raums erschwerten. „Für uns kommt nicht infrage, ein Bauernopfer zu erbringen. Wir werden kämpfen und fordern die uns zustehenden Zahlungen ein!“

 

Keine Bittsteller


Deutliche Worte richtete der Präsident auch an die Adresse der Landesregierung, als er die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand bei der Ökoprämie und der KULAP-Mittel anprangerte. „Während die Landwirte längst alle damit verbundenen Leistungen erbracht haben, werden zugesagte Zahlungstermine immer wieder verschoben und IT-Probleme dafür verantwortlich gemacht.“ Dabei lasse Potsdam die zuständigen Landkreisverwaltungen buchstäblich im Regen stehen. Bereits vor zwei Jahren habe sich die Si­tuation so dargestellt. „Es kann nicht sein, dass wir ständig in Vorleistung gehen, wiederholt unserem Geld hinterherrennen und als Bittsteller auftreten müssen!“


Der LBV-Präsident appellierte an Ministerpräsident Dietmar Woidke, für Ordnung zu sorgen. „Verspielen Sie nicht das Vertrauen der Landwirte und der Menschen im ländlichen Raum!“ Der vielversprochene Bürokratieabbau verkomme immer mehr  zur Worthülse, merkte Wendorff   an. Hart ging er auch mit der Wolfsverordnung ins Gericht, die nichts anderes als ein Placebo sei. „Wir brauchen endlich Lösungen und nicht noch mehr Wolfsmanager sowie Rissgutachter“, betonte der Präsident unter lebhafter Zustimmung. „Es ist Zeit für Veränderungen, lassen Sie uns dafür arbeiten!“


Er kenne die großen Sorgen der Landwirte, machte Ministerpräsident Dietmar Woidke gleich zu Beginn seiner Rede deutlich. Durch den Austritt Großbritanniens entstehe ein großes Defizit im EU-Haushalt. „Es kann aber nicht sein, dass dadurch hiesige Strukturen benachteiligt werden!“  ­Woidke warnte davor, die Strukturdebatte mit der Finanzierungsdebatte zu verbinden. „Dies schadet nicht nur der ostdeutschen, sondern der gesamten Landwirtschaft Deutschlands!“

 

Wie der Rote Adler    

          
Der Ministerpräsident wies darauf hin, dass die Landwirtschaft nicht nur die Bevölkerung stabil mit Lebensmitteln versorgt, sondern auch Leistungen für die Gesellschaft im Naturschutz erbringe. „Diese müssen anerkannt werden!“ Als Alarmsignal bezeichnete Woidke den Rückgang der Investitionen im Laufe der letzten Jahre. Dadurch gerieten Arbeitsplätze in Gefahr, betonte er und hob hervor, dass Investitionen dem Tierwohl und der artgerechten Haltung dienen. Trotz aller Probleme können Brandenburgs Landwirte auf ihre Leistungen stolz sein, weil sie im Vergleich zum Bundesdurchschnitt mehr als das Doppelte zur Bruttowertschöpfung beitragen, erklärte  der Ministerpräsident und versicherte weitere Unterstützung. „Die Landwirtschaft gehört zu Brandenburg wie der Rote Adler zum Wappen!“


Er habe größtes Interesse daran, dass die den Landwirten zustehenden Gelder so schnell wie möglich ausgezahlt werden, ließ Agrarminister Jörg Vogelsänger wissen, ohne jedoch Termine zu nennen. „Wir tun, was wir können“, betonte Vogelsänger.

 

Vorsicht Schmerzgrenze


Dass ein Nachtragshaushalt von 20 Millionen Euro für den Ausgleich witterungsbedingter Schäden aufgelegt wurde, sei auch ein Bekenntnis zur Landwirtschaft. Der Minister sorgte für Aufmerksamkeit, als er bundeseinheitliche Regelungen beim Umgang mit dem Wolf einforderte. „Für mich ist bei Wolf und Biber der gute Erhaltungszustand erreicht. Jetzt gilt es, die Weidetierhaltung zu sichern!“


Laut Vogelsänger kommt es darauf an, in Brüssel mit einer Stimme zu sprechen, um eine verlässliche Ausstattung der Direktzahlungen zu sichern. Diese spielte auch in der Diskussion eine Rolle. Hans-Jürgen Gresch aus  Koßdorf warnte davor, die Schmerzgrenze der Landwirte auszutesten. „Wenn die Basisprämie auf 100 Euro pro Hektar abgesenkt werden soll, dann bedeutet das den Ausstieg!“ Lutz Wercham aus Wilhelmsaue forderte, dass weitere Umweltmaßnahmen wie die Anlage von Blühstreifen gefördert werden. Angeblich sollten die kleinen Betriebe stärker unterstützt werden, aber in seinem Falle stimme das leider nicht, erklärte Volker Danneberg aus Niedergörsdorf. In weiteren Wortmeldungen ging es um Verwaltungshürden bei der Flurbereinigung, um die Sorge vor dem Ausbruch der Schweinepest und um hausgemachte Probleme beim Agrarantrag online.


In einem sehr emotionalen Vortrag unter dem Titel „Wenn Du Bauer bleiben willst, dann kämpfe!“ sprach Unternehmensberater Clemens Große Macke den Versammlungsteilnehmern Mut zu. Statt in Resignation zu verfallen, sei positives Denken nach dem LMAA-Prinzip gefordert: „Lächle mehr als andere!“

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