Mülldeponie Friedrichsthal

01.12.2016

© Uwe Werner

Gefährliche Abfälle wurden nicht nur in Friedrichsthal illegal gelagert.

Nach 20 Jahren endete nun das Trauerspiel um den Altlasten­standort in der ostuckermärkischen Gemeinde Friedrichsthal, nachdem Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger vor zwei Jahren den Anstoß gab, das insgesamt 22 ha große Gelände abschließend zu bereinigen. Vorangegangen waren langjährige Bemühungen des Landes, des Landkreises und der Kommune, die Betreiber oder Flächeneigentümer zur Beräumung des Geländes zu zwingen beziehungsweise das Gelände einer alternativen Nutzung zuzuführen. Als diese Bemühungen schließlich gescheitert und alle Rechtsmittel ausgeschöpft waren, hatte Vogelsänger entschieden, die Beräumung mit öffentlichen Mitteln zu veranlassen. Insgesamt 1,85 Mio. € musste das Umweltministerium letztlich dafür aufwenden, Geld, das der Umweltminister auch gern an anderer Stelle eingesetzt hätte:


„Am Ende standen Land, Landkreis und Gemeinde vor der Frage, weiter zuzuschauen, dass durch die Müllablagerung neue Risiken für die Umwelt und zukünftige Altlasten entstehen.“ Denn auf dem Gelände wurden immer wieder Kinder angetroffen, die das Gelände als Spielplatz nutzen wollten. Bereits mehrfach hat es auf dem Grundstück gebrannt.

 

Schwerster Fall von Umweltkriminalität


Bei Standorten wie bei Friedrichsthal sind sich die Sanierer nie sicher, was letztlich alles an Risiken auftreten kann. Unvorhergesehene Funde auf dem Gelände, wie zuvor nicht erkennbare Kellerfundamente mit Abfällen, Dungschächte im großen Stallgebäude, die asbesthaltige Abfälle und nach Öffnung mehr davon als erwartet enthielten, führten zu einer nicht vorhersehbaren Bauzeitverlängerung.


Ab 1991 entwickelte sich das Mülllager in Friedrichsthal zu einem der schwersten Fälle von Umweltkriminalität. 1998 wurde Strafanzeige wegen ungenehmigten Anlagenbetriebs gestellt. Die Betreiber verließen im April 1999 das Gelände, ohne ihren Sicherungs- und Beräumungspflichten nachzukommen. So wurde Friedrichsthal zu einem der Mülllager im Land, bei denen es trotz aufwendiger Recherchen und Gerichtsverfahren nicht gelungen ist, den früheren Eigentümer haftbar zu machen.


Auf dem Gelände im Gartzer Ortsteil Friedrichsthal hatten verschiedene Firmen, die inzwischen alle der Gesamtvollstreckung unterliegen, Schrott, Alt­reifen, Bauabfälle und Abfälle militärischen Ursprungs zurückgelassen, ohne diese je einer Entsorgung oder Weiterverarbeitung zuzuführen. Als Strafanzeige gegen die Betreiber gestellt worden war, haben diese das Gelände, ohne ihrer Sicherungs- und Beräumungspflicht  nachzukommen, verlassen. Nach der Durchführung von Sicherungsmaßnahmen und einer teilweisen Ent­sorgung gefährlicher Abfälle durch das Land verblieben 14, teilweise baufällige, Gebäude sowie mehrere Tausend Tonnen ungeordnet abgelagerte Abfälle auf dem Gelände.

 

Hand in Hand mit Naturschützern


Der Rückbau der Gebäude erfolgte in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Uckermark. Neben der Beachtung von Brutzeiten waren artenschutzrechtliche Kompensationsmaßnahmen durchzuführen. So ist auf der Fläche ein Gebäude als Sommerquartier für Fledermäuse und andere Gebäudebrüter erhalten geblieben. Außerdem blieb auf dem Gelände ein Schornstein zur Anbringung weiterer Brutkästen stehen. Eine Zisterne dient nun als Winterquartier für Fledermäuse. Des Weiteren sind 20 Betonbruchhaufen auf der entsiegelten Fläche für Zauneidechsen und Vögel als Kleinhabitate angeordnet worden.


Seit 2015 wurden hier rund 55 750 t beräumt, vor allem Beton, Asbest, Bauschutt, Mischabfälle, teilte das Umweltministerium mit.

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